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Die

Kirchengeschichte

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Spanien.

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Fius Bonifacins Oams

O. S. B.

I Dritter BaDd.

Y0th Ende des eilften Jahrhnnderts bis zur Grogenwart.

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Zweite Ablhellnns*

Jahr 1492 1879.

Regeiisburg. Druck and Verlag von Georg Joseph Manz. I 1879.

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if Hjmda Ite Abtheilnne firehorifire ..Karte^* ist diesem Bande beis^pfiiH

Im Verlage von 0. J. Manz in Begensborg ist erscbienen ond durch alle Baobhandloiigen zu beziehen:

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PAULIS, BISHOF VON RfOLA

und seine Zeit (360 450). 2 Bde. gr. 8. 8 M. 56 Pf.

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Petrus bis Alexander IL 1—1037. 2r Bd. Von Gregor VIL

1037 bis auf unsere Zeit.

Der Verfasser bietet hier nicht etwa bloss eine sterile Aufzählnnp^ der Päpste mit einigen Notizen fiber ihr Leben nnd Wirken; sondern ein wissen- schaftliches We^i welches den Hauptinhalt derKirchengcschichtezarKenntniss des Lesers bringt. Nach dem Vorgänge der Kirchenhistoriker theilc er die Geschichte in bestimmte, genan abgegrenzte Zeitepochen nnd schildert die kirchlichen und staatlichen, religiösen nnd socialen Zustande dieder Epochen, sowie deren wichtigsten Begebenheiten in Kirche und Staat. Darauf ISast er in chronologischer Ordnung die treffenden Päpste folgen und berichtet von ihnen, wie sie gelebt und gewirkt, und was Merkwürdiges unter ihrem Ponti- ficate geschehen. In dieser Weise ist es ihm gelangen, mit der Geschichte der Päpste eine kurze Kirchen- und Weltgeschichte zu verflechten und deren vorzüglichsten Momente pragmatisch und in scbOner Uebersichtlichkeit dar- zulegen. Ausserordentliche Gründlichkeit, Wahrheitsliebe und historische Treue, acht kirchlicher Geist und Schönheit der Form das sind unseres Er- achtens die Vorzüge, welche bei diesem Werke ganz besonders in die Augen springen. Wir sind der Ueberzeugung, dass diese Geschichte allgemeinen Keifall finden und die schiefen Urt heile, welche sich über das Wirken der Päpste selbst in den Köpfen nicht weniger Katholiken festgesetzt haben, be- ricntigen werde,

Dr. F. HIpler,

Dionysius der Areopagite.

Untersuchungen über Aechtheit und Glaubwürdigkeit der unter diesem Namen vorhandenen Schriften, gr. 8. ^ M. 55 Pf.

Dr. L. J. V. Jazdzewski,

Zeiio Teronensis Episcopus.

Commentatio patrologica. 8. maj. 1 M. £0 Pf.

Fr. KAULEN,

LINGUAE HANDSHÜRIGAE INSTITUTIONES,

quns conseripsit, indicibus ornavit, chrestomathiaetvocabulario

^ auxit. 8. maj. 6 M. 60 Pf.

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Kirchengeschichte

von

Spanien.

Von

Pins Bonifacius Oams,

O. S. B.

» I

Dritter Band.

Vom Ende des eilften Jahrhunderts bis zur Gegenwart.

Swelle AbtheUung.

Jahr 1492 1879.

Begensburg.

Druck und Verlag von Georg Joseph Manz«

1879,

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7. U. I0|l

Vorrede.

'^ie nnn in fünf Bänden vorliegende Kirchengeschichte von Spanien verdankt ihren Ursprung dem lebhaften Schmerze des Verfassers über die Verkennnng des Bischofs Hosins von Cordnba in der Kirchengeschichte, über seinen getrübten Ruf bei der Nachwelt Ich war Jahre lang darüber betrübt, dass er, der nach meiner Ueberzengiing es verdient hätte, unter den Heiligen der Kirche verehrt und angerufen zit werden, durch die Verleumdungen der Luciferianer zu den Gefallenen und Abgefallenen gerechnet wurde und wird. Ein anderes, auch nur untergeordnetes Motiv hat mich zu meiner Arbeit nicht gfetrieben oder bei ihr festgehalten. Damit ist zugleich die Frage beantwortet, wie ein Deutscher, ein „Ultramontaner**, dazu komme, eine Kirchengeschichte von Spanien zu schreiben. Hosius gehört nicht der spanischen Special-Geschichte, sondern der allgemeinen Earchengeschichte an. Was er in und für Spanien gewirkt, das tritt vollständig hinter dem zurück, was ( r in und für die ganze Kirche gethan. Ich wollte ursprüng- lich meine Arbeit beschliessen mit dem Jahre 357 oder dem Todesjahre des Hosius. Was ich am 27. August 1862 ge- schrieben, das wiederhole ich am 27* August 1879: „Wie der ^osse Athanasius, so ist der grosse Hosius würdig der Liebe und des unsterblichen Angedenkens aller christlichen Geschlechter«^ Wannn aber aus der Geschichte des Hosius eine Earchen- beschichte von Spanien geworden ist, habe ich auf Seite 307 des zweiten Bandes gesagt Dort habe ich auch angedeutet, dass ich keine spanische Kirchengeschichte im Detail, oder mit Eingehen auf alle mehr oder weniger wichtigen Ereignisse schreiben, sondern dass ich vorwiegend die Streitfragen in und

IV Vorrede.

Über die spanische Kirchengeschichte behandeln wolle. Der richtigere Titel meines Werkes wäre gewesen: Abhandlungen über die in der Controverse befindlichen Fragen der Kirchen- geschichte Spanien^s. Dass ich aber diesen Titel nicht gewählt, wird man begreiflich und verzeihlich finden.

Bei jeder einzelnen Streitfrage habe ich einen Versuch der Lösung derselben gemacht, und ihn der Prüfung der Leser vorgelegt. Die Punkte oder die Streitfragen, die zum grossem Theile auch die allgemeine Kirchengeschichte berühren und in ihr zum Theile behandelt werden, sind aber: 1) Die Missions- reise des Apostels Paulus nach Spanien, und die muthmassliche Richtung seiner Wanderung durch Spanien. 2) Die Ankunft und die Thätigkeit der ,, apostolischen Siebenmänner ^ (Septem- viri apostolici) in Spanien im ersten Jahrhundert 3) Die Er- klärung des Briefes des heiligen Cyprian von Carthago an die Christengemeinden zu Emerita und Asturica-Leon. 4) Einige Streitfragen über die Zeit der grossen Christenverfolgung der Jahre 304 305, besonders über die heilige Eulalia von Bar- celona, und über die Frage der Aechtheit oder Unächtheit an- geblich alter christlicher Inschriften. 5) Zeit der Synode von Elvira Mai 306 j Bischofssize und Pfarreien der dort ver- sammelten Bischöfe und Pfarrer; die Erklärung der schwierig- sten Canones (1, 2, 3, 15, 26, 34, 36, 49, 56, 57, 59, 62). 6) Grundlegung und Einfuhrung der kirchlichen Hierarchie in Spanien durch Bischof Hosius. 7) Schuld oder Schuldlosigkeit des Bischofs Hosius. 8) Ort und Zeit des Todes des Hosius (t 27. Aug. 357 zu Sirmium in Pannonien). 9) Die Lucife- rianer in Spanien. 10) Zeit und Ort der Entstehung der Häresie der Priscillianisten , und ihre Verbreitung. 11) Ringen der Bischöfe von Toledo um ihre Anerkennung als Metropoliten. 12) Die Streitfrage über den Ursprung und die Ausbildung der altspanischen Liturgie. 13) Die Streitfrage über den Ort und die Zeit der Entstehung der Sammlung des altspanischen Kirchenrechtes. 14) Die Streitfrage über den Ursprung des Primats der Kirche von Toledo, und die Stellung dieser Kirche zu der römischen Kirche. 15) Die Frage über den Ursprung und die Urheber der Häresie der Adoptianer. 16) Die Streitfrage über den Apostel Jacobus Major und sein Verhältniss zu Spanien. 17) Die Streitfrage über die Anwesen- heit des Primas Roderich Ximenes von Toledo zu Rom bei dem Lateranconcil von 1215, und am 8. October d. J. 18) Die Frage nach der Zahl der Einwohner Spanien's zur Zeit der Römer, der Gothen, der Mauren, und in der neuern

Vorrede. V

Zeit 19) Die römischen Strassen durch Spanien. (Die diesem Bande heigegebene Karte: „Hispania Ecclesiastica^ ist vor- wiegend eine Karte der Römerstrassen in Spanien). 20) Die Entstehung und der Charakter der spanischen Inquisition, die Frage ihres kirchlichen oder staatlichen Charakters; ihre Licht- und Schattenseiten. 21) Die Gründe des Zerfalls der Macht and Grösse Spanien's von den Zeiten Philipp's IL au*

Bei allen Streitfragen habe ich irgendeine bestimmte Lösung vorgeschlagen. Die Gewohnheit Tillemonts und Anderer, zu sagen: Es könnte so sein, es könnte aber auch anders sein, hat mir nie zugesagt Die Gegner müssen wissen, was sie zu widerlegen haben. Weil aber die Leser manchmal im Unge- wissen sind, was ich als geschichtliche Thatsache, was als Hypothese vorlege, so gebe ich hier eine kurze Uebersicht. Es ist geschichtliche Thatsache, dass der Apostel Paulus nach Spanien gekommen. Die von mir dargelegte Richtung seiner Reise durch Spanien ist meine Hypothese. Die Ankunft der Siebenmänner ^ in Spanien ist geschichtliche Thatsache, ebenso dass Torquatus erster Bischof von Acci, Indaletius von Urci, Caecilius von EIvira-Granada, Euphrasius von Illiturgi gewesen. Dass Secundus seinen Siz in Abla, Ctesiphon in Beija, Esitius in Cazorla aufgeschlagen, ist meine Hypothese. Dass es eine Enlalia von Emerita und eine andere von Barcelona gegeben habe, ist geschichtliche Thatsache. Dass die Synode von Elvira im Mai 306 gehalten worden, ist meine Hypothese; dasselbe gilt von meinen Erklärungsversuchen der schwierigsten Canones* Dass die spanischen Bischöfe von 306 bis 400 nicht nach der Zeit ihrer Ordination, sondern nach dem Alter ihrer Bischofs- ßize unterschrieben, ist meine Hypothese. Was ich über die Schuldlosigkeit des Hosius, den Ort und die Zeit seines Todes sage, halte ich für geschichtliche Thatsache. Es ist wahr- scheinlich, dass Gregor von Elvira nach dem Tode des Lucifer von Cagliari Haupt der Sekte der Luciferianer wurde, und die Verleumdungen gegen Hosius von ihm, von Faustinus und Marcellinus stammen. Es ist wahrscheinlich, dass die Priscil- lianisten schon zu Lebzeiten des Hosius und Olympius ent- standen, daas Marcus, ihr Haupt, in Spanien weilte. Es kann nicht bewiesen werden, dass der „Primas" Julian von Toledo zu irgendeiner Zeit als Heiliger verehrt wurde. Es ist histo- rische Thatsache, dass die altspanische Liturgie die Liturgie der Kirche von Toledo war; es ist wahrscheinlich, dass die- selbe von Tarragona nach Toledo, von Rom nach Tarraco kam. Es ist wahrscheinlich, dass weder Elipandus von

VI Vorrede.

Toledo, noch Felix von Urgel Erfinder des Adoptianismus waren, derselbe vielmehr reiner Nestorianismus war, der von den Nesto- rianem nach Cordnba gebracht wurde, dass zunächst ^Bruder Milita^ (Melito) den Elipandus für seine Irrlehre gewonnen habe* Was ich über Jacobus den Aeltem gesagt, ist Hypo- these bis zum Jahre 756; von hier und vom Jahre 829 an ist es geschichtliche Thatsache. Historische Thatsache ist auch, dass im Jahre 962 fünf spanische Bischöfe erklärten: der Apostel sei keineswegs lebendig, sondern sein heiliger Leib sei nach Spanien gekommen* Es ist Thatsache, dass der zweite Tole- tanische Primat vom Jahre 1088 toto coelo von dem ersten Primate von 683 verschieden war. Es ist Thatsache, dass der Primas Rodrigo Ximenes vor dem 12. Januar 1216 sich in Rom aufhielt, also die grösste Wahrscheinlichkeit, dass er wegen der im November 1215 statthabenden Lateransynode in Rom erschienen war. Es ist mehr als nur Hypothese, dass die spanische Inquisition einen staatlichen Charakter an sich getragen, und dass es spanische Politik war, den Einfluss der Päpste auf dieselbe ferne zu halten« Dass der Niedergang Spanien's von den Zeiten Philipp's IL, von der Abschaffung der mittelalterlichen Verfassungen, und von der sich vollendenden absoluten Monarchie herstamme, scheint nicht zu leugnen. Es ist auch historische Thatsache, dass den Autokraten Ferdi- nand V., Carl L (V.), Philipp IL die Könige Philipp IIL, Philipp IV., Carl IL, PhUipp V., Carl IIL, Carl IV., Ferdi- dinand VII. folgten, welche statt ihrer ihre ersten Minister herrschen und regieren Hessen.

Möge es dem Könige Alfons XII. beschieden sein, die Wunden, welche das Unglück der Zeiten Spanien geschlagen hat, heilen zu helfen und heilen zu sehen! Denn Gott hat die Nationen so geschaffen, dass sie geheilt werden können*

Set. Bonifaz in München, 27. August 1879.

Pius Garns, o. s. B.

Inlialts-yerzeicilniss.

Vorrede. S. Ul-VL Einleitnng. S. 1—4.

Dreizehntes Buch.

Di« Xlrolie la Bpftnlen vob der Erobenuiff Oranada'« bis auf Xdnlg

PhlUpp V. (1482—1700). 8. 5-803.

Erstes Kapitel. Die epaniBcbe Staatsinquisitioii. Der heilige Petrus Arbnte, S. 5— d3.

Zweites Kapitel« Die Spaoier in Amerika (1492— 1542), S. 94—121.

Drittes Kapitel.

Von der Eroberung Granada's bis zum Begiemngaantritte Carl's V. (I), (J. 1492 iMS 1517), 8. 122—148.

Viertes Kapitel. Die Kirche In Spanien anter der BegieroDg Garl'a Y. (I). (1517—1556), S. 149—183.

Fünftes Kapitel. Frühere Zeit der Begiemng PhUipp's II. (1566-*1568), S. 184—201.

Sechstes Kapitel. Die Kirehe im spanischen Amerika (1542 bis a 1600), S. 202—220.

Siebentes Kapitel. Die Begiemng Phiüpp's IL im Niedergänge (1568—1598), S. 221—251.

Achtes Kapitel. Die Zeiten Pbilipp*8 lU. (1598—1621) nnd Philipp*« IV. (1621-1665), S. 252-286.

Neuntes Kapitel. Die Zoten Carl's O. (1665—1700), S. 287—803.

VIII Inhalts -VerzeichniM.

Vierzehntes Buch.

«

Spanien unter den Bonrbonen und nnter der Herrschaft der Bevolntioii.

(1700-1879.) & 304-470.

Erstes Kapitel.

Spanien nnter den zwei ersten Bourbons Philipp V. und Ferdinand VI. 1700 bis m9, S. 304-347.

Zweites Kapitel.

Kirche und Staat von Spanien nnter den grossen königlichen Jägern Carl III (1759-1788), und Carl IV. (1788-1808), S. 348-383.

Drittes Kapitel. Die Bischöfe in diesem Zeitraum, S. 384 403.

Viertes Kapitel. BlUthe der Literatnr (1747—1808). Allmäliger Verfall, S. 404—426.

Fünftes Kapitel. Vom Jahre 1808 bis znr Gegenwart, S. 427-470.

Recapitulation des ganzen Werkes.

Erstes Kapitel. Erster Band, 1862, S. 471—4.^1.

Zweites Kapitel. Zweiter Band, 1864, S. 481—493.

Drittes Kapitel. Der dritte Band, 1874, S. 494—509.

Viertes Kapitel. Der vierte und fünfte Band 1876—1879, S. 510—532.

Einleitung.

Der Backblick auf die Jahrhunderte des Mittelalters der Kirche in Spanien, anf die 780 Jahre, welche von der Entscheidangsschlacht am Guadalete im Jahre 711 bis zum 2. Jannar 1492, dem Tage des Einzugs der christlichen Spanier in die lezte Burg der Mauren in Granada, yerflossen, ist tröstend und erhebend. Der Rückblick auf die vier Jahrhunderte, welche seit dem Einzüge der Christen in Granada bis zu der Gegenwart verflossen, ist weniger erhebend. Die Kraft des Volkes ist seit Jahrhunderten gelähmt. Die politischen wie die kirch- lichen Zustände sind traurig. Trauernd sagen die patriotischen Spanier: Wir sind ein unglückliches Volk und Land.

Die Vereinigung Spanien's, d. i. der beiden Reiche Gastilien und Aragonien galt unbestreitbar für das Volk und die Eirche in Spanien als grosses Glück. Vielleicht war es nur ein scheinbares Glück, in Wirklichkeit aber ein Unglück. Wir wissen nur zwei grosse Erfolge aufzuweisen^ welche dieser Vereinigung gefolgt sind, die völlige Be- siegung der Mauren, und die Entdeckung, Besitznahme und Christiani- sirung eines Theiles von Amerika. Allein wenn die castilianischen Konige von Alfons an bis Isabella (1252 1474) nicht so tief von der Hohe und Grösse Ferdinand^s III., des Heiligen und Alfons' IX* herabgesunken wären, so wären sie allein im Stande gewesen, die Mauren ans Granada zu vertreiben, wie sie Ferdinand aus Jaen, Cordova, Sevilla (und Cadix), wie sie Jayme I. von Aragonien aus den Balearischen Inseln and Valencia, wie die Portugiesen sie aus Algarve vertrieben hatten. In den Erwerb und die Christianisirung Amerika's aber konnten sich die Castilianer und Aragonier ebenso theilen, wie sich die Spanier und Portugiesen getheilt hatten.

Ausserhalb Spanien's besteht die Ansicht, als seien die Spanier ein einheitliches, geschlossenes, ein centralisirtes Volk. Ein Spanier aber sagt nicht so leicht: Ich bin ein Spanier, sondern: Ich bin ein Castilianer, Catalane, Baske, Asturier u. s. w. Es sind keine besondem Provinzen, sondern besondere Völker, welche' nach dem Jahre 1474

GtUBSt qpan. Kirch*. UL S. 2^

2 Einleitung.

zunächst in einer Personal-Union verbunden wurden. Sie hatten ein Recht, in ihrer Eigenart und in ihrer besondern Geschichte fortzuleben, ihre Ver- fassungen und Einrichtungen (Fueros) ungeschmälert zu erhalten. Der allmälig sich ausbildende spanische Einheitsstaat in seiner starren Centrali- sirung -war das Unglück, das Verderben Spanien's. Die Könige Carl (V.), besonders Philipp IL, die auf sie folgenden willenslosen Konige und omnipotenten Minister und Günstlinge, welche den spanischen Einheits- staat gegründet, tragen die meiste Schuld an dem 2ierfalle der Macht und Grosse Spanien's. Das alte Spanien war überhaupt nur ein Jahr- hundert lang unter den gothischen Königen geeinigt. Die acht Jahr- hunderte des Mittelalters aber hatten gesonderte und getrennte Völker geschaffen, nicht nur die Portugiesen neben den Castilianem^ von denen die einen die Sprache der andern nicht verstehen, sondern auch die Valencianer, die Catalanen,'die Aragonier, die Navarresen, die Basken, die Galizier, die Asturier, zulezt noch die Andalusier und die Estremoz (die von Estremadura) neben den Castilianern. Welcher Unterschied besteht heute noch zwischen dem ernsthaften und ceremoniösen Castilianer, und dem fröhlichen leichtlebenden Andalusier, welchem maurisches Blut in den Adern fliesst, welcher Unterschied zwischen dem schwerfälligen Asturier, der sich seines Königs und Ahnen D. Pelajo rühmt, und dem elastischen Catalanen?

Die Catalanen und die Basken verstehen heute noch nicht die Sprache der Castilianer. Es sind nicht verschiedene Mundarten, sondern verschiedene Sprachen, die sie reden. Die castilianische Sprache aber haben die Leonesen, Galizier, Castilianer ausgebildet; die beiden Länder Estremadura und Andalusien haben sie von ihnen angenommen.

Die Vereinigung der spanischen Lande schien ein grosses Glück für die katholische Kirche zu sein. Wir unterscheiden den Schein von der Wirklichkeit. Was man von dieser Einigung hoSte, hat sich nicht erfüllt. Die römische Kirche hat viel, unendlich viel gelitten unter den Ansprüchen und Anmassungen, unter der unersättlichen Hab- und Herrschgier der spanischen Herrscher, d. h. der Könige Ferdinand (von Aragonien), Carl V* (L), und Philipp U., welche selbst regierten, und unter den omnipotenten Ministem der Könige von Philipp UI. an, welche Sklaven ihrer Günstlinge waren ^).

') Der vielgerahmte KOnig Carl UI. (1759—1788) wiuste sich zn trösten mit der Hoffnung, dass nicht er, der König, sondern seine Minister Gott verantwortlich seien ftUr die Fehler ihrer (i. s. seiner) Regierung. Ein Hofmann empfahl einst einen erklärten Günstling des Königs diesem für irgend ein Amt. Oarl III. fragte, ob derselbe in der That alle su dem Amte erforderlichen Eigenschaften besize. Auf die bejahende Antwort erwiederte der Nachfolger Philipp*8 IL: „Ich bin Ihnen sehr vielen Dank schuldig, dass ^ie an diese Beförderung gedacht haben. Ich hätte nie- mals gewagtf mit Ihnen dacon zu sprechen."

Einleitang. «>

Das Yerhältniss Spaniea's zu Rom in den lezten Jahrhunderten ist der bestandige Plan und Versuch, mit Hilfe der römischen Kirche sich von der romischen Kirche loszutrennen, den Primat der Jurisdiction Rom's zu einem Primate der Ehre herabzudrücken, mit Hilfe Rom's im Innern und nach Aussen einen Druck anf die der spanischen Staats- omnipotenz widerstrebenden Kräfte auszuüben. Schon Carl V. wollte nor Päpste, die seine dynastischen Interessen förderten. Die Päpste sollten Yor allem der Krone Spanien dienen. Rom sollte in Spanien nichts, oder fast gar nichts zu sagen haben. Die eigentlichen Päpste in Spanien sollten die Könige oder ihre omnipotenten Minister sein. „Das streng katholische Spanien (sagt Joseph Hergenröiher) bietet in seinen Verhandlungen mit Rom ein ganz eigenthümliches Bild dar. Der Ab- solatismus seiner Beherrscher, ihre misstrauische, yon eigenem Interesse, doch auch hin und wieder yon grossen, auf das Allgemeine gerichteten Gedanken geleitete Politik mit ihrer steifen Schroffheit, mit ihrer ängstlichen Geheimnisskrämerei zeigt sich auf dem religiösen Gebiete nicht weniger, als auf den andern, und ihre Zähigkeit wusste Sehritt fibr Sehriit dem päpsüiehen Stuhle^ der sich nur in der Defensive halten konnte, mit beharrlichen Gesuchen, wie durch aggressives Vorgehen eine Cofhcession um die andere abzutrotzen, ohne dadurch grössere innere Festigkeit und Stärke zu erlangen, wie man yergebens gehofft; ja wie die rasch erbeuteten Schäze der neuen Welt bald zerronnen waren, nnd die gesteigerte Machtentfaltung nach Aussen nur die innere Ohn- macht Tergrösserte, so trugen auch die zahlreichen kirchlichen Praroga- tiven des Monarchen wesentlich mit zum Verfalle Spanien's bei, und brachten auch seinen Klerus in eine Lethargie und Kraftlosigkeit, aus der nar die gewaltigsten Erschätterungen ihn wiedererwecken sollten.^

Als die Lichtseiten des kirchlichen Lebens in Spanien yom Jahre 1492 an treten hervor die grossartige Missionsthätigkeit des spanischen Klems, (an den Missionen nahmen im edelsten Wetteifer besonders die yerschiedenen Orden Antheil), die Stiftung und Blüthe ver- schiedener neuer Orden im Mutterlande selbst, das Leben und die Wirksamkeit zahlreicher Heiligen beider Geschlechter, sodann die aosserordentliche Blüthe der spanischen Literatur, besonders im sechs- zehnten, und in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts.

Wohl begann schon unter der Regierung Philipp's U. der Zerfall Spanien's, aber er trat sehr langsam ein, und wurde damals weniger gefühlt« Das ganze siebzehnte Jahrhundert, die Zeit der drei lezten Habsburger war ein Jahrhundert der Erlahmung und Erschöpfung. Sowohl die Annektirung, als die nach 60 Jahren wieder erfolgte Los- reissung Portugal's war eine stets blutende Wunde für Spanien, deren Kachwehen in dem gesteigerten Nationalhasse der Portugiesen gegen die Spanier fortdauern.

4 Einleitung.

Unter Regenten, wie Philipp IIL, Philipp IV. und Carl IL, die selbst nicht regieren wollten oder konnten, führte aach der Staat und das Volk ein hinwelkendes Dasein. Der spanische Erbfolgekrieg entn Yolkerte das Land auTs Nene und bedeckte es mit Ruinen. Unter Philipp y. und besonders Ferdinand VI. trat einige Besserung ein.

Von den Zeiten Carl's III., vom Jahre 1759 an, hatte die Revo- lution Yon oben herab die Gewalt. Seit etwa 116 Jahren ist es vor- zugsweise die Revolution, welche auf dem Throne Spanien's sizt. Das Land fiel von einer Ohnmacht in die andere, unterbrochen von kurzen krampfhaften Anstrengungen zur Erhebung, die mit neuen Niederlagen und Erschöpfungen endeten. Die Revolutionäre brachten es über grosse Worte und Verheissungen nicht hinaus. Das Alte musste, weil es alt war, von ihnen zerstört werden; Neues zu bauen, waren sie nicht im Stande.

Nicht das Eonigthum in seinen verschiedenen Formen, sei es ein legitimes und unumschranktes, sei es ein beschranktes und von Par- theien abhängiges, nicht die Republik oder moderne Verfassungen, können Spanien retten, nur die von Gott erschaffene und von Gott erhaltene Kraft des Volkes im Bunde mit der katholischen Kirche.

Dreizehntes Buch.

Die Kirclie in Spanien von der Eroberung Granada's

bis anf König Fhüipp IL

(1492— 1Ö56.)

Erstes Kapitel.

Die gpanlsehe Staatsinqnisiflon. Der heilige Petras Arbate.

§1.

Der Dichter Friedrich Schüler, der von sich selbst als Geschicht- schreiber bezeugt: „Der Sto£f miiss es sich gefallen lassen, was er unter meinen Händen wird^, hat in seinem historischen Roman: »Die Geschichte des dreissigjährigen Krieges^ den Grafen Tilly als Mord- brenner, als den Urheber des Brandes nnd der Plünderung Magde- Brudv. burg^s (am 29. Mai 1631) dargestellt, nnd etwa 60 Jahre lang betete ^]^^ die »gebildete^ Welt gläubig das Mährchen nach. Das Mährchen ist i6si. heute for jeden , der die Waiirheit sucht, als solches entlarvt Es ist sonnenklar, dass der Schwede Falkenberg und seine Gehilfen Magdeburg in Brand gesteckt haben, damit diese wichtige Festung nicht den Kaiserlichen in die Hände falle. Nicht diese, sondern die Schweden hatten ein brennendes Interesse an dem Brande Magdeburg's. Wer das GegentheU heute noch behauptet, der ist selbst ein blinder Fana-

5 Dreizehntes Bneh. Erstes Kapitel.

tiker, oder er ist in seinen historischen Forschungen nicht über den dreissigjährigen Krieg von SchiUer hinausgekommen.

§• 2,

Seit drei Jahrhunderten wird das Mähreben herumgetragen, dass die Katholiken Frankreich's, vor allem die Bischöfe und Priester, die Schuld an der sogenannten Bluthochzeit in der Bartholomäusnacht (am 24. August 1572) tragen, und dass Papst Gregor XUI. zur Feier des Blutbades ein Te Deum gesungen habe. Aber was ging der Bluthochzeit voran? Die unmenschlichen, die diabolischen Grausam- keiten der Hugenotten, der Protestanten Frankreich's. Wo immer die ^Wttt.' Protestanten siegten, wurden die Katholiken unterdrückt, sie mussten hoeh- ihrem Glauben entsagen, oder fliehen, oder sterben. Von Glaubens- freiheit, deren man sich heute so sehr rühmt, war keine Rede. Aus

n

seit" a. Ihr

Toran- Schottland^ aus England, aus Dänemark und Norwegen, aus Schweden **"*• u. s. w., wurde die katholische Kirche vertrieben durch die siegreiche Gewalt. Kein Einwohner dieser Länder durfte Katholik bleiben oder werden. Der „edle*^ Gustav Adolph von Schweden Hess drei junge Schweden, die im Auslande Katholiken geworden, nach ihrer Heimkehr hinrichten^). Seine Tochter, die Konigin Christine, wurde dennoch Katholikin, aber nicht in Schweden oder auf dem Throne Schweden's, sondern nach ihrer Auswanderung und Abdankung (1677). Sie wäre vielleicht nicht hingerichtet worden, aber sie wäre auch nicht auf dem Throne geblieben.

Der lezte Erzbischof von Set. Andreas in Schottland, Johann

Hamilton, fiel in die Hände seiner Feinde, und endete durch den Strang

6. April 1570. Allen Katholiken in Schottland stand Confiscation

des Vermögens, Verbannung oder der Tod in Aussicht.

Ein Anführer der Hugenotten in Frankreich, durch seine Grau-

der samkeit berüchtigt, Hess einmal 3000 Katholiken, darunter Kinder nnd

Hag«- Greise, ermorden. Bei einer Tafel wurden (im Jahre 1569) katholische

nouen. ]g2(}^]]Q^^ meuchlcrisch ermordet. Man zeigt heute noch einen Brunnen,

in welchen 200 Priester geworfen wurden. Der Hugenotte Briquemaut

trug ein Halsband, das aus den abgehauenen Ohren katholischer

Priester zusammengesezt war. Ein Hugenottenfiihrer zwang seine

Opfer, von der Höhe eines Thurmes sich hinabzustürzen. Als die

Hugenotten einst in ein Kloster drangen, entrann nur ein Bewohner

desselben dem allgemeinen Blutbade; auch dieser wurde eingeholt, und

lebendig verbrannt. öOEotthedralen, 500 kleinere Kirchen wurden von den

*) „Wie Gofltav Adolph die religiöse Freiheit der Katholiken verstand* in „Hittorisch-poUt Blfitter«", Bd. XIII, S. 580—584.

Hugenotten; epanische Inquisition. 7

HogenotteD zerstört. Gegen die Gräber, gegen die Reliquien und Leiber der Heiligen wurde gewüthet. Es war ein Yertilgungekrieg, den die Hugenotten führten. Hätten sie gesiegt, die Kirche Frankreich*s wäre im Blnte ihrer Bekenner erstickt worden.

Nach all' diesen Unthaten wurden in der Nacht vom 23./24. August 1572 in Paris selbst c. 200 500, in ganz Frankreich im Laufe der nächsten Tage c. 2000 4000 Hugenotten ermordet. Von wem? Nicht TOD den Katholiken als solchen. Es war ein politischer Racheact, der zunächst von der Königin Mutter Catharina yon Medicis ausging, welche sich ihrer politischen, nicht religiösen Gegner entledigen wollte.

An den Berathungen zum Morde der Hugenotten hat kein Bischof^ kein Priester Theil genommen. Unvergleichlich grosser war die Zahl der Katholiken, die vorher von den Hugenotten ermordet worden. Wir rechtfertigen nicht den Bacheact, wir entschuldigen ihn nicht, sondern wir erklären ihn. Die Bischöfe Frankreichs traten in jenen Tagen überall versöhnend auf. Wo immer man ihnen Gehör gab, unterblieben weitere Gewaltthaten, und nicht wenige Hugenotten kehrten desswegen zu der Kirche zurück. König Carl IX. liess dem Papste Gregor XIII. melden, ea sei eine gegen sein Leben gerichtete Verschwörung vereitelt worden. Nicht wegen der Bluthochzeit, sondern wegen der angeblichen Rettung des Königs von Todesgefahr wurde zu Rom ein Te Deum gehalten.

§. 3.

Neben dem Magdeburger Brande, und der Pariser „Bluthochzeit^ wandelt stets als dritter Popanz, der gegen die Katholiken in das Treffen gefuhrt wird, die spanische Inquisition. Diese Inquisition ist aber nicht Diespa- von der Kirche, sondern von der weltlichen Regierung eingeführt, aus- jj^^^,* gebildet und erhalten worden. Sie ist kein kirchliches, sondern ein suion. Staatsinstitut, theilweise mit kirchlichen Formen. Es ist eine aus dem Charakter und der geschichtlichen Entwicklung des spanischsn Volkes hervorgegangene Einrichtung, ein Institut, für welches die katholische Kirche keine Verantwortung triffi;. Das wussten oder beobachteten aber die Spanier selbst nicht, sonst hätten sie nicht den überall, z. B. in Italien und den Niederlanden, misslungenen Versuch gemacht, ihre nur är Spanien passende Inquisition den Katholiken anderer Länder, die ^^ onter dem Scepter Spanien's standen, aufzuhalsen und aufzuzwingen. inaüULU

In Spanien selbst ging die Inquisition aus den gegebenen Verhält- nissen naturgemäss hervor. In ihr machte sich eine geordnete und geregelte Gerichtsbarkeit ebenso zum Schuze der Bussfertigen und Unschuldigen^ wie zur Unterdrückung der in die Häresie, besonders in das Judenthum Zurückgefallenen, geltend. Wer könnte leugnen^ dass die Inquisition in Spanien selbst ein volksthümliches und ein geachtetes Gericht war?

N«tio nallnsti

8 Dreizehntes Bach. Erstes EjtpiteL

Bei der Natur des annoch gläubigen spanischen Volkes, sei es, dass es an den erst kommenden Messias , oder an Muhamed, den Pro- Ein pheten des einzigen Gottes, oder an Christus, den eingebomen Sohn Gottes, glaubte, konnten mehrere entgegengesezte Bekenntnisse an- tut, möglich im Frieden, ja sie konnten ohne bestandigen gewaltsamen Kampf nicht neben einander bestehen. Die spanische Nation war und ist, so weit sie gläubig war und ist, exclusiy, wenn man will, aus- sdilieüsend gläubig. In den Augen des gläubigen Spaniers kann nur eine llfligion die wahre sein, und diese allein wahre Religion muss allein herrschen^ weil sie die wahre ist. Die gläubigen Spanier haben stets die religiöse Einheit angestrebt und festgehalten. Sie haben stets von der Staatsgewalt verlangt, dass sie diese Einheit schüze und auf- recht halte. Wären sie der Mehrzahl nach Juden gewesen, so hatten sie das Christenthum nicht neben sich bestehen lassen.

* §. 4.

Dieser exclusive Charakter des spanischen Volkes ist uns vom Anfange dieser Kirchengeschichte an wiederholt in auffallender Weise begegnet. Dieser Charakter tritt schon an den sogenannten apostolischen „Siebenmännem^ (um das Jahr 65 n. Chr.) hervor, deren Begleiter doch wahrscheinlich Spanier waren. Sie sahen, dass die Heiden in Acci (Guadix) den Gozen opfern. „Die Ungläubigen geben sich durch den offenen Dienst ihrer Religion zu erkennen*^ »I^io Begleiter der Siebenmänner aber^ [sagt F^rrero«], „schrieen gegen diese Abscheulichkeit des Gözendienstes , und zogen sich dann zurück.^ In dem Hymnus des Festes der Siebenmänner lesen wir: „Die Jünger sahen, dass die Gözenbilder in falscher Weise verehrt wurden. Während sie mit Thnlnen diess Begängniss zu verhindern treffen, werden sie durch den gottlosen Andrang der Heiden erschreckt.'^ Da sie andere Mittel nicht hatten, suchten sie wenigstens durch Thränen und Weheklagen den Gozendienst zu verhindern.

Diese exclusive Eigenart des spanischen Charakters tritt hervor

in den glorreichen Märtyrern des vierten wie des neunten Jahrhunderts.

Die heilige Justa und Rufina von Sevilla weigern sich nicht bloss, der

spa- Göttin Salambo ein Geldstück zu opfern, sondern sie zerstampfen und

EU^- Verstössen mit ihren Füssen das Gozenbild, welches herumgetragen

•rt. wird, und sterben dann freudig fiir ihren Glauben. Von der heiligen

Eulalia von Merida (Jahr 304) singt der Dichter Aur. Prudentius:

Sie speit ihm (dem Richter) ergrimmt in's Gesicht, Und sie zertrümmert das GrOzengebild Auf dem Altar und das heilige Mehl StOsBt sie mit FOssen vom Banchfass hinweg.

Spanische Eigenart. Die Jaden in Spanien ^exclnaiy*. 9

Die Christen traten todesverachtend and den Tod suchend in den einzelnen Städten herror, um die Gozenbilder zu zertrümmern^ zu einer Zeit, wo die Zahl der Christen in Spanien noch sehr klein war. Darum verordnete der Canon 60 der Synode Von £lyira im Jahre ^** 306: „Wenn Jemand Gozenbilder zerbricht, und dabei getödtet wird, tjr«r da dieses im Eyangelium nicht geschrieben, auch nicht, gefunden wird, ^^° dass es je unter den Aposteln geschehen sei, der soll nicht unter die Märtyrer aufgenommen werden^ '). Aber gerade darin bestand die spa- nische Eigenart, dass sie etwas für erlaubt oder für eine Tugend hielten^ was andere Christen nicht thaten und nicht billigten.

Ein grosser, vielleicht der grossere Theil der spanischen Märtyrer suchte den Martyrtod durch Angriffe, durch Herausforderungen gegen die Heiden oder Muhamedaner. Der Arianer, Konig Leovigild (f 587) nannte den Bischof Masona von Emerita, weil er lieber sterben, als nachgeben wollte, einen, der mit Gewalt den Tod sucht. ^)

Wenn wir auf die grosse Verfolgung der Christen unter den ^*' Mauren in Cordova (Jahr 839 864) zurückblicken, so erinnern wir tTrer uns, dass die Mehrzahl der Märtyrer auf den öffentlichen Fläzen er- ▼• ^^' schienen, und die Lehre und Person Muhamed's angriffen mit der be- 639-86«. stimmten Absicht, ihr Leben far das Bekenntniss ihres Glaubens hin- zugeben. Alle litten standhaft den Tod, und werdeq von der Kirche als wahre Märtyrer verehrt').

§. 5.

Zu aller Zeit wollten die Juden ihre Religion in Spanien aus- breiten, und herrschen. Die Oeseze gegen die Juden zur Zeit der Westgothen schienen strenge zu sein, sie waren aber nicht gegen die ^"^ Juden überhaupt , sondern gegen die getauften Juden gerichtet. Der den in jüdische Schriftsteller Dr. Heinr. Grätz gibt dieses zu. Nach ihm sp»»^"* „dürfte es sich als unzweifelhaft herausstellen, dass die Tendenz der "bit". meisten Oeseze nicht nur die Chri^ianisirung der Juden, der treuen Bekenner des Judenthums, auf dem Wege der Gesezgebung, sondern die Zurückfuhrung der bereits getauften, und zur Apostasie vom Christenthum geneigten Juden in den Schooss der Kirche war« Es dürfte sich zeigen, dass nur sehr wenige Paragraphe den Juden im eigent- lichen Sinne gegolten haben. Diese Geseze, welche man als Ausfluss

0 KircheogeBCh. II, 1, S. 124.

^ Espaßa sagrada, t. XIIL, p. 367. Mit Unrecht übersetzt JQT. Florez das Wort: Biotbanatos einen Qeisteskranken (mente captns).

*) yDle Bekenner and Märtyrer von Cordnba^, Kircbengesch. If, 2, S. 299 bis 33a

10 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.

eines gewaltsamen Fanatismus gebrandmarkt hat, dürften (darum) in einem mildem Lichte erscheinen" *).

Es ist ziemlich allgemeine Annahme, welcher auch wir beitreten, dass der sonst so gefeierte Konig Receswinth in seinen spätem Tagen unter den Einfluss einer ^^ Jüdin *^, und der ^^Juden^ kam, und dass deren Einfluss die Stagnation des geistigen Lebens in jenen Tagen zuzuschreiben sei*).

Welche einflussreiche Rolle Juden als Aerzte und besonders als

Schazmeister oder Finanzminister am Hofe der Könige yon Castilien

Die gespielt, ist allbekannt. Die spanischen Juden trieben stets Proselyten-

jaden Q|gciierei. Abraham Ben Samuel Abnlafia, £ceboren im Jahre 1240 zu

Proso- ' ®

lyten- Tudela, wollte seine Landsleute auf dem Umwege über Rom bekehren.

machet, jjj. nja^hte sich an den Papst Martin IV., und wollte ihn überreden, Jude zu werden August 1281. Man Hess den Narren laufen. „Ueberall verfolgt, aller Orten verwiesen, flüchtete er sich endlich auf die Insel Comino bei Malta, und starb als Märtyrer seiner Schwärmerei" ^). Waren es doch die Juden, die sich zum Scheine taufen liessen, sich in die einflussreichsten Stellen, und selbst auf Bischofsstühle ein- schlichen, damit sie um so wirksamer Proselyten machen konnten. Juden waren es, welche die Mauren zur Eroberung Spanien's einluden« Die Juden waren es auch, welche durch ihre geheimen Umtriebe den nächsten Anstoss zu der Einfuhrung der Inquisition gaben.

§. 6.

Auf der andern Seite waren aber auch die Christen gegen die Juden ^exclusiv", und suchten sie auf sanften oder unsanften Wegen zu Christen zu machen. Im Jahre 418 nahmen 540 Juden in Mahon auf Menorca die Taufe an, nicht ohne Gewaltthätigkeit von

*) Heinr. Orätz, „Die westgothische GesezgebuDg in Betreff der Juden", Bresl. 1858, S. 5. In seinem grossen Werke : „Geschichte der Juden* Band III, Leipz. 1861, kommt H. Qrätz wieder auf denselben Gegenstand znr&ck, S. 70-79, aber von einem mildern „Lichte*" ist hier keine Rede mehr; einen ünterBchied zwischen getauften und eigentlichen Juden kennt er nicht mehr. Freilich ist dieses gproase Werk (11 Bände) herausgegeben vom ,, Institut zur Förderung der israeiitisohon Literatur**. Um so werthvoUer ist das G^tändniss vom Jahre 1858.

*) Vom Jahre 656—673 hörten die sonst so häufigen Concilien von Toledo völlig auf. Wie wir, so fasst H. Florez die Lnge der Dinge auf, während Ftc. de la FiLffnie den Receswinth durchaus in Schuz^ nimmt« "^ Espafia sagrada, t. Y, append. 8. t. VI, cap. 13. Ftc. de la Puente (Rir<ihengesch. v. Spanien), t II (1873), p. 326.

') if. Kayserling, Die Juden in Navarra, den Baskenländern und auf den Balearen. Berl. 1861. S. 83.

Die Spanier „exclosiv''. 11

Seite der Christen. Nur drei Jüdinen leisteten noch einige Zeit Wider- stand ').

Wie im übrigen Europa, so brachen in Spanien wiederholt blutige Verfolgungen gegen die Juden aus. Während aber in andern Ländern der christliche Pöbel an der Niedermezlung der Juden sich genügen Hess, trat bei den christlichen Spaniern das Streben hervor, die Juden zur Taufe zu bringen und zu zwingen. Sie verstanden das Wort: Compelle (eos) intrare (zwinge sie, hereinzugehen) nur zu buch- stäblich. Eine solche religiöse Bewegung und zugleich Verfolgung der Juden ging im Jahre 1391 durch Spanien hindurch. Die Juden in Sevilla, Cordova, Toledo, Valencia und in andern Städten wurden theils getödtet, theils gezwungen, das Christenthum zu erheucheln. ^'® Damals brach auch auf Palma und der Insel Mallorca ein Aufstand

.ex-

gegen die Juden aus. Die Bichter und die Magistrate schüzten die «lui^'' Jaden, die Matrosen und Arbeiter griffen dieselben an. Wegen der Jaden kämpften Christen gegen Christen. An 300 Personen fanden in diesem Yolksauflauf ihren Tod, gegen 800 retteten sich in das könig- liche Schloss (die Universität), die übrigen (Juden) gingen (zum Christenthum) über. In Barcelona sezte das Volk den Juden zu, es liess ihnen die Wahl zwischen Taufe oder Tod. Die einen zogen das Leben und die Taufe vor, andere wählten den Tod").

Am schärfsten tritt die Eigenart der Spanier in der Vermengung des Geistlichen und Weltlichen hervor. Der religiöse Spanier will, dass die Eorche den Staat ganz durchdringe^ der Staat des christlichen Spanien's soll gleichsam ein Gottesstaat, die vollkommene Herrschaft Gottes auf Erden sein. Der Gedanke einer Trennung von Kirche und Staat ist ihnen undenkbar. Wenn das Christenthum die ewige Wahr- heit ist und darbietet, so soll es auch das ganze öffentliche Leben be- stimmen und beherrschen. Unter diesem Gesichtspunkte nur können wir den Canon 18 der dritten Synode von Toledo im Jahre 589 be- greifen; „Die Bezirksrichter und die Fiscalbeamten sollen (auf den Synoden) lernen, nicht durch Lasten oder übermässige Leistungen ent- weder die Privatleute zu beschweren, oder die Angehörigen des Fiscus zu beladen. Die£ischöfe seien nach dem Willen des Königs AoftSllCry wie die Richter das Volk behatiddn, sie sollen sie ermahnen, ihre An- massttngen (insolentiis) vor den König bringen, und sie im Nothfalle cxcommoniciren. Der Bischof soll mit den Ael testen berathen, was

') Kirchengesch. II, 1. S. 406. Vergl. Jost, Geschichte der Israeliten, B. IV, 8. 243 flg. Ghrätz, Geschichte der Juden, 2. Aufl. Leipz. J866, II. S. 392. Kayserling, die Juden auf den Balcaren, 1861, S. 156-— 158. (Leztere drei Schrift- steiler sind selbst Jaden.)

*) M. Kayserling a. a. 0., S. 162—165.

12 Dreizehntea Bach. Erstes Kapitel.

jede Provinz ohne ihren Schaden leisten kann***). Diese Vermengung |

des Geistlichen und Weltlichen hat sehr viel Unheil über Spanien ge-

ver- bracht, der Kirche selbst aber vielleicht mehr geschadet als dem Staate.

«rr^fl- Nur in dem neu entdeckten Amerika erwies sich die Gewalt der Geist-

nng uM I

Kirch, liehen in weltlichen Dingen als wohlthätig und erhaltend. Ohne diesen "^J**Einflu8s der Bischöfe und Priester wäre die Urbevölkerung des mittlerii| uchea. und sädlichen Amerika so völlig ^^vom Erdboden hinwegculüvirt^ worden, wie die Ureinwohner der Inseln S. Domingo und Cuba, über- haupt Westindien's').

So kann man denn sagen, dass die spanische Inquisition aus dem Charakter des spanischen Volkes selbst hervorgewachsen sei. So lange die Spanier gläubig sind, können dort mehrere Religionen nicht neben einander im Frieden bestehen« Die gläubigen Spanier wollen Glaubens- einheit, nicht Glaubensfreiheit. Man kann darum die spanische Inqui- sition ebenso ein National- wie ein Staatsinstitut nennen. Die Begierung vollzog nur, was das -gläubige Volk der Katholiken in seiner immensen Mehrheit wollte'). Dabei fielen die materiellen Verluste durch den Wegzug der Juden (und Mauren , vielmehr Moriscos) nicht in das Gewicht. Dass die Inquisition bei den hohem Ständen, besonders dem Adel, wenigstens im Anfange missliebig war, kam grossentheils daher, dass sie zur Concentrirung der königlichen Macht, zur Aas- bildung der Staatäomnipotenz missbraucht wurde* Auch war „der Adel mit den getauften Juden verschwägert oder befreundet^*).

§. 7.

Kircb- Das Gericht der kirchlichen Inquisition bestand im Königreich Ära-

qaiBition gouieu Seit dem dreizehnten Jahrhundert. Es war im Kampfe der Kirche in Ars- gegen die Waldenser, Albigenser, und verwandte Sekten entstanden, go en. j^.^^ Dominikaner waren, im Auftrage des Papstes und der Bischöfe,

die delegirten Richter. Es bestand aber kein permanenter Gerichtshof^).

Der heilige Kaymund von Pennaforte, Llotger, der Richter über die

^) Kirchengesch. II, 2. S. 13. Allerdings hatten auch die Bischöfe im Römi sehen Reiche das Recht, in Processen der Partheien ab Schiedsrichter zu entscheiden Der heilige ÄugtufHn u. a. beschwert sich über dieses zeitraubende Geschüft

*) Aber die wilden Garaiben oder Cariben hätten die Bewohner der AntillcE auch ohne die Ankunft der Europäer alhnählig aasgerottet Oscar Pesehel, D&& Zeitalter der Entdeckungen, 1858, 8. 195—200.

*) Unter den 8 Millionen Einwohnern Spanien's in jener Zeit waren c 7 MiUionoc Katholiken, an 160.000 Juden, nebstdem c. 400.000 Maaren im getrennten Reiche Granada.

*) Grätz, Bd. V, S. 806.

*) Kirchengesch. Bd. lY (ÜJ, 1) S. 229, 246.

Kirchliche Inquisition in Antonien. Nicolans Aymerich. 13

Tempelherrn, Nicolaua Aymerich der Censor und Verfolger der Schriften fiaymundas Lnllus, hatten yorubergehend dieses Amt verwaltet^).

Der Dominikaner Aymerich stammte aus Gerona, trat in den ^^ Orden im Jahre 1334; von 1357 an war er (päpstlicher) General-Inquisitor «uor aller Reiche der Krone Arairon. Unter seinen zahlreichen Schriften ^^^^

® lieh.

neimen wir: „Tractatos gegen diejenigen^ welche die Dämonen anrufen und sie \rerehren^ 1371, woraus erhellt, dass Verbrechen dieser Art Tor das Gericht der Inquisition gehörten. Eine andere Schrift handelte: „Von der Jurisdiction der Kirche und der Inquisitoren gegen die Un- gläubigen, welche Dämonen anrufen.^ Eine andere Abhandlung spricht von der „Gerichtsbarkeit der Inquisition gegen die Ungläubigen, welche etwas gegen den katholischen Glauben vollfährten^.

Sein „Anweiser für Inquisitoren'^ (Directorium Inquisitorum) er- schien zuerst in Avignon 1376, wieder in Barcelona 1503; mit Commentaren zu Rom von dem Auditor der Rota Franc. Pena*).

Dem Papste Clemens VII. widmete er einen Tractat gegen die Lnllisten (Anhänger des Raymund Lullus) 1390. Aber „die Lnllisten'' brachten es dahin, dass der Konig D. Juan L den N. Aymerich aus seinen Ländern verbannte. Im Jahre 1396 befand er sich noch in der Verbannung. Im Jahre 1398 war er wieder in seiner Vaterstadt Gerona, wo er am 4. Januar 1399 starb*).

Ein Ungenannter verfistsste das „Repertorium^ far die Inqui- sitoren^). — In Gastilien dagegen war die kirchliche Inquisition ganz erloschen. Der Franziskaner AVphons Espena beklagte es im Jahre 1460, dass sich in Gastilien kein päpstlicher Inquisitor befinde und dass der Christenglaube von Kezem und Juden frech verhöhnt werde.

Seit der erwähnten Verfolgung im Jahre 1391 hatte die Zahl der m. vin- schembar Bekehrten ungeheuer zugenommen. Schon im Jahre 1412 ^^,, und den folgenden kam eine neue Bewegung über und unter die Juden, nnd^e Der heilige Vincenz Ferrer zog als Glaubensprediger durch das Land; ^^^ und gab sich die äusserste Muhe, die Juden in Masse flir das Christen- tfaum ZQ gewinnen.

Josua Lorqui (aus Lorca), nach seiner Bekehrung Geronimo de Santa Fä, Leibarzt des Papstes Benedict's XIII. von Avignon, hofite

0 EirdieDgeseh. III, 1, S. 289, 292.

^ Die idiBte Handschrift befand sieh in dem Kloster der Dominikaner zu fittteloxia. Es ersehien auch 1695 zu Venedig in Fol. Das Werk selbst wurde in ^^on gesehrieben.

*) Das dortige Capnzinerkloster besass ein Mannscript aller seiner Werke in Dnplo -. in 11 Folianten. cf. Nicolaus Antonio Bibliotheca Vetos, t. II, p. 124, 187, 188. *- Felix Tones Amat, Escritores Gatalanes, p. 68—70.

*) Bepertoriom inquisitorum haeretioae pravitatis. -— Valencia, 1484, revidirt von ^^ Albertj Juristen in Valencia.

14 DreizehnteB Bucb. Erstes Kapitel.

im Bunde mit diesem und Vinceoz Ferrer die Jaden zum Cbristen- thum zu fuhren. Mit Wort und Schrift eiferte Vincenz für die Be- kehrung der Juden. Da er wusste, wie viele der im Jahre 1391 Bekehrten in das Judenthum zurückgefallen, so wendete sich sein Eifer zunächst an und gegen diese. Dieselben (die Maranos) legten in grossen Massen ein reumüthiges Glaubensbekenntniss ab, so dass er auf die Bekehrung aller Juden in Spanien hoffite. Er erhielt die Erlaubniss, in den Syna- gogen (und Moscheen) zu predigen, während die Juden gezwungen waren, ihn anzuhören. Mit mächtiger Stimme forderte er sie auf, unter dem Kreuze sich zu sammeln« Am 12. Januar 1412 erschien für GastUien ein Edikt, welches die Juden zwang, in den Städten in be- sondern Quartieren (Juderias) zu wohnen, die nur eine einzige Eingangs- und Ausgangspforte haben sollten. Sie sollten kein Handwerk, nicht die Arzneikunst, und kein Geschäft mit Christen treiben. Es war ihnen eine besondere Tracht vorgeschrieben. Sie sollten ein Abzeichen von rother Farbe tragen*).

Natürlich traten jezt auf Ferrer's Predigten viele Juden zum Scheine oder im Ernste in die Kirche ein, um so mehr, als auch das christliche Volk in seiner Weise dazu drängte. Man hoffte, dass die Juden überhaupt in Spanien aussterben würden. So traten viele Juden der Gemeinden von Astorga, Avila, Benevente, Burgos, Leon, Palencia, Salamanca, Segovia, Toro, Valladolid, Zamora und anderer Städte, wo Vinc. Ferrer predigte, in die Kirche über. Es sollen über 26.000 Juden und 8000 Maureu durch die Predigten des Vincentius bekehrt worden sein. Verschiedene Synagogen wurden in Kirchen umgewandelt, so die Synagoge von Salamanca in eine Kirche zum heiligen Kreuz*). „In den kaum vier Monaten^% sagt der Jude GhätZy „während welcher (er) sich im Königreich Castilien aufliielt, hat er den Juden so tiefe Wunden geschlagen, dass sie daran verbluteten.^ Vom Jahre 1414 an wurde die Lage der Juden wieder gemildert. Auch in Aragonien wirkte Ferrer mit dem gleichen Eifer'). In Saragossa, Daroca^ Tortosa, Valencia, Majorca wurden viele Juden bekehrt Benedikt XIII. hatte auf das Ende des Jahres 1412 eine grosse Disputation in Tortosa Dispu- veranstaltet. Geronimo de Santa Fe war der erste Disputator für die ^^Jl* Christen, üeber 16 angesehene Juden fanden sich ein. Sie waren der

1418 n. Uld.

') Das Edikt bei Alfomo Espina in Fortalitiam Fidel UI (gescfarieben 1459 1460) erschien zn Nürnberg 1491 (p. 93), zu Strassborg 1511, 1525, 1629, zum Theil unter fremden Namen.

') Bzovius Annales ad a. 1412, nr. 11, (der nur von Salamanca redet). Die Acta Sctor., April t. I, (5), p. 495 - nennen 25,000; Qrätz, Geschichte der Juden, (V, 122) nennt '^0.000, und nach einer Variante 22.500 bekehrte Juden.

') Raynald., annales ad ann. 1414, nr. 19. —Acta Sanotor., p. 508.

Geheime Jaden. „Maranos." 15

gefahrvollen Lage keineswegs gewachsen. Sic gaben sich Blossen, und zerfielen zalezt in Parteinngen, von denen jede einen eigenen Weg einschlug *). Die Disputation, „die merkvrürdigste, die je gehalten wurde,^' zog sich vom Februar 1413 bis .12. November 1414 hin, während 68 Sizungen stattfanden')^ Benedikt XIIL wohnte auf seinem Throne den Sizungen an.

In Bälde besserte sich die Lage der Juden. Die Folge war, dass sehr viele Bekehrte theils offen, theils versteckt zum Judenthum zurück- kehrten. Sie wurden „neue Christen^ oder Maranos (Marranes) ge- nannt. Sie lebten in Verbindung unter einander, und bildeten eine eigene Nationalitat®).

Die Gefahr vor ihrem Proselytismus wuchs zusehends, und die Bischöfe thaten oder konnten nichts dagegen thun. Der Chronist An- dreas Bemald& macht ihnen den Vorwurf, dass sie die im geheimen schleichende Pest weder bei den Königen noch bei den Päpsten je zur Anzeige gebracht, wozu sie doch verpflichtet gewesen seien ^). Die j^mosaische Häresie^ nahm nach seiner Ansicht im Reiche Castilien im Jahre 1390 (1391 ?) ihren Anfang, seitdem die zum Schj^in bekehrten Juden ihrem alten Glauben im Geheimen treu blieben. Die „neuen Christen'^, die Nachkoomien jener mit Gewalt Bekehrten, waren weder Juden noch Christen. Da sie vielmehr getauft worden, waren sie Häretiker und ohne Gesez. Sie fanden Schuz bei Hohen imd Niedern, „bei Weisen, Gelehrten, Bischöfen, Ganonikem, Mönchen, Aebten^^). Diese heim- lichen Juden hatten sogar den Plan, der Königin Isabella das Gesez des Moses zu predigen.

Die Kluft zwischen den „alten^ und den „neuen'' Christen wurde »Aite« immer grösser. Die Juden hatten sich des Reichthums des Landes ^q^« bemächtigt. Durch ihre Hände ging die Einziehung der königlichen chH«- Renten in Castilien, und, was noch schlimmer, ihren Händen war die Ausübung der Gerichtsbarkeit anvertraut. Der königliche Rath war voll von „Conversos*' (neuen Christen), Viele Meuchelmorde, an

') Grätz, V, 126.

') Orätz, V, 127.

*) Jimt (Jade), Geschichte der Israeliten bis auf unsere Tage, Berl. 1825, Thl 7, 8. 70. ^Der Zahl nach hatten die Juden bedeutend abgenommen. ** Orätz (V, S. 235) schätzt ihre Zahl auf 150.000 im Jahre 1474 gegen 800.000 im Jahre 1290 (in Gastih'en).

*) Man erinnere sich hiebei des scharfen Verweises, welchen vor dem Jannar 638 Papst HonoriuB 1. den spanischen Bischöfen aas demselben fGrunde ertheilt, in- dem er sie „stamme Hunde*' nennt. Eirchengesch. II, 2, S. 224—227. Bemaldez, ^ reyes Oatolicos, Gran. 1856, t I, p. 97.

*) e Sabios, e Contadores, e Secretarios, e Factores de Beyes e de Grandes Sefiores Bemald^z, I, 97. Ptdgar, Crönica de los Reyes Catölicos. Valencia» 1780, p. 136.

16 Dreizehntes Bach. Erstes Ki^itel.

Christen vollbracht, blieben ungestraft , durch ein geheimes Einver- ständniss zwischen Bichtem und Rathen. Bei ihrer bekannten Frucht- barkeit war die Zahl der Juden in der lezten Zeit ungemein gestiegen, während die Christen in Folge der Kriege abgenommen hatten. Viele von den ^neuen Christen'' lebten ohne alle Religion, so dass man auf sie die Worte des heiligen Augustinus anwendete : „Conversos, ergo perverses''. Der Bischof Paulus von S. Maria von Burgos, sowie seine beiden Söhne machten eine rühmliche Ausnahme. Aber was waren einige wenige aufrichtige und gute Convertiten aus dem Judenthum unter so vielen bösen?

§. 8.

Petrus de Cordova y Solier, Bischof von Corduba (1464 1476), hatte seinen Feinden weichen und die Stadt verlassen müssen. Die „neuen Christen" waren dort sehr reich und mächtig; da das Kapital in ihren Händen sich befand, so litten die Katholiken unter ihrem

Revolte Drucke. Am 14. März 1473 ging eine Procession durch die Strassen;

*do^ ein Mädchen schüttete Wasser über das Gewand, welches die Statne U7S. der seligsten Jung&au trug.

Ein Katholik, erbittert bei diesem Anblicke, rief aus, man solle das Haus verbrennen, aus welchem Wasser geschüttet worden. £in Cavalier, Namens Torreblanca, widersezte sich, und die erzürnte Menge stürzte sich auf ihn. Es kam zum blutigen Kampfe. Die Katholiken aus dem Volke flüchteten in die Kirche S. Francisco. Aguilar, der Führer der „neuen Christen", kam dahin, bemächtigte sich durch Wortbruch des Führers der Bewegung, und durchbohrte ihn mit einem Lanzenstiche^). Da erhob sich das ganze Volk gegen die Adeligen und „die Conversos". Vergebens suchte es Aguilar mit seinen Berittenen einzuschüchtern; es verbarricadirte die Strassen, und zwang die Adeligen zur Flucht in das Castell. Die Häuser der „Be- kehrten" wurden geplündert und in Brand gesteckt, und viele ermordet, von denen die Rede ging, dass sie nur dem Namen nach Christen seien. Die Grausamkeiten der „alten Christen" waren -schreckltcb, und rechtfertigten das Urtheil, dass sie so schlecht seien, als die „neuen Christen". Die Bewegung gegen die (versteckten Juden ergriff gaixz Andalusien, beraubt und getödtet wurden die „Bekehrten" in Montoro.

0 Fic de la FuerUe führt als Gegenstück an, Ferdinand „der Katholische^ von Aragonien habe einst einen Schuft in seinen Palast von Saragossa zu Tafi> geladen, und ihn ohne einen Schein von Cterioht darch die Garotte (das eisernt Halsband) erdrosseln lassen. Diess habe man das „Becht*' jener Zeit genann (t. V, 26).

' Vorspiele der Inquisition. Die Maranos. 17

Bajaknce, and andern Orten. Aehnliche Excesse wurden in Baena, SeTÜla, XeveZj Ecija mit genauer Noth verhindert. In Jaen ermor- deten die ^alten Christen^ den Condestable Miguel de Lucas, während er in der Cathedrale die heilige Messe horte; sodann wurden ohne Schonung des Alters und Geschlechtes ,,die Bekehrten^ beraubt und :retödtet. Von Andalusien aus pflanzte sich die Bewegung nach Casti- lien fort. In Segovia vereinigte sich das Volk der untern Pfarreien, um die ,,Bekehrten^ zu ermorden. Gegen es stand der Alcalde des Alcazar^ Andreas Cabrera. Es kam zum blutigen Kampfe und beide Parteien erlitten schwere Verluste. Angesichts dessen begann die Auswanderung der „Bekehrten" nach Flandern, nach Italien, oder in die Herrschaften der Adeligen und Magnaten, von welchen die •neuen Christen" beschüzt wurden. Ein Versuch der „neuen Christen", sich der Festung Gibraltar durch List zu bemächtigen, misslang ^).

Aus diesen Bewegungen geht u. a. der unversöhnliche Gegensaz ^^^' und die tödüiche Feindschaft zwischen den „neuen" und den „alten der Christen* hervor. Die Einfuhrung der Inquisition lenkte den Strom ^'''**° ier Erbitterung in ruhigere Bahnen. An die Stelle der Selbsthilfe, der judcn. Volksjustiz, trat jezt das richterliche Verfahren des s. g. „heiligen Officio". Selbst der Jude Gräiz gesteht: „Das gläubige Volk beschul- digte die Marranen (getauften Juden), wohl nicht ganz mit Unrecht, dass ihnen das Christenthum, das sie mit den Lippen bekannten, in der Seele zuwider wäre. Es hiess, sie brächten ihre Neugebornen ent- weder gar nicht zur Taufe, oder wüschen, wenn getauft, in ihren Häusern den Flecken der Taufe wieder ab. Sie hätten auf ihrem Tisch keinen Speck, sondern Oel, enthielten sich des Schweinefleisches,, feierten das jüdische Fassahfest und spendeten Oel für die Synagogen. Sie hätten ferner keine Hochachtung für die Klöster, entweihten deren Heilig- thämer, und verführten die Nonnen. Die Neuchristen wären ein !K:hlaue8 und ehrgeiziges Völkchen, das nach den einträglichsten Aem- tem haschte, nur an Bereicherung dächte, und anstrengende Arbeit scheute. Die Keuchristen selbst betrachteten sich als unter Egyptem :<^bend, and hielten es für erlaubt, die Christen zu betrügen und aus- z!3beuten. Diese Beschuldigungen werden wohl nicht auf sämmtliche Neuchristen gepasst haben, aber das Volk war voll davon und hasste ^ie fast noch mehr als die Juden*^ ').

Zwei verschiedene Nationen wohnten neben einander, die sich bis 2i]m Tode hassten; auf eine Aussöhnung oder ein ruhiges Nebeneinander-

*) Orätz, Geschichte der Juden (von 1265—1492), Bd. V, Leipz. 1864. S. 232 tm 244. Vic. de la FuenU, Historia ecleBia«^ de Espa&a T. V, Madr. 1874, pag. 2'ö \ÄM 26 tcf. Oomez Bravo, Historia de los Obispos de Cordova, t. I, pag. '653— '664).

'> GriUz, V, 241 u. 242.

Garns, tpAn. Klrdia. III. 8. 2

18 Dreizehntes Bnch. Erstes Kapitel.

wohnen konnte man nicht mehr hoffen. Wenn die Konige. nicht ein- geschritten wären, wäre ein innerer Ejieg wohl nicht za vermeiden ge- wesen. Die Gefahr vor dem Proselytismus der Juden wuchs zusehends. Geistliche und Laien wandten sich an die katholischen Konige um Schuz gegen dieselben. Die „Könige" kamen im Jahre 1477 zum erstenmale nach Sevilla, wo der Cardinal Mendoza den Dominikaner Alfonso V. S. Paul als Prediger gegen die neue Häresie beschüzte. Dieser Mönch und andere Elatholiken wiesen die „Konige'' auf das grosse Uebel dieser Häresie hin, und forderten auch den Cardinal zum Ein- schreiten auf.

Alfons von Ojeda war Prior des Klosters von S. Paul. Mit

ihm verband sich der Gerichtsbeisizer Diego Merlo, sowie Philipp, de

Barberis, Grossinquisitor von Sicilien, welcher zu Konig Ferdinand,

seinem Souverän, nach Sevilla in Anliegen seines Amtes gekommen war.

Im Jahre 1478 entschlossen sich die ^^katholischen Könige' zur

Einfuhrung der Inquisition (auch) in Castilien, und wandten sich an

Papst Sixtus lY. um Bestätigung. Der Papst gab am 1. November

^* 1478 *) die erbetene Bestätigung, in der Erwartung, dass diese Inqui-

tion g«- sition ein rein kirchliches Institut sein werde. Die ^Könige^ erhielten

gründet (jjg Vollmacht, zur Untersuchung und Bestrafung der Häretiker zwei

1484. bis drei kirchliche Personen, Welt- oder Ordenspriester, aufstellen zu

dürfen, welche mindestens 40 Jahre alt, von reinem Wandel, Magister

oder Baccalaureen der Theologie, Doctpren oder Licentiaten des cano-

nischen Rechtes sein müssten.

Im Jahre 1478 gab auch der Cardinal Mendoza eine Art Cate- chismus des christlichen Lebens heraus, einen Abriss dessen, was der Christ zu thun und wie er sich zu benehmen habe, von seiner Taufe an bis zu seinem Tode« Daraus aber hat man nicht mit Becht geschlossen, dass er die Einführung der neuen Inquisition empfohlen habe'). Doch unterstüzten „die Könige" den Cardinal in dem Werke der Belehrung des Volkes. Als sie Sevilla wieder verliessen, gaben sie dem Stell- vertreter des (mit ihnen) abwesenden Cardinais, D. Pedro Femandez de Solis, Bischof von Cadix, dem erwähnten Corregidor D. Merlo, und dem P. Alfons von S. Paul den Auftrag, die Bemühungen des Erz- bischofs zu unterstüzen und deren Erfolge zu beobachten.

Allein die verkappten Juden Hessen sich nicht belehren und be- kehren. Es erschien eine sehr bittere Schrif); gegen das Vorgehen der „Könige", und gegen die christliche Religion überhaupt, welche zu weiterm Vorgehen drängte. Kraft der päpstlichen Bulle wurden jezt

') Nach Bemaldh (l. o. p. 100) im Jahre 1480, Die Bulle selbst ist nicht bekannt

•) Prescott, Ferdin. und Isäbella, Thl. I, S. 299.

zwei DomiDikaner nach Sevilla entsendet, der FrOTinzial Miguel Monllo, Magister der Theologie, nnd Jnan de San Martin, Vicar des Ordens der Dominioaner, 17. September 1480. Der Yollmachtsbrief der Könige ist am 27. December 1480 anBgestelH '). Als Gehilfen erhielten die beiden Dominikaner den Priester D. Jnan Ruiz, Rath der Königin, nDd den Hofpfarrer Jnan Ijopez dcl Barco *). Diese Inqnisitoren traten ohne alles kirchliche Mandat als blosse königliche Beamte ihre Send* img an.

Das tiene Crericht trat sogleich in das Leben. Es erliess am iBqnui. 2. Jannar 1481 eine Instmctioa, in welcher die Fnnkte oder Merkmale ti<» in angeführt werden, an welchen man den geheimen Jndfüsmns der s. g. j^g, (Denen Christen" erkenne. Jedermann wnrde anfgefordert , alle die- jenigen zu nennen, an welchen diese Kennzeichen widirgenommen worden*).

Der Ek'lass des nenen Gesezea ging znm Theil anch g^^n dsa Adel von Andalusien, bei welchem die „neaen Christen" stets Schnz geüinden. Denjenigen wmrde Verzeihung angekündigt, welche ihren Itrthnm innerhalb einer gewissen Zeit bekennen würden. Die Namen der Kli^er oder der zur Anzeige Bringenden sollten Terschwiegen bleiben.

Die Zahl der Angeklagten mehrte sich in Bälde so, dass der Gerichtshof seine Siznngen ans dem Kloster des heiligen Paulus, das sich innerhalb der Stadt befand, in das geräumige Fort Triana in der Vorstadt verlegen musste*).

Die Behauptung des A. liorente ist aber reine Br6nduug, dass d&a Gericht der Inquisition in dem einen Jahre 1481 in den beiden Diöcesen Sevilla und Cadiz 2000 Personen habe verbrennen lassen. Uormte hat keinen Gewähremann für seine Behauptnng (den Sfariana ^i er entstellt), verräth dagegen überall das brennendste Verlangen, die Zahl der Hingerichteten zu ver^rössem*).

' ') Er Btebt in lib- 11, lit 7, nota !■ der Novisima Beooplladon de lu leyes

de EipASft, dividids in XII libroa; Nneva edicion, Paria 1S32. 4. voL 4*. *) UoraUe, I, pag. 148.

") UarenU meint, dan von diesen 37 EeonEeichen 22 ^r nidit intreffen oder nichts beweisen (I, 153—169). Pregcott tritt seiner Anaicht bei, and erhebt den . dirduu pvteiiBoben Uorente mit onverdienteD Lobapractaen. Preseott, t. II. der mipmiseben Uobon. v- 1848, pag. 139—144).

m *] Perrerat sagt (Paite XI, pag. 157 des apan. Werkea): dasa im Jahre 1180

;, 10 Sevilla da« «rate Antodaf6 (Äctna fidei) statt hatte, in welchem 7 hartnfickige Apostaten anm Fener, viele Betdge aber zn andern leichtem ätrafan venirthailt wurden. ^ Thatsache mag richtig sein; daa Antodafä kann aber nicht vor dem Jahre 1481 < >tUtgefiaden haben.

>) LioreaU, iV, pag. S43 n. 244. f^lschUch bemft Moh anch O. Moroni, iBdarn et diese Bebanptang wiederholt, anf Mariaaa (L 24. cp. 17). Mariana redet

20 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel

Es trat aber bald za Tage, dass die Inquisition in der Hand des

absoluten Konigthums sei^ und nur durch äussere kirchliche Formen

sich einen kirchlichen Schein geben wolle. Schon am 29. Januar 1482

erliess Papst Siztus lY. ein neues Breve, worin er sich beschwert,

da;s6 die Bestätigung der Inquisition mittelst falscher Angaben von ihm

erschlichen worden sei'). Er tadelt die beiden Inquisitoren, welche

Leute gestraft hätten, die irei von aller Kezerei seien« . An sich hätten

sie verdient, von ihm abgesezt zu werden. Er wolle aber mit Rück-

^ sieht auf die katholischen Konige davon abstehen. Der Konigin schenke

Hon aber voUeu Glauben, wenn sie behaupte, dass sie die Kezer nicht des

suata- Gewinnes wegen verfolge.

Am 23. Februar und 2. August 1483 erliess derselbe Papst zwei ^^six ^^^^'^^ Breven. Er fuhrt Klage gegen König Ferdinand über die grosse tos IV. Strenge des neuen Gerichts^ und fordert die Konige auf, Milde und ^* Schonung eintreten zu lassen, besonders wenn die Schuldigen deutliche Zeichen der Reue an den Tag legten. O. Maroni rechnet es den romischen I%psten zum „ewigen Ruhme" an, dass sie niemals die spanische In- quisition an sich begünstigt, sondern stets bemüht gewesen ^eien, sie in ihre Grenzen zurückzuweisen. Allein leider befanden sie sich in der Defensive gegenüber den Offensivstossen dieser Staatsanstalt').

In dem Breye vom 2. August 1483 verlangt der Papst, dass den von der Häresie reuig Zurückkehrenden der Besiz ihres Vermögens erhalten werden sollte.

In derselben Zeit wurde nach dem Ableben des Alfons de Carrillo (1. Juli 1482) der Cardinal von Spanien, Gonzalez de Mendoza, auf den Primatialstuhl von Toledo erhoben, nachdem er 14 Jahre Erz- bischof von Sevilla gewesen'). Ihm folgte in dem Erzbisthum Sevilla Jnicus Manrique, bisher Bischof von Ja6n 1482, der aber schon im p. siz- Anfange des Jahres 1485 starb. An ihn richtete Papst Sixtus IV. vor gtgendem 2. August 1483 ein Breve, worin er ihn zum päpstlichen Ober- ^**® richter bestellte, nm die gegen die Urtheile der königlichen Richter tion. eingelegten Appellationen im Namen des Papstes anzunehmen^). Die

aber nicht von 2000 Opfern des Jahres 148], sondern sagt, dass in der ganzen Zeit (des Inquisitors Torquemada?) so viele Opfer gefallen seien. Moroni^ Dizionario, t. 68, Venezia 1854, pag. 110.

0 Es steht b. Llorente t IV, p. S45.

*) Balmes, der Katholizismus verglichen mit dem Protestantismas (deutsch), Begensb. 1861, Bd. I, S. 412—455, Kap. S6 a. 37. Ranke, Fürsten und Völker in Sttdeoropa im 16. und 17. Jahrhundert, BerL 1827~-1836, 4 voL Thl. I, S. 248. „Es war die Inquisition, durch welche die unbedingte Autorität der B^erung vollendet wurde.**

') Kirchengesch. lü, 1, S. 432 u. 433.

') Llorente, t. I, pag. 165 u. 166; t. IV, pag. 352-^67 (hier stehen auch die beiden Breven vom 23. Febr. und 2. Aug. 1483).

Die InqniBition in den Jahren 1483—1489. Thomas Torqnemada. 21

königlichen Inqnisitoren waren zuerst Spanier, dann erst Katholiken, nnd Hessen keine päpstliche Appellation zn. Da nahm der Papst selbst Appellationen der Angeklagten an ihn an. In seinem Edikte vom 2. Aaguet 1 483 erklärt er, er habe noch immer die Appellationen vieler Spanier aus Sevilla angenommen; denn dieselben hätten, aus Furcht verhaftet zu werden , nicht gewagt , an den Erzbischof von Sevilla zu appelliren. Er fugt bei, dass mehrere der Appellanten die Iiossprechung dorch den apostolischen Stuhl erlangt hätten, andere sie noch erlangen würden. Er klagt darüber, dass man die verschiedenen Angeklagten kurz vorher gewahrte Gnadenfrist nicht gehörig beachte. Noch andere Mahnungen fugt er bei, und fordert „die Könige^ zuletzt auf, zu be- denken, dass Barmherzigkeit mit den Schuldigen Gott wohlgefälliger sei, als alle Strenge, dass der gute Hirte das verirrte Schaf mit un- endlicher Geduld aufgesucht habe. Die „Könige^^ mögen gegen Alle, welche ein aufrichtiges Bekenntniss ablegen, Milde walten lassen, ihnen den Aufenthalt in Sevilla oder jedem ihnen beliebigen Orte gestatten, and sie im Besize aller ihrer Güter lassen, als wären sie in das Ver- brechen der Häresie nie gefallen^. Die Angeklagten wendeten sich anch nicht immer nach Rom, um Hilfe gegen Ungerechtigkeit, sondern nur um mildere Behandlung zu finden. Viele spanische Flüchtlinge, welche des Rückfalls in das Judenthum überwiesen wurden, kamen nach Rom. Dort wurden einmal 250 solcher Maranos schuldig gefonden. nie Aber nicht Einer wurde hingerichtet« Es wurden ihnen verschiedene ^J*^®^^ Bussen auferlegt. Sie wurden losgesprochen und sollten unbeschadet tomcIi ihrer Ehre nach Spanien zurückkehren können. Diess geschah ^^°^ freilich zu einer Zeit, wo in Spanien die erste Strenge der Inquisition längst einer mildem Praxis Plaz gemacht hatte (1498)')*

Nach dem päpstlichen Breve vom 2. August 1483 griff man jezt Thomw

Torqa«-

') Balmes, I, S. 426 n. 427.

*) Dass Horenie obiges Edikt des Papstes tadelt, muBS man an diesem spa- nisehen and kirchlichen Reneg;a€ien begreiflich finden. Denn weil es der Papst ge- Üum, so hat er übel gethan (t I, p. 168, 176). Aber dass Pre^co^ in dasselbe Hom BtdsBt (t e. p. 132), kann nnr ans Mangel an bessern Quellen erklärt werden. Unter den Opfern der ersten Zeit nennt er drei Kleriker (diess nach Bemdldez, l, p. 100), ▼enchiedene Richter nnd Beamte. Auch er redet von 2000 Verbrannten in dem einen Jahre 1481, nnd verdreht den Inhalt der päpstlichen Erlasse vom Jahre 1483. Nach ihm hätte der Papst die „Könige" ermuthigt, in dem Werke der «Purification*' des Landes tapfer auszuharren. Llorente sieht die wahren Ursachen der Einführung der Inquisition in Spanien in der Habsucht des Königs Ferdinand, imd in dem Ver- langen Slztus IV. , die bisherige freisinnige Kirchenverfassnng Spanien's durch die- selbe zu verdrängen. Selbst die in den Jahren 1819—1822 gewiss sehr ,,frei8innige' T&bmgerTheoL Quartalschrift äussert sich entrflstet fiberdie beständigen Uebertreib- nngen und Verdrehungen Uarente's, der an den Päpsten auch das Gute tadelt, weil es die Päpste gethan haben (J. 1820, S. 259—266; J. 1822 S. 81—96; S. 338—41).

22 Dreizehntes Buch Erstes Kapitel

°^^^> in Spanien zu der Politik, mit Hilte Borns von Rom loszukommen.

inqabi- Man ging y,ent8chieden in der Sache, aber sanft in der Form^^ voran. *^^' Die „katholischen Könige'^ schlugen dem Papste den P. Thomas de Torquemada, Prior des Klosters zum heiligen Kreuz in Segovia, als (ersten) Grossinquisitor für Castilien vor. Der Papst bestätigte ihn in dieser Eigenschaft, mit der Vollmacht, zur Einsezung weiterer Unter- inquisitoren zu schreiten. Diess geschah zwischen dem 2. August und 17. October 1483. Ein weiteres Breve erliess der Papst am 17. October 1483, in welchem er einwilligte, dass Torquemada auch Grossinquisitor für das Königreich Aragonien, mit denselben Vollmachten, wie für Castilien, sein sollte. Für Aragonien waren Inquisitoren schon aus der frühern Zeit da, welche sich nicht ohne Widerstreben dem neuen Gross* inquisitor unterwarfen. Sie mussten weichen.

§. 9.

Thomas Torquemada war im Jahre 1420 zu Valladolid geboren. Seit dem 11. Februar 1482 war er den ersten Inquisitoren als Gehilfe beigegeben, und überragte in Bälde seine CoUegen so sehr, dass er sie in den Hintergrund drängte. Von ihm stammt die eigentliche Organi- sation des „heiligen Officiums^^. Bisher hatte nur der Gerichtshof von Sevilla far ganz Spanien bestanden. Er errichtete in Kurzem vier Gerichtshofe, in Sevilla, in Cordova, Jaen und in Villareal (später Oiudadreal), welcher zwei Jahre später nach Toledo verlegt wurde. Er gab denselben ausfuhrliche Statuten*). Ferdinand gab ihm einen obersten Inquisitionsrath aus Theologen und Juristen zur Seite'). Torquemada sollte in theologischen Fragen nur den Rath dieses Colle- giums zu hören haben, in juristischen und bürgerlichen Fragen aber sollte er an die Mehrheit der Stimmen gebunden sein. Die Ernennung dieser Räthe erfolgte ohne Genehmigung des Papstes oder eines Bischofs. Ob die Räthe Laien oder Priester waren, fallt dabei nicht in's Gewicht. Sie waren von vornherein königliche Beamte. ^<« Nach dem am 12. August 1484 erfolgten Tode des Papstes Six-

üon und ^^^ ^^- folgte ihm am 24. August Innocenz VIII. als Papst. Auch er p. Inno- i)e8tätigte die neuen Einrichtungen am 11. Februar 1486. In einer VIII. zweiten Bulle, die am 6. Februar 1487 publicirt wurde, bestätigte der (lAMbüpi^pg^ den Torquemada in der Würde eines Grossinquisitors für die Königreiche Castilien, Leon, Aragon, Valencia, das Fürstenthum Cata- lonien, und die übrigen Theile des Landes. In derselben Bulle wurde

') Sammlang der Instructionen des spanischen Inqnisitionsgerichtes. Ueber- sezt Ton «7^ 2>. Retiss, Hannorer, 1788, S. 1—36. *) LlorenU, I, p. 173.

Piq)8t Innocenz VIII. und die Inqaiflitioii. 23

er als Special-Inquisitor für die Stadt und das Bistbum Barcelona ein- gesezt, mit dem Rechte , sich Delegaten nach seiner Wahl zu substi- tuiren ^). Die Vollmachten der frühem Inquisitoren wurden widerrufen. Eine Bulle vom 3. April 1487 befahl allen (auswärtigen) Regierungen, anf die einfache Requisition Torquemada's, alle von ihm näher bezeich- neten Flüchtlinge festzuhalten, und sie unter Strafe der grössern Ex- communication an die Inquisitoren zurückzusenden. Nur die Monarchen waren von diesem Anathem ausgeschlossen').

Am 27. November 1487 erliess (nach Uorente) der Papst eine Dene Bulle in Betreff Solcher, welche durch ein päpstliches Privilegium von der Gerichtsbarkeit der Inquisition befreit zu sein vorgäben. Mit dieser Bulle war die Inquisition unzufrieden. Durch ein neues Breve vom 17. Mai 1488 suchte der Papst den Beschwerden der Inquisitoren abzuhelfen^.

Dersdbe Papst erliess bald nach dem Antritte seiner Regierung eine Bulle an die Inquisitoren in Spanien. Er sagt u. a.: „Wir haben gehört, es seien einige Häretiker in jenem Reiche, jedoch als solche nicht bekannt, welche gern zur Kirche zurückkehren würden, wenn eine Abschworung ihrer Irrthümer im Geheimen zugelassen würde, da sie Männer in Ehren und von hohem Ansehen sind.^' Er ertheilt nun den Inquisitoren die Vollmacht, dass sie Häretiker jeder Art zur geheimen ^^^^^ Abschworung zulassen und zu der Kirche zurückführen mögen. Doch und die müsste diess in Gegenwart „der geliebtesten Söhne in Christus, des ^^^^^^' erlauchten Königs und der Königin von Castilien, Leon und Aragonien gescliehen^), damit, wenn Jene wieder in den alten Irrthum zurück- fielen, sie nicht unter irgend einem Verwände der Strafe der Rück- tälligen sich entziehen könnten.^'

Dieser Schuzbrief vom 15. Juli 1485 ist nicht ganz ohne Folgen geblieben. 50 Häretiker wurden am 11. Februar 1486 im Geheimen absolvirt, in Gegenwart Ferdinand's und Isabella's*).

§. 10.

Die Einfuhrung der neuen Inquisition in Aragonien und Valencia

fand einigen Widerstand, besonders bei dem Adel. Ferdinand kümmerte

*) Diese Bnllen werden bei lÄormie (I, p. 212) nur erwähnt

*) Auch diese Bnlle begnügt sich LhrenU nur zn citiren. Warum liat er den Text zurückgehalten (I, pag. 263)?

*) Llorente, 1, p. 248. Von diesen Breven hat Uorente den Wortlaut nicht mitgetheilty und es ist erlaubt, an ihrer Aechtheit zu zweifeln.

*) Den KOnig nennt er zuerst, und wieder zuerst das Land der Königin. Die Bulle steht in Raynaldi's annales ad annum 1485, nr. XX, und ist daraus bei 0, CczsMy Leben des heiligen Arbuös, abgedruckt, p. 81 u. 82.

•) Llorente, IV, p. 295.

24 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.

sich wenig um diesen Widerstand. £r beseitigte die bisherigen kirch- lichen Inquisitoren, den Dominikaner Christoph Gualb^s, und den Magister Ortes. Jenem wurde vorgeworfen, dass er seine Geipralt missbraucht habe.

In den Cortes von Tarazona -^ 1484 verbandelte man mit dem Grossinquisitor über die Weise des Vorgehens gegen die Häre- tiker und die der Häresie Verdächtigen. Es wurden getrennte Com-

^*® missions- (Juntas) Sizungen gehalten. Torqnemada delegirte als In- tton In quisitoren für Aragonien den Dominikaner Caspar Inglar von Bena-

^^' varre, und den Canonicus an der Cathedrale zu Saragossa^ den Magister

1484/ Pedro Arbues, bekannter unter dem Namen Maestr-Epila, weil er aus Epila stammte.

Für das Königreich Valencia wurden Martin Inigo und der Dominikaner Fr. Pedro de Epila ernannt. In den Cortes von Valencia erhob sich auf den Bänken der Ritter Opposition. Nach drei Monaten brachte Ferdinand diese Opposition zum Stillschweigen. Auch zu Saragossa und Teruel fehlte es nicht an Widerspruch, nicht so fast gegen die Einsezung des „heiligen Officiums^^, als gegen die neuen . Formen, unter denen es sich einführte, welche den „Fueros", und der Art, die Gerechtigkeit zu verwalten, in diesen Ländern zuwider seien. Die Einziehung der Güter, die Heimlichkeit des Verfahrens, indem der Name des Anklagers den Verklagten verborgen blieb, waren für die Aragonier nicht erträgliche Neuerungen, deren Gesezgebung schon im 15. Jahrhundert „die fortgeschrittenste und freieste in Europa" war')» Mittelst des mehr oder weniger gewaltsamen Einflusses des Königs, dem sich der Klerus und ein Theil des Adels anschloss, wurde der Widerstand besiegt.

^*® Aber viele von den ersten Advocaten zu Sarafi^ossa waren „Neu-

,, neuen ,

chri«- bekehrte'', und verwandt mit den Juden, sie waren reich und von ten« In grossem Eiuflusse. Sie führten Klage bei dem „Justicia major", dem

gosM. obersten Gerichtsbeamten des Königreichs; sie verlangten, dass den Inquisitoren verboten werden solle, nach ihrem neuen Verfahren vor- zugehen, vor alleAi aber, Güter einzuziehen. Sie boten grosse Summen Geldes an, nicht bloss dem „Justicia major", sondern auch dem Könige Tristan de la Porta, Stellvertreter des Justicia, weigerte sich zu ihren Gunsten einzuschreiten. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge sie hatten aber keinen Erfolg, weil in der Zwischenzeit eine Ver- schwörung gegen das Leben des Inquisitors Petrus Arbues ausbrach.

') Ftc. de la Fuente, V, pag. 30 u. 31 ,

Heib'ger Petrus Arbnte. Seine Jagend. 25

§. 11.

Bis vor Kurzem wusste die Welt diesseits der Pyrenäen nur von dem grossen Kezerrichter, vielmehr Kezervemichter Thomas Torquemada. Im Jahre 1867 v^urde aber Petrus Arbues, erster Inquisitor im Reiche Äragonien, heilig gesprochen, und seitdem hat man in diesem vorher in Deutschland ungenannten und unbekannten Manne ein sittliches Un* geheuer entdeckt, wie es deren in der Weltgeschichte, zum Tröste des Menschengeschlechtes, nur wenige Exemplare gegeben. Petrus Arbues war demnach „ein Greis^^ voll Mordlust und voll ^Elauhsucht. Er hat auf Scheiterhaufen und andern Schaffoten so viele Menschen vom Leben znm Tode gebracht, dass er weite „Gegenden entvölkerte^^ Diejenigen aber, welche ihn die zartesten Saiten aufziehen lassen, behaupten, dass er wenigstens 2000 Menschen durch Feuer martern und sterben liess. Was sagt dazu die Geschichte?

Petrus Arbues sagte drei Jahre vor seinem Tode im Jahre 1482 aus, dass er damals ungefähr 40 Jahie alt sei. Sein Tod aber er* folgte im September 1485, ein Jahr nach der Einfuhrung der Inqui- •'?»«®°* Bition in Saragossa. Wühelm Kaulbach hat ihn in seinem bekannten Arba^. Tendenzgemälde als abgelebten Greis dargestellt. Auch in Blättern and Broschüren wird er der „Greis'' genannt. Dass aber Jemand in dem Blütheoalter von (42) 40 Jahren zugleich im Greisenalter stehe, das will unserer beschränkten Einsicht nicht einleuchten. Wenn er aber „Gegenden'' entvölkerte, so müsste er wenigstens eine Reihe von Jahren das Amt eines Inquisitors bekleidet haben.

Petrus Arbues wurde um das Jahr 1442 in der Stadt Epila in Aragonien geboren. Seine Eltern waren Antonio de Arbues, und Sancia Ruiz de Sadava, beide von edlem Geschlechte. Petrus hatte einen altem Bruder Antonio , und fünf Schwestern. Er besuchte die Universität Huesca in Aragonien, wo er in der Lernbegierde wie in der Frömmigkeit allen Andern voranleuchtete. Er erlangte die Würde ®*^**^ des Doctorats in der Philosophie , und wurde als Magister in den Hnesc» Wissenschaften erklärt. Später im Jahre 1468 wurde daselbst ein Aasschuss zum Zwecke einer Verbesserung der Statuten der Uni- versität erwählt. Arbuds war ein Mitglied dieser Commission.

Der grosse Cardinal Aegidius Albornoz hatte im Jahre 1363 das weltberühmte. „CoUegio maggiore di S. demente" in Bologna für "»* ^• stadirende Spanier vom Adel gegründet. Drei junge Aragonier sollten '**^°*' darin Freipläze haben. Aegidius Albornoz war selbst Chorherr in Saragossa gewesen. Darum -bestimmte er, dass das CoUegium der Canoniker daselbst zwei von diesen jungen Männern, der Erzbischof aber den dritten auszuwählen hätte. Der Erzbischof wählte den

26 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.

Petrus Arbues für seinen eben erledigten Plaz im CoIIegio von S. demente*), s^^ Am 11. März 1469 trat Petrus als^ Studirender der Theologie in

logna, das CoUegio Major ein. Mit besonderem Eifer verlegte er sich auf 1^^- das Studium der heiligen Schrift. Unter seinen Tugenden leuchtete die Demuth, der Gebetseifer, die Nächstenliebe, die Abtodtung n. a. hervor. Schon im Jahre 1471 lehrte er an der Universität zu Bologna die Moralphilosophie. Am 27. December 1473 erlangte er mit Aus- zeichnung die Würde eines Doctors in der Theologie. In so hoher Achtung stand er damals und später in Bologna, dass diese Stadt, um sein Andenken zu ehren, allen Convictoren des spanischen Collegiams von S. demente das Ehrenbürgerrecht von Bologna schenkte. Die Zöglinge des CoUegiums vollendeten gewohnlich erst nach acht Jahren den Lauf ihrer Studien daselbst. Petrus aber musste nach einem Aufenthalte von fünf einhalb Jahren nach Aragonien zurückkehren.

Er wurde am 30. September 1474 zum Ganonikus von Saragossa erwählt. Das Gapitel bestand aus Regulär - Chorherren. Dasselbe wurde erst im Jahre 1604 säcularisirt'). hmL ^" Folge dieser Wahl musste Petrus in den Orden des heiligen

Sara- Augustinus eintreten. Mit allem Eifer bereitete sich derselbe für den 'um' ^^^^^^^^ ^^ ^^^ Ordensstand vor. Nach zurückgelegter einjähriger Probezeit im Noviziate legte er am 9. Februar 1476 in der Cathedrale des heiligsten Erlösers die Gelübde in die Hände des P. Michael Ferrer ab, welcher damals Prior der Chorherren war. Erst nachher empfing er auch das heilige Sacrament der Priesterweihe, in einem Alter von etwa 35 Jahren. Bald zog er die Gläubigen durch seine ausgezeichnete Gabe der Bede an. Er predigte sowohl in der Cathedrale als in der Kirche S. Maria del PUar. Unermüdlich war er in dem Beichtstuhle« Seine Ihm wurde der Unterricht und die Leitunir der luncccn KJeriker über-

Thütiir- w D

keit. geben. Der Armen nahm er sich mit aller Hingebung an. Um ihnen dienen zu können, entsagte er allen Bequemlichkeiten des Lebens. Nebstdem war er der Seelenführer vieler nach Vollkommenheit streben- der Gläubigen.

'} Pineda, Catalogas illustrinm virorum, qai in inBigni Collegio Majori S. Cle- mentis Hispanorum Bononiae degentiam prodiere, Bononiae, 1624. OaHL Qiordani, Cenni storici deU* almo real Collegio Maggiore de' Nobili Spagnaoli in Bologna, Bol. 1834. Cenni storici deir almo collegio maggiore di San Clemente della nazione Spagnola in Bologna, das. 1855. {Adolf Wolf, Sapplementband za Gft, TUk- noT^s GeBchichte der schönen Literatur in Spanien, deutsoh v. N. H. Julius (Hamb. 1853), Leipzig, 1867, S. 37).

*) Pennotti, Historia tripartita totius Ordinis Clericomm Ganonicomm Regu- larium S. Augustini, lib. II, p. 31. Bonanni, Catalogus omnium Ordinom Religio* Borum, artic. 20. Blasoo de Lanuza, Bistoria . . , . de Aragon., t. II, L V. 6wp, 5.

Arbato Inquisitor. 27

Als es sich am die Heraasgabe eines neaen Missale bandelte, übergab Alfons von Aragonien , seit 14. Aagast 1478 Erzbiscbof von Saragossa, ihm die Leitang dieser Angelegenheit, zugleich mit den beiden gelehrten Canonikem Martin. Garcia und Juan Cebrian.

Am 4. Mai 1484 wurde Petrus, zugleich mit dem Dominikaner Caspar Juglar (oder Inglar) durch Torquemada als Inquisitor für Aragonien erwählt Diese Wahl beweist die grosse Auetoritat, deren bt wim er sich erfreute. Alle seine Bemühungen , dieses schwere Amt von ^^^ ' sich abzulehnen , blieben ohne Erfolg. Der neue Gerichtshof hatte seinen Siz bei der Cathedrale Ss. Salvador.

Den Gerichtshof bildeten, ausser den beiden Genannten, der Cano- nikus von Calahorra, Boderich Sanchez de Zua^o, femer Juan de An- chias, Petrus Jordan, Didacus Lopez von Calatayud, Juan de Exea und Raymund Mur, Fiscaladvocat '). Sie leisteten den Eid, ihren Pflichten nach besten Kräften nachzukommen. Dieses neue Amt hin- derte den Petrus Arbu&s nicht, alle seine frühem Obliegenheiten in vollstem Umfange zu erfüllen, und noch einen grossen Theil seiner Zeit dem Gebete zu widmen.

§. 12.

Am 19. September 1484 schwuren der Justicia major, der oberste Anfang Beamte des Königreichs Aragonien, Juan de la Na9a, und eine Anzahl i^^^i. Richter, Beamte und Deputirte in der Cathedrale, dass sie den katho- tionin lischen Glauben in jeder Weise schüzen und vertheidigen, dass sie auch die geheimen Häretiker zur Anzeige bringen würden. Durch seine Milde und Geduld, durch seine innigste Nächstenliebe gelang es dem Petrus Arbues, viele Irregangene auf den Weg der Wahrheit zurück- zufuhren. Einst sprach er mit solcher Kraft und solchem Eifer zu den Angeklagten, dass dieselben der Kraft seiner Worte nicht widerstehen konnten, dass die einen die Versöhnung mit der Kirche, andere die beilige Taufe verlangten, und die Aufrichtigkeit ihrer Bekehrung durch ihr späteres Leben bewiesen. Er verbot und unterdrückte die ge- heimen Zusammenkünfte der Häretiker.

Ob zu Lebzeiten des Arbuis Hinrichtungen von s. g. „neuen Christen^^, oder getauften Juden, stattgefunden haben, ist nicht klar. Es fehlt an bestimmten Zeugnissen der Zeitgenossen. Was Schrift- steller JOO oder löO Jahre später sagen, ist weniger glaubwürdig. Von Juan Sperandeo, einem der gedungenen Morder des Petrus, sagt

Arago- nien.

*) Ludoo, Paramo, De origine et progressu officli sanctne inquisitionis, Madr. 1598. pag. 180, 181.

28 Dreizehntes Bach. Erates Kapitel.

Parafno^)y er sei der Sohn des Salvator Sperandeo, eines Mannes aus der niedersten Classe, der damals wegen Olaubenssacben im Gefang- nisse sich befand, gewesen. Ans der Gefangenschaft aber kann man nicht auf die Hinrichtung schliessen.

Aus einer Stelle bei den Bollandisten') scheint dennoch hervor- zugehen^ dass er die Schwester eines seiner Morder, des Juan de La- badia, zum Tode, wahrscheinlich zum Tode durch das Feuer, verurtheilt habe, vielmehr mit dem CoUegium des Inquisitionsgerichts, verurtheilt habe. Die naheliegende Vermuthung ist, dass die Hinrichtung erfolgt sei. Aber bei keinem Gerichte wurden so viele Todesurtheile gefallt, und nicht vollzogen, als bei dem der Inquisition. Jedoch zugegeben, dass die Hinrichtung wirklich vollzogen wurde, so muss man beachten, dass bei solchen Entscheidungen Einhelligkeit der Stimmen erfordert wurde, und dass wir, weil wir die Anklagepunkte gegen die betreffende Person nicht kennen, nicht zu ihren Gunsten, aber auch nicht zu Un- gunsten des Gerichtes entscheiden dürfen, das sie verurtheilte ').

Paramo sagt nichts von Hinrichtungen. Sein Zeitgenosse Mariana, der in Toledo lebte, und die Quellen nicht anfuhrt, deren er sich bediente, scheint der Zeit nach der erste zu sein, der in unbe- stimmter Weise von einigen verhängten Todesstrafen redet*).

') Der zwar 114 Jahre spater schrieb, aber fßr dieses Capitel seines Werkes schäzbare Quellen hatte. Filius Salvatoris Sperandei, infimi hominis, qui pro fldei causis in vinculis costodiebatnr. Paramo p. 182. Cf. Acta Sanctor. t. V. Septembr., p. 733.: qni, teste Oraciano, in ejnsdem tribnnalis carceribus detinebator. (Joann. Qraciano y Salaverte schrieb erst im Jahre 1670, und diesem folgten die Bollandisten im Jahre 1755.)

^ Zum 17. Sept, welche sich anf das italienische Yitae Compendinm des Seligen, das um das Jahr 1664 erschien, berofen.

*) Acta Sanctor.* 1. c p. 733, 753. Joannes de Labadia quiqne eo majori odio beatum Inquisitorem perseqaebatar, qnod soror illiul^ non malto ante in sacri tribnnalis carcerem conjecta fuerat, et morte damnata, ut habet Vitae Compendium nr. 9. Joannes de Labadia, ex odio, quo Beatum proseqnebator ob ignominiosam mortem, qua illius soror ab eodem trlbunali panlo ante damnata fuerat etc.

^) Juan Mariana, Historiae de rebus Hispaniae, Üb XX (Uteinisdi) Toleti, 1592, fol.; libri XXY, Toleti 1595. Historiae hispanicae appendix, libri 21 ad 30. Franeof- 1616. (libri XXX, Moguntiae 1605.) Dieses Werk spanisch: Toledo 1601» Madrid, 1608. Im Spanischen heiBSt es Hb. 25, cap. 8 von Arbute: y eonforme ä lo que hallaba, castigabä los culpados (und entsprechend dem, wie er es vorfand^ strafte er die Angeklagten.) Im Lateinischen heisst es (25, 8): Graviore facinore aliquante post civitas (Saragossa) universa turbata est. Petrus Arbuös qnaestiones in ea urbe de religione habere coeperat. NonnuUis irrogata supplicia pravos quosdam homines libertino e genere natos, sive libertatis specie, sive ex conscientia similia metuentes incitarunt, nt conjuratione multorum facta Inquisitoris capiti in- sidias struerent. Mariana druckt sich, vielleicht mit Absicht, unbestimmt ans; „irro- gata supplicia" sind noch nicht „sumta supplicia* verhSngte Todesstrafen sind noch nicht vollzogene.

Ob Hinrichtnogen stattgeAmden? Das Vorgehen des Arbo^ 29

In ähDlicfaer Weise spricht sich der kurze italienische Lebens- abriss des Heiligen vom Jahre 1664 (den die Bollandisten mittheilen) ^), aas. Dieses „korze Leben" sagt: ,p[He Todesstrafe Weniger erschütterte die Gemüther Vieler. Diejenigen, welche unter dem Scheine des christlichen Glaubens den jüdischen fSsdschen Glauben verhüllten, wurden durch die genaue Untersuchung erschreckt, von der sie horten, dass dieselbe gegen ihre geheimen Sacrilegien angestellt werde').

§. 12.

Das Kapitel in der ,,kritischen Geschichte der spanischen Inqui- sition TOD «7. A. IZorerUe^ enthält fünf Artikel über den heiligen Petrus Arbu^s, in welchen A. Uorente in Erdichtungen weniger Grosses bietet, als in den übrigen Theilen seines Werkes'.)

Er sagt also, dass die Inquisitoren Arbuds und Juglar (welcher am Ende des Januar 1485 gestorben war) einige ,,neue Christen'^ als jodaisirende Häretiker verurtheilt, „und es ist sicher, nach den Original- J** ^" Processen, welche ich zu Saragossa in dem Jahre 1813 gesehen habe, a. i486 dass sie in den Monaten des Mai und Juni (1484? 1486?) einige oflFent- ™^**" liehe und feierliche Autodafe's hielten, und dass sie dem weltlichen «uttfui- Gerichte unglückliche Angeklagte übergaben, die verbrannt wurden^^^). ^^^

*} Cf. die Boüandisteii unter dem Titel: Vitae eompendiom * oder Vita brevis. Ex relatione Italica Bomae impressa, 1. c. p. 752—754.

*) Paucorum aupplicium müUarum mentes perenssit, qnique ChristiaDae religionis ementita specie Hebraieam perfidiam velabant, coepemnt percelli aceurata indagatione, qua m oocolta sna saorilegia inquiri audiebaat 1. c. p. 7ö3. Man mott aber beachten, daas ein Italiener, der um das Jalir 1664 schrieb, weniger sicherer Gewährsmann ist

Die Worte bei Ifartana; Nonnnllis irrogata snpplioia, und in der Vita brevis: Paaeonun supplicium sind so gleiclilaatend, dass ich vermnthe, leztere Worte seien denen des Mariana nachgebildet, so dass der eigenüiohe Gewährsmann Mariana wäre. (S. über eine andere Stelle einer in Bom erschienenen »Vita** unten bei der .Zahl der Opfer der Inquisition."*)

*) Ich dtire nach der (ersten) französischen Ausgabe dieses Werkes in vier Banden: Histoire critiqne de 1' Inquisition d*Espagne, par J. Änt LlarenUy Paris 1817—1818. touL I, p. 185—210. () Etablissement de T Inquisition moderne dans r Aragon. Erneutes k Sarragosse. 2) Assassinat commis sur la persofie du premier biquisiteur d' Aragon. Bistoire de la B^tification du premier Inquisiteur d' Aragon. Ponition des Assassins comme sospects d'hörteie. Von Llorente nehme ich die Weise: Arbnte zu schreiben an, da er ein gebomer Aragonier war, und zu Sara- gossa studirt hatte. (J. HefeUj Der Cardinal Ximenes etc., 1851 „Llorente^s Person, Charakter, geringe Glaubwürdigkeit, Entstellungen, Unzuverlässigkeit'', 8. 330—349.)

*) Us condamn^nt quelques nouveaux chrötiens comme hörötiques jndal&ans, ils livrirait k la justtee s^nliöre de malheureux accusös, qui furent brulte. Uorente, I, p. 188.

so Dreizehotes Buch. Grates Kapitel.

Warum hat denn Liarente^ der so viele Processakien abge- schrieben, gerade von diesen keine Abschrift genommen? Seiner blossen Versicherung, sie gesehen zu haben, können wir um so weniger glauben, als er gleich darauf ohne irgend einen Beweis beifugt, dass das in Castilien errichtete Tribunal nur in drei Jahren, unter der Lieitung von Mönchen und fanatischen Priestern, Tausende von Opfern ge- schlachtet habe^). Aber auch er redet nur von einigen Opfern der Inquisition unter Arbute.

Der neueste Biograph des Heiligen, CUua. Cozza^y schweigt über diesen Gegenstand, ebenso handelt der Erläuterer zu W. Katd- bach's Bilde „Arbute^^ nicht von der Zahl der Opfer des Arbues, sondern nur von seinem strengen Vorgehen'), Aber ein „namhafter Gelehrter in Franken'^ ^) hat entdeckt, dass in der Provinz Aragonien 2000, in der Stadt Sevilla allein von 1 185— 1520 4000 Menschen ver- brannt worden seien, und beruft sich dabei auf Faramo (S. 189). Dieser aber redet gar nicht von der Zahl der in Saragossa Hingerich- teten. Er nennt den Arbuis einen heiligen Märtyrer, kann also un- möglich sagen, dass den Verschwornen in Saragossa kein anderes Mittel übriggeblieben, als ihn zu ermorden. Wie „der Arbu^s^^ in dem Bilde Kaulbach* s^ so sind diese 2000 Schlachtopfer eine reine Erdichtung.

Damach kommen wir zu dem Ergebnisse: Es scheint sicher, dass vor dem Tode des Arbues eine Person zum Tode verurtheilt, eine andere von der Inquisition gefänglich eingezogen wurde. Es kann nicht bewiesen werden, aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass zu Lebzeiten des Arbues einige wenige Personen hingerichtet worden. Von da bis zu 2000 Schlachtopfem, und Entvölkerung von Gegenden ist ein weiter Weg.

Dass Arbu&s einer Hinrichtung persönlich angewohnt^ oder sich mit Plünderung der Güter der Schlachtopfer beschäftigt habe (wie Kaulha^h gemeint zu haben scheint), zu einer solchen Meinung oder Behauptung ist nirgends ein Grund zu finden.

§. 14.

Man hat einen andern Weg eingeschlagen, um den Beweis zu fiihren, dass Petrus Arbu&s mit grosser Grausamkeit gegen die „Judaisten^'

') Avait dej& immolö des milliers de victimes. «) Roma, 1867.

') Münoheo, Ackermann, 1870 (Der anonyme VerfaBser nennt sich später Ferd Zimgihl). S. 25—42.

«) AUgem. Zeitg. v. 6. Ifai 1867.

Zengnisfle über den heiligen Petrus Arbnte« 31

Totgängen sei. Man hat sich auf einzelne Ansdrncke der Geschicht- schreiber Aragonien's, Hieron. Zurita, Hieron. Biancas^ Vinzenz BUisco de Lanuza über Arbnös berufen, und darin einen Tadel seines Vorfifehens befanden. Diese Schriftsteller lebten mehr als 100 Jahre ^^»^^^'

gehen

nadi Arbuto, sie waren die grossten Lobredner der Inquisitionf, undde«heii des Arbute insbesonders. Vinc. Bltzeco de Lanuza hat zudem sein ^'^«^* Leben in Versen beschrieben oder besungen *). Also müssen ihre Aus- drücke über ihn anders verstanden werden. Hier, de Bianca sagt von diesem und seinem Mitinquisitor Juglar : ,,Es waren zwei ausgezeichnete und vortreffliche Männer.'^ Von Arbues sagt er noch besonders: „Er war ein gerechter, ja der beste Mann, begabt mit der seltensten (sin- gnlari) Güte und Bescheidenheit, besonders gebildet in der heiligen Wissenschaft und in der Lehre ^). Petrus habe, nach Einfahrung der Inquisition, ,,mit grossem Eifer sich gegen die Juden, L e. Judaisten, gewendet'^ Darum traf ihn auch der bitterste Hass der Juden. „Sie selbst, vom bösen Gewissen ihrer Uebelthaten getrieben, erwarteten mit grosser Angst, wohin das neue gegen sie eröffnete Gericht fuhren würde"*).

Er sagt femer von ihm, dasp er taglich Gericht hielt, und zwar mit Fleiss, Klugheit und Aufmerksamkeit. In diesem Zeugnisse liegt sicher niclits Tadelnswerthes. Zwei lateinische Ausdrücke^), die man missverstehen konnte, haben den Sinn: Arbuto war ein sehr eifriger Verwalter seines Amtes.

Diese beiden Ausdrücke bedeuten nach dem Zusammenhange, in welchem sie vorkommen, bald *ein grosses Lob, bald einen grossen TadeL . Man sehe ein Lexicon latinitatis, etwa das von Gesner, nach, and man findet bei Cicero Stellen genug, wo „vehementer^^ gar keinen Tadel in sich schliesst; z. B. admirari vehementer Cicero ^ Academ. 4j 63. Orat. Philippic 8, 16, cp. 5: Vehementer me agere fateor, iracunde, nego. Also wird hier Heftigkeit von Erzürntheit unterschieden, ,,grausam'^ bedeutet das Wort nie. Marinaeus 8ic%dus, des Ar- bues Zeitgenosse, nennt den heiligen Vinzenz Ferrer einen: orator Tehemenfi (et eloquentia maxima polieret), nicht einen hizigen, son- dern einen gewaltigen Redner (ap. Schott, Hisp« ill«, t. I, p. 482).

0 SaragOBsa, 1623.

*) Aragonensiiun renun Commentarii Sarag. 1588. Dann in t. III der HiaiHuila {Uustrata, ed. Schott : Faemnt egregii duo et praestantes viri. Petrus vir qnidem justos et optimiis, siDgnlari bonitate et modestia praeditus, inprimisque aKris literls excnltus et doctrina.

*) Hieron, Biancas^ Aragonensiam remm Commentarii ab anno 704 ad annom 1588. Zaragosa 1588, abgedruckt apud Ändr. Schott, Hispaniae illnstratae, 4 vol. - Fnmkliirt, 1603—1606, t IH, p. 706.

*) aoerrunna and vehementer invehi.

Die

32 Dreizehntes Boch. Erstes K&pitel.

Bei dem Worte: acer (acerrimus) aber steht bei J. Matth, Qesner, (Novae linquae latinae Thesaurus, 1749) die ganz richtige Erklärung: pro forti ac vehementi magnoque gradu cujusque qualitatis accipitiir (z. B. acerrimus defensor veritatis).

Wenn der Historiker Lanuza (Vimenz Laaco de L.) gesagt hat: ,,Die8er Knecht Gottes (Ärbues) verfolgte die Häretiker und im Glauben Verdächtigen mit grossem Eifer, und es gelang ihm, diese Stadt and das Reich von allem Unkraute und allem üblen Wesen, das sich darin befand, zu reinigen" so ist darin gewiss kein Tadel ausgesprochen. Die Erfolge aber, welche Ärbuds in so kurzer Zeit erreicht haben sollte, sind offenbar übertrieben^).

So ergibt sich denn, dass keiner der spanischen Schriftsteller sich tadelnd oder anklagend gegen die Art und Weise des Vorgehens des zen en ^^^'^^^ Pctrus ausspricht, wcdcr Paramo, noch Mariana, oder Zwrita, einig in Viuc* Blosco de Lanuza oder Hieron. de Biancas^ vielmehr sind sie ']^e^ einig in seinem Lobe, selbst Lhrente weiss nichts Stichhaltiges gegen ihn vorzubringen. Die Urheber seines Mordes wollten sich auch nicht an ihm wegen des Vergangenen rächen, sondern sie wollten die Be- amten der Inquisition einschüchtern, und dieselben von weitern Massregeln abschrecken.

Die „neuen Ghristen^^ hatten es dahingebracht, dass die Stände des Reichs den Petrus Miguel, den Prior des Klosters der Augustiner zu Saragossa, und den Petrus a Luna, Doctor des Civilrechts, an den König, der zu Cordova weilte, sandten, um ihn zu der Zurücknahme der Privilegien der Inquisition zu vermögen. Sie beschwerten sich be- sonders darüber, dass das Vermögen der Verurtheilten eingezogen, und den Angeklagten die Zeugen gegen sie nicht mitgetheilt werden sollten, als entgegen den Gesezen von Aragonien. Sie ho£^n besonders die Massregel der Einziehung der Güter rückgängig zu machen. Neben den zwei ofEciellen Deputirten hatten sich viele „neue Christen^^ nach Cor- dova begeben; sie versuchten es auf alle Weise, besonders indem sie dem König und der Königin grosse Tonnen Geldes anboten, ihren Zweck zu erreichen. Es gelang nicht. Sie hielten inzwischen verschiedene geheime Versammlungen, an denen auch einige Bitter Theil nahmen. Hier beschlossen sie den Mord der Inquisitoren, wenn es nicht ge- länge, das Joch der Inquisition auf einem andern Wege abzuschütteln. Sie beschlossen also, den Petrus Arbues, den Martinus de la

Chris. Baga, Assessor bei der Inquisition, und den Petrus Frances, Deputirten tan''be-(}^g Königreichs, durch Meuchelmord aus dem Wege zu räumen. Sie sen sei- suchteu uach Werkzeugen zur Vollbringung des Mordes. Sie

nen Hord.

') Aehnlich spricht sich 2jurita Qber die Thätigkeit des Axbuös ans, Anales de Aragon, t IV, p. 341, 342.

VerschwOrnng gegen P. Arbnös 33

besteaerten sich selbst, und brachten eine bedeutende Summe Geldes zu- sammen, um die Morder ,^abzulohnen^S Sie hofften, dass nach Voll- bringang des Mordes Niemand mehr ein Amt bei der Inquisition übernehmen, und der Konig selbst aus Furcht vor einem Aufstande in Aragonien die Inquisition fallen lassen würde«

Die Verschworenen legten auf alle Aragonier von judischer Ab- kanfl eine Steuer. Es ist erwiesen^), dass Don Blasco von Alagon, Herr von Sastago, 10.000 Realen in Empfang genommen, das Ergcb- niss dieser Besteuerung, bestimmt, die Morder des Magisters Epila zn besolden').

Nicht bloss die „neuen Christen^' in Saragossa trugen zn dieser Samme bei. In einem Urtheilsspruche gegen einen Juan Perez aus Calatayud vom 13. November 1489, gebürtig aus Ariza, wird gesagt, dass derselbe mit den „neuen Christen^^ der Stadt Calatayud zu den Kosten des Meuchelmordes beigesteuert habe. In dem Processe des Juan Pedro Sanchez, der am 30. Juni 1486 „im Bilde^^ verbrannt wurde, ist bewiesen, dass er Urheber der Verschworung gegen Arbues gewesen, und dass er 500 Gulden in Händen hatte, um die Meuchel- mörder zu bezahlen.

Der schon erwähnte Juan de Abadia, von mütterlicher Seite her ans jüdischem Geschlechte, übernahm den Auftrag, die Ausführung des ^^^ e«- Mordes zu leiten. Die eigentliche Vollbringung des Verbrechens wurde ^"n* dem erwähnten Juan de Sperandeo , seinem Hausgenossen Vidal de vorder. Uranso, aus der Gascogne, auch der „Franzose^^ genannt, dem Matthäus llam, Tristan de Leonis, Anton. Gran, und Bernard. Leofante über- tragen^. Nach Gius. Cozza wurden Juan de Labadia für seinen Antheil 100 Gulden versprochen. Er war ein Mann, der in der Schule des Verbrechens gross geworden. Derselbe erscheint überall als Vor- mann der gedungenen Mörder, obgleich er selbst den Mord nicht vollbrachte.

Die Morder suchten lange vergebens nach einer Gelegenheit, ihrea Plan auszufahren. Sie wollten eines Tages sich auf den Assessor Martin de la Raga stürzen, und ihn in den Fluss Ebro werfen. Sie mussten aber von ihrem Plane ablassen, weil er eben mit dem Gober- oador Lope Ximenes de Urrea, und mit Philipp de Castro zusammen- getroffen war.

') Naeh den Prozessen gegen Sancho de Patemoy, Jnan de Abadia, n. a., ^e zo Saragossa verortheilt wurden. ^

') LloTenie, 11 est ^ en effet proavö, qae D. Blasco d' Alagon, seigncur de ^^Btago, avait re^n dix mille reanx, provenans de cette contribution, destinöe k B^er les assassins du Maitre Epila. Bd. I, p. 190.

0 Diese Namen stehen gleichmässig bei Paramo, p. 182; Lhrente, 1, p. 190> 191; 6iu9. Cozza. p. 88 u. a.

OtDi, fptn. KiKlM. lU. 2. 3

34 Dreizehntes Bach. Erstes Kapitel.

Ihre Vergebens wurde Arbu^s wiederholt gewarnt und gebeten, dass

Bchiede. er för die Erhaltung seines Lebens Sorge tragen möge. Er überliess

iionvor- 2Üles der Leitung Gottes, und unterliess nichts von allem was er bisher

gethan. Die Morder waren öfters in die Kirche S. Engracia und

S. Maria del Portillo gekommen, um ihren Plan auszufuhren. Sie

schlichen sich in einer Nacht in das Haus, in welchem Petrus wohnte.

Es war die Wohnung der Canoniker, welche an die Cathedrale an-

stiess. Durch das Geräusch, das sie verursachten, indem sie bei den

.Fenstern einsteigen wollten, wurden sie von dem Dienstpersonale

entdeckt , und mussten sich entfernen. Um in die Cathedrale zu |

gelangen, durfte Petrus nicht in das Freie heraustreten.

Die Morder sahen sich also veranlasst, oder gezwungen , ihren ;

Plan in der Kirche selbst auszufuhren. Sie schlichen sich während !

I

der Nacht ein, zu der Stunde, in welcher Petrus zur Absingung der 1 Psalmen der Matutin in die Cathedrale zu kommen pflegte. Li der ersten Nacht entdeckten sie ihn nicht. In der kommenden Nacht | stellten sie sich bei den Pforten der Kirche auf. Sie wussten, dassi Petrus , bevor er in den Chor trat , an einer einsamen Stelle in der Kirche bete. Die einen traten durch das grossere Thor in die Kirche ! ein, die andern durch eine Seitenthüre, genannt „Prevostia", und ver- steckten sich hinter den Säulen und Mauern. Es war in der Mitter- ueber- nacht vom 14. auf den 15. September 1485. Petrus trat mit einer Ermord- Laterne in die Kirche ein. Er näherte sich einem Altare, und kniete nng des an der untersten Stufe auf der Epistelseite nieder, um in der Stille zu I ligen. beten. Während der Chorgesang schon begonnen hatte, stürzten 8ich| die Mörder auf ihr ausersehenes Opfer. Der Gascogner Vidal brachte | dem Heiligen eine todtliche Wunde am Halse bei, Sperandeo aber! durchbohrte seinen Arm und seine Seite. Voll Ergebung und Sanfl- muth sprach der Heilige: „Gepriesen sei Jesus, denn ich sterbe für den heiligen Glauben'^^ und so sprechend fiel er zu Boden. Sperandeo holte zu einem dritten Stosse gegen das Haupt des Heiligen aus. Als 1 er aber den Vidal fliehen und den Heiligen in seinem Blute liegen 1 sah, hielt er ihn fiir todt, und ergriff die Flucht. Im Chore saugen | sie eben den Vers: Quadraginta annis proximus fui generationi huic' 40 Jahre lang war ich ganz nahe diesem Volk (der Juden).

So lange Petrus noch lebte, hörte man aus seinem Munde nichts! anderes, als Worte zum Lobe Jesu Christi und der seligsten Jungfrau. I Er wurde in seine Wohnung gebracht, und konnte noch bei vollem Petrus Bewusstsein die heiligen Sacramente empfangen. In diesem Zustande i liger. lebte er noch zwei Tage, stets betend und gottergeben. Wiederholt I sprach er, dass er allen seinen Feinden von Herzen vergeben habe.| Als der Arzt ihm die Nähe seines Todes ankündigte, sprach er:! Laetatus sum super his, quae dicta sunt mihi; in domum domini

Das Volk gegen dio Mörder. Die VorgSoge nach dem Morde. 35

ibimns; icb frene mich über dfts, was mir gesagt worden; wir werden in das Haus des Herrn eingehen. Er sprach noch aus die hei]i<;eii Namen Jesus und Maria und sanft athmcte er aus im Kusse des Herrn. Er starb am 17. September des Jahres 1485, in einem Alter TOD etwa 43 Jahren^).

Als ein Heiliger hatte er gelebt, er starb wie ein Heiliger.

§. 15.

Auf die schreckliche Kunde von der todtlichen Verwundung des ^<^ Heiligen in der Cathedrale erhob sich das Volk von Saragossa, um gen du seine Morder aufzusuchen. Alfons von Aragon, Erzbischof ^ 2u- >'^'^<''- gleich Viceköuig des Reiches, trat dem Volke entgegen. Er erfreute sich der allgemeinen Hochachtung, besonders wegen seiner seltenen Nächstenliebe. Er versuchte alle Mittel, um den drohenden Ausbruch des Aufstandes zu verhindern« Er versammelte um sich die Minister des Königreichs, einerseits um die Schuldigen zur Strafe zu ziehen, anderseits um die Bewegung des Volkes niederzuhalten*). Er stieg 20 Pferde, und ritt, begleitet von seinem Hofe, durch die Strassen der Stadt, und redete die Volksmassen mit sanften Worten an. Es gelang ihm, der Bewegung Herr zu werden.

Der Leib des Märtyrers Petrus wurde mit grosster Feierlichkeit beigesetzt. Die Verschwomen aber hatten den weitern Plan, den Canonikus Martin. Garcia, den innigsten Freund des P. Arbues, zu ermorden, welcher Plan durch energische Maassregeln des Domcapitels ^^ vereitelt wurde*). Sowohl der Erzbischof als das Capitel erstatteten '^«m über diese Ereignisse Bericht an Papst Innocenz VIIl. Der Archi- ^^^^^ diakon Petras Olivar aber wurde zur Berichterstattung an die „Konige^^ ^^ abgesandt.

Zehn Tage nach dem Tode des Heiligen richteten die Deputirten ^^^ ^^' des Königreichs ein Schreiben an Konig Ferdinand, das uns seinem ^\on^° Wortlaute nach erhalten ist^. Die Stände sagen, dass einige diabolische Aragon und nngläubige Menschen zwei Dolchstösse^) gegen P. Arbuös aus- Kunig. gelahrt, den einen am Halse, den andern am Arme, während derselbe der Cathedrale gebetet habe, an deren Folgen er gestorben sei. Die Glocken seien geläutet worden, grosse Volksschaaren haben die Waffen

*} Qiu8. Cotuta, l c. p. 93—106.

^ Zuriia, AniJes de Aragon, L XX, cap. 49; 65.

*) Lcmuza, Vinoeat., de vita, morte et miracnlis Petri Arbuesii, Saragoss. 1G23, Üb. V, cap. 16.

*y Bei Joaquin Tomeo y Benedido, Zaragoza, su historia, deBcripcioa, glorias y tndiciones, Tom. I, Zarag. 1859, p. 446, 447.

*) Cucbilladas.

5*

36 Dreizehntes Bach. Erstes Kapitel.

ergriffen, um sich auf die Judeu und Mauren zu stürzen ^). Der £rz- bischof besonders habe diess verhindert, unterstüzt von den Edlen, Lopez Ximenez, Phelip. de Castro, und Blasco de Alagon^, zugleich mit vielen andern. Die Stadt habe sich beruhigt. Alles erwarte die strengste und genaueste Untersuchung gegen die Anstifter und Urheber der Missethat, wofür die Maassregeln ergriffen seien. Die Stadt biete 500 Gulden denen, welche sie entdecken würden^). Die Richter haben zur Entdeckung der Verbrecher in das Ausland geschrieben. „Es ist Absicht und Wille Aller, sie mit aller Schärfe (auf das grausamste) zu verfolgen und zu strafen, wenn es überhaupt gegen solche Misse- thäter noch eine Grausamkeit gäbe^). Das Reich und die Stadt wolle alle daraus erwachsenden Ausgaben und Mühen gerne tragen. Diese Anzeige erfolge so spät, weil die Stände geglaubt, dass der Erzbischof und die Stadt ihnen hierin vorangehen werden. „Möge es der gött- lichen Majestät gefallen, diess Verbrechen an das Licht zu ziehen, möge zur Warnung und Strafe für andere an den Schuldigen eine solche Execution vollbracht werden, dass sie dem Könige zu einiger Genug- thuung gereiche/' Demüthig bitten sie den Konig, seine Augen gnädig auf dieses Königreich zu richten, das, erschüttert genug, auf dem Wege des Unterganges sei, wenn der Konig nicht Kettung schaffe. So schreiben von Zaragoza am 26. September 1485 die Deputirten des Königreichs Aragonien. Ihre Sprache zeigt, dass sie den Zorn des Königs fürchteten.

Die Untersuchung nahm, wie natürlich, lange Zeit in Ansprach.

Die Inquisition selbst aber hatte durch diese Ereignisse die festesten

Wurzeln in dem Königreiche Axagonien gefasst Jezt war keine Rede

mehr von ihrer Abschaffung oder Milderung des Verfieihrens. Die

überschwänglichen Lobsprüche, in denen sich u. a. Hieron. Zvrita und

andere über sie ergehen, sind, falls sie ganz objectiv und aufrichtig

schreiben, eine beredte Apologie derselben. Zu leugnen aber ist nicht,

dass die alten Cortes und Freiheiten des Reichs mehr und mehr in

die Defensive gedrängt wurden.

Doen- Kur uoch zwci Documente über die nächste Zeit nach dem Morde

T"jÜ^e haben sich (nach Joaq. Tomeo) erhalten. Ein öffentliches Ausschreiben,

i486, ein Bando erging im Juli i486. Darin wurde erklärt, dass als Eezer,

■} Se armaron infinitas gentes ^ toda aquella gente, que staba armada, fablaba de matar e robar d'has gentes, ö & mescla la juderia ö moreria.

') Sollte diess derselbe Blasco sein, der das Depositum der 10.000 Realen hütete? Dieser hatte allerdiogs allen Grund, seine Freunde vor der VolksjaBtis zn scbüzen.

') Ofifrecimientos de ein cientos florines & qaien lo descubriese.

*) Intencion y volnntat de todos, persegair e castigarlo crudelisimement, si res cruel se pnede pensar contra tales delinquientes.

Die Vorgänge Im Jahre 1186. Verehrung des F. Arbuös. 37

rnckfallige Jaden (jadaizantes) und Mitschuldige an dem Morde des P. Arbnes verurtheilt worden seien: Juan de Pero Sanchez, micer Juan de Santangel; mosen Pero Manyos, micer Pedro MoiBPort, Pedro de Vera y Garcia de Moros, beide Notarien, und sehr viele Personen von Tcrschiedenen Geschlechtern und Standen, vrelchc sich in den Schuz einiger (neuen?) Christen, ihrer Mitschuldigen und Genossen, begeben hätten. Ausser der gewohnlichen Amnestie wurden denjenigen, welche sie ausliefern würden, die Guter der Ergriffenen versprochen'). Diese worden also im Jahre 1486 zunächst in contumaciam verurtheilt. Ob sie ausgeliefert oder entdeckt wurden, wird nicht gesagt*).

Bei Joaq. Tomeo finden wir noch ein anderes Aktenstück. Es ist ein Auszug aus dem Buche der Contos (Cuentas) der Cathedrale aus dem Jahre 1486. Der unbekannte Buchführer schreibt: „Item warde mir am 13. Juli aufgetragen , einen Anschlag für das kleine Holz der Schaffotte zu machen, als man den Vidal, den Franzosen, und den Sperandeo, Mörder des Maestre Epila aburtheilte. In Accord übernahmen es Cabanyas und ein anderer Geselle; ich gab ihnen l Sueldo (Sou), 6 Heller'). Darnach wurden die beiden Mörder wohl mit einander hingerichtet.

§. 16.

Bald nach seinem Tode errichtete man dem P. Arbufes ein pracht- i>onk-^ volles Monument, in welchem sein Leib am 8. December 1487 bei- p. Ar- gesezt wurde. Die Inschrift wurde eingegraben: „Wer ist es, der in**"^« '" diesem Grabe ruht? Ein anderer felsenfester Mann ist es, dessen Tugend alle Juden von hinnen treibt Denn der Priester Petrus ist der sehr feste Fels, auf welchem Gott sein Werk gegründet hat. Glückliches Saragossa! freue dich, an dieser Stätte den beigesezt zu sehen, welcher ist der Kahm der Märtyrer. Fliehet rückwärts von hier, fliehet schnelle, ihr Juden. Denn der kostbare Stein, der Hyacinth, vertreibt die Pest*).

') Maehiaimas personas de distintos sexos y clases, que se ampararon de algQDoa (naevos?) cristianos, cömplices y. companeros suyös. Admäs de las indul- gesciaa de costambre, prom^tese en esto bando al que los entregue los biencs del preao.

') Ebenso kOnnte die Schwester des J. Labadia zwar zum Tode verartheilt, ftber doch nicht hingerichtet worden sein.

') libro de cuentas de 1486. Item k 13 de Jolio me fuä mandado ficicse pQyar h fiista de los cadaholsos de cuando sentenciaron ä Vidan, franci^s, y a SperaodeOy homicida (as?) de maestre Epila: puyäronla Cabanyas y un otro peon; ^iles 1 sneldo, 6 dineros. Archiv de la Cathedral. 1. c. p. 448.

*) Qitis jaoet hoc tumulo? Alter fortissimus lapis, qui arcetvirtnte cunctos a Be Jadaeofl. Est eoim Petras sacer firmissima petra supra quam Dens edificavit opus:

38 Dreizehntes Burh. Erstes Kfipitel.

Ferdinand und Isabella Hessen dem Arbuis eine Statae von Stein errichten, mit der Inschrift: ,,Der ehrwürdige Magister Petras von Epila, Canonikus an dieser Cathedrale, wurde, während er nach seiner Pflicht standhaft gegen die Häretiker inquirirte, hier, wo er begraben ist, von denselben durchbohrt am 15. September 1485'). Auf Be- fehl Ferdinand's nnd Isabella's, der Regenten „in beiden Spanien^' (?). Ein Basrelief unten an der Statae stellte einen Theil des Ereignisses dar. In der Kapelle, yrelche den Namen des Heiligen erhielt, war an der Seite seines Grabes eine andere Inschrift: „Dieselbe Konigin Elisabeth von Spanien hat, zum beständigen Beweise ihrer frommen ' Verehrung, dem Confessor (vielmehr aber dem Märtyrer) auf ihre Kosten diess Denkmal errichten lassen^^').

In dem Processe der Seligsprechung des Petrus wird ein doppeltes

Wunder hervorgehoben, welches sich bald nach dem Tode desselben

Wander ereignete. Damach trat am 17. und 29. September 1485, genau an

*" •®'" der Stelle, an welcher Petrus ermordet worden , das inzwischen ver- nein ' '

Grabe, schwundcue Blut wieder hervor. Es war während der Vesper, als der Psalm gesungen wurde: Dens laudem meam ne lacueris. Der Notar Petrus Lalueza nahm desswegen ein doppeltes Protokoll auf. Das Protokoll ist unterschrieben von sieben und drei Zeugen. In dem Be- richte iür die Seligsprechung des Petrus lesen wir: Saragossa: An- gelegenheit des Dieners Gottes Petrus de Arbuös, genannt Magister Epila. „Auf den Bericht Seiner Eminenz des Herrn Cardinais Sacchetti in der Angelegenheit der Seligsprechung des Dieners Gottes, Petrus de Arbu^, hat die in Gegenwart seiner Heiligkeit Alexander YD. stattgefundene Versammlung der Gongregation der Riten erklärt, das Wunder des Wiederhervorfliessens und der Vermehrung des Blutes sei bewiesen, welches ein und ein zweitesmal am zweiten und zehnten Tage nach der Verwundung des Dieners Gottes aus dem Boden der Kirche hervorgetreten war. Am 17. Januar 1663').

Caesnr augasta, gande beata quae Martirum decus ibi sepultom habes. Fogite hinc retro, fugite cito Judaei. Nam fugat pretioBUB pestem hyaolnthas lapis.

*) Der Wortlaut der verschiedenen Inschriften Ist bei Llorente (I, S. 193) und bei Gius. Cozza (p. 120—140) keineswegs gleicblaatend, wenn auch im Ganzen der Sinn derselbe ist

') Llorente l, p. 193, 194. Nach Horente bezieht sich „die Verehrung" auf Arbnös, nach Cozxa (p. 140) auf Christus.

*) Sacra ritanm Gongregatio habita coram Sanctissimo censuit constare de miracnio eifervescentiae et mnltiplicationis sanguinis, qui semel atqne itenun secunda et daodecima (die?) post inflicta in Dei servam volnera e Uteritio Ecclesiae solo cniperat. Die 17 Januaril 1663. S. das doppelte Notariats-ProtokoU in Acta Sanctor. 1. c, p. 735—737. O. Cozza, p. 129—132; es steht auch bei Bzomtis, Annales ad annnm 1485 nr. XI, welcher dass. ans Hieron. Bianca Commentar. entnommen hat. Dagegen sagt Mariana: XXIV, 8 quo tempore fervere aangnis

Process der Seligsprechung, Die Verehrung des Heiligen. 39

§. 17.

Ea ist unbestreitbar, dass Petrus seit seinem Tode als Märtyrer und Heiliger verehrt wurde , wie der Process der Heiligsprechung nachweist. Weil viele Leidende und Kranke an seinem Grabe Heilung gefanden zu haben glaubten, strömte immer mehr Volk bei demselben zusammen. Zahlreiche Votivtafeln wurden in dankbarer Erinnerung an die durch seine Fürbitte erlangten gottlichen Wohlthaten an seinem Grabe angebracht. Nachdem die Cathcdrale wegen des in ihr voll- brachten Mordes ein Jahr lang unter dem Interdikte gestanden war, wurde am 28. September des Jahres 1486 das Gedächtniss des Hei- ligen mit grossem Glänze gefeiert. An diesem Tage ruhten die Ge- schäfte, wie am Feste eines Heiligen').

Im Jahre 1490 verheerte eine furchtbare Pest das Land, welche auch viele Bewohner Saragossa's hinwegrafile. Die Stadt nahm nun ihre Zuflucht zu der Fürbitte ihres Martyrer's bei Gott; die Pest hörte bald auf, während sie noch in den angrenzenden Landstrichen wuthete. Die Municipalbeamten der Stadt, Petrus Torelas, Lorenzo Molon und Albert von Oriola , beriefen eine Versammlung') Sie beschlossen, den Märtyrer als ihren besondem Patron anzurufen. Eine silberne Lampe, im Gewicht von 50 Unzen, sollte an dem Grabe des Heiligen ^" leachten. Der Quaestor der Stadt sollte dafar sorgen, dass auf deren Licht an Kosten das Licht dieser Lampe am Tage wie in- der Nacht nie er- ««*"«" lösche. So wurde es gehalten, und so ausgesprochen, dass die Stadt itn als Heiligen verehre*).

Im Jahre 1548 hiengen an dem Grabe des Heiligen schon sechs silberne Lampen, und zahlreiche Weihgeschenke. Sein Fest wurde am 15. (später am 17.) September so feierlich, wie das der Märtyrer Valerius und Vincentius begangen. Im Jahre 1535 (nach andern 1539) legte Kaiser Karl V. dem Papste Paul HI. die Bitte vor, der Process der Heiligsprechung möchte eingeleitet werden. Philipp HI. und Philipp IV. wiederholten in den Jahren 1614 und 1622 dieselbe Bitte.

^QB est, niü ocnlomm ludibria fuemnt, und Joaq, Tomeo sagt im Jahre 1859: ^ este prodigio tan decantado ni el menor rastro ni Inz ha hallado el aator apesar de BUS escmptüosas investigaciones (was freilich nichts dagegen beweist). i. c - P- 446.

*) Der Geriditshof des Königreichs hatte an diesem Tage seine Sizuogen ein- gestellt Cozea, p. 138 ans den „Prooessi** der Heiligsprechung, fol. 1011.

*) S. ProcesBi, fol. 72.

*) Marione^ XXV, 8. Deereto Senates aliquante post addita lampas sepulcro: ^Qud nisi consecratis hominibus, coeloqne dicatis non datur. « Acta Sanctor., P. "m. - Cozza, p. U6.

40 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.

Es worden nun sehr lange Untersuchungen und Verhandlungen seii^- geführt, deren Ergebniss die Seligsprechung des Petrus im Jahre 1664 u'i^g, ^^''^'■- Unter den zahlreichen Wundern, welche auf die Fürbitte des i6i>4. Heiligen geschahen, wurden gemäss der hierin bestehenden Gewohnheit 12 besonders geprüft« Die Congregation erklärte, dass das der Zahl nach dritte und sechste Wunder besonders beglaubigt seien. Nach dem dritten wurde Maria de Ciria auf die Anrufung des Heiligen plözlich von einer bleibenden Verrenkung des Gesichtes geheilt. Nach dem sechsten wurde Elisabeth von Andreas plözlich von dem Krebse im Munde geheilt'). Wegen dieser und anderer Wunder, im Hinblick auf das Leben , die Tugenden und den Martyrtod des Petrus (auch des Wunders der Aufwallung und Vermehrung seines Blutes), erklärte die Congregation am 23. September 1663, man könne ohne Bedenken zu der feierlichen Heiligsprechung des Petrus Arbuös als eines Mär- tyrers vorschreiten, da die Zeichen und Wunder erwiesen seien ^). Da^u kam, dass Petrus seit seinem Tode als Märtyrer beständig ver- ehrt wurde'). Am 17. April 1664 erliess Papst Alexander VII. das Brevc der Seligsprechung des Petrus Arbues*). Er erklärt, dass er den Bitten des Königs, der Inquisitoren, des Domkapitels und der Geistlichkeit von Saragossa, der Juraten und des ganzen Volks mit diesem Decrete nachgebe. Nach dem Rathe und dem einstimmigen Gutachten der Cardinäle der Congregation der Riten erlaubt er, dass der Diener Gottes, Petrus Arbu^s, in Zukunft mit dem Ehrennamen eines Seligen (Beati) bezeichnet, dass sein Leib und seine Reliquien zur Verehrung der Gläubigen ausgestellt (nicht aber, in Processionen getragen) werden dürfen. Am 17. September dürfe jährlich sein Fest mit dem Officium und der Messe eines Märtyrers begangen werden^), in der Cathedrale von Saragossa, in den Kbrchen, die speciell der In- quisition in Spanien unterstehen, in der Pfarrkirche zu EpUa, in der Kirche der Aragonier von Monserrat zu Roml Am 20. April 1664 wurde das Fest der Seligsprechung in der Vaticanischen Basilica mit grosser Pracht begangen.

Von da an ruhete die Angelegenheit zwei Jahrhunderte, vom Jahre 1664 bis zum Jahre 1864. Der Erzbischof Garcia Gil von Saragossa? Dominikaner, (Cardinal seit 12. März 1877), richtete mit seinem Capitel

') Instantanea sanatio Mariae de Ciria ab ore torvo. (EUsabethae) ab nlcere cancri in ore.

') attento, quod agitur de Martyre cum prodigiis et miraculis approbatis.

') D. h. der caltos immemorialis (oder die beständige Verehrang); cooslare dicto Servo Dei cultam exhibitum ^fuiBse et ad praeseos exhiberi. Decrete vom 23. Malt. 1662, 12. Dec. 1661, 17. Januar 1663, 15. Sept 1663, 19. Hart. 1664.

*) Es steht u. a. in Acta Sanctonun, p. 749 n. 750. O, Cozza, p. 208^213.

') Sab ritu daplici, et Missa celebretor de Mivtyre non Pontifioe.

Seine Heiligsprechung im Jahre 1867. Schriften Über den lil. Petrus Arbute. 4 1

im Jahre 1861 erneuerte Bitten am die Heiligsprechang (Canonisatio) Heiug* des Seligen an Papst Fius IX. Am 23. Februar 1^6*0 erging wieder un?. ein Decret der Congregation der Riten , nachdem der heilige Vater feierlich erklärt hatte: Man könne sicher zu der Heiligsprechung des Seligen Petrus Arbute vorschreiten '). •— In dem ' Consistorium vom 14. Mai 1866 liess der Papst durch den Cardinal Const. Patrizi den Cardinälen über den Fortgang des Processes der Heiligsprechung Be- richt erstatten. Alle Cardinäle wurden gefragt, welches ihre Ueber- zengang von der Heiligkeit des (Erzbischofs Josaphat Euncewicz von Polocsk und des) Regularcanonikers Petrus de Arbu6s sei. Jeder erklärte, es sei seine Meinung und sein Wunsch, dass zu deren feier- lichen Heiligsprechung geschritten werde. Die Cardinäle erklärten sich einstimmig.

Am 8. December 1866 richtete Papst Pius IX. durch den Car. dinal Caterini an die katholischen Bischöfe eine Encyclica, er sei ent- schlossen, am 29. Juni 1867 den Seligen Petrus in das Verzeichniss der Heiligen , welche von der Kirche als solche verehrt werden , auf- zunehmen. -^ Diess geschah auch an demselben Tage, an welchem zu Rom die achtzehnte Saecularfeier des Martyrtodes der heiligen Apostel Petras und Paulus begangen wurde.

§. 18.

Ueber das Leben des heiligen Petrus Arbues hat, soweit uns bekannt, kein Zeitgenosse geschrieben. Erst im Jahre 1623 erschien TOD Vineem Blctsco de Lanuza das Werk: Peristephanon, seu de Coronis sohrif- Sanctorum Aragonensinm, vita, morte, miraculis Petri Arbuesii Canonici Caesaraugnstani et primi Inquisitoris, in fünf Büchern Caesaraug.} 1623. Ob das Werk des Lanuza: „La vida del primer Inquisidor Pedro de Arbute^^ damit zusammenfiiUe , weiss schon Nicol. An- Umio nicht*)

Zur Zeit der Seligsprechung des Petrus Arbuis erschien das Werk von Didaeus Oarda de Trasmiera: Epitome de la santa vida, y relacion de la gloriosa muerte del Venerable Pedro de Arbues, In- ®®***'*'" quisidor apostolico del reyno de Aragon., es erschien zu Monreale ihn, in Sicilien, und in zweiter Auflage zu Madrid im Jahre 1664— *4^ ^^'^' Der Verfasser war als erwählter Bischof von Zamora im Jahre 1661 i69oi in Madrid gestorben'). Um dieselbe Zeit erschien in Rom in ^^^' italienischer Sprache: „ein Compendium, oder ein kurzes Leben des

ten ttber Ihn.

*) Täte procedi posse ad solemnem Petri de Arboös canonizationeiQ. *) Biblioteca Naeva, t II, p. 323. ') NicoL Anionio I, p. 285.

42 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.

Seligen,'^ welches in lateinischer Sprache bei den BoUandisten abge- druckt ist.

Der Mercedarier Mich. Sdaverte Hess im Jahre 1690 ein anderes Leben des Heiligen erscheinen, welchem er die einige Jahre früher von ihm in der Cathedrale zu Saragossa gehaltene Lobrede auf den- selben anschloss').

Im Jahre 1729 erschien zn Valencia von Franc, Fern, de Mar- MdniUo: Vida del glorioso martir San Pedro de Arbues kl. Gedichte. Im Jahre 1755 erschien das Leben des Heiligen im fünften Bande der Acta Sanctornm, des Monats September; der „Commentarius praevius von Sticker (al. Suysken.) p. 728 762; die Vita brevis aus dem Italienischen, p. 752 754.

Aus Anlass der Feier der Heiligsprechung erschien die Fest- schrift: Della vita, miracoli e culto del martire S. Pietro de Arbues Canonico regolare di Saragozza. Narrazione di D. Giuseppe Cozza, monaco Basiliano, Roma, 1867, pp. 263.

Dem Verfasser stand für seine Arbeit ein spanisches Manuscript

über das Leben des Heiligen zu Gebote. Mehr als dieses diente ihm

schrif- eine authentische Copie der „apostolischen Processe", welche über das

ihn, Leben des Heiligen in verschiedenen Perioden eingeleitet wurden.

1867, Von dem kurz vorher verstorbenen General- Abt der Regular-Canoniker

1870<

vom Lateran, Giov. Strozzi, erhielt er diese und zahlreiche andere Schriften im Umfange von mehr als 2000 Seiten, welche in der Bibliothek der Basilica des heiligen Petrus ad vincula als Manuscripte aufbe- wahrt werden.

Ferner erschienen zur Zeit der Heiligsprechung zwei Artikel in der „Civilta cattolica^ vom 3. und 17. August 1867, und eine Abhand- lung in den Historisch, polit Blättern (von Prov. Oreü in Passaa) : „der Märtyrer Pedro Arbues de Epila«, 1867, H, S. 854—873, gegen einige den Petrus Arbues angreifende Artikel in der Augsb. Allg. Ztg. V. 6. Mai, 2. n. 3. August 1867. Als sodann ein den Petrus Arbues beschimpfendes Bild des Malers W. Kavlbach ausgestellt wurde, secundirte dem Bilde der „Schriftführer" Eberh. Zimgibl, 1870, dessen Pi&ce ebenso richtig eine Widerlegung, als eine Bestätigung des Kaulbach'QGhen Bildes genannt werden kann; denn von dem Greisen- alter, dem Blutdurst, und den Güterconfiscationen durch Petrus Arbues weiss auch Zimgibl nichts zu erzählen. Gegen (diesen und) das KavU bach'Bche Bild erschien wieder eine Widerlegung von einem Unge- nannten: Die Märtyrer der protestantischen Intoleranz im Vergleiche

') Latassa, Bibliotheca Dueva de los Escritores Aragoneses, t. IV, p. 16 17. 1800, Pamplona 8. v. Salaberte.

Statuten vom 29. November 118^. 43

za der spanischen Inquisition. Historisclie Sittenbilder, Herrn Direktor YOQ Kauliach gewidmet. 2. Aufl. Augsb. 1870; p. p. 28 ').

§. 19.

Der Grossinquisitor hatte am 29. November 1484 eine General- versammJnng zu Sevilla veranstaltet Derselben wohnten verschiedene Inquisitoren und Mitglieder des königlichen Rathes von Castilien an. Unter den Anwesenden erscheinen neben Torquemada: Fr. Johann von S. Martin, Inquisitor der Stadt Sevilla; Johann Ruiz von Medina, Prior und Ganonicus von Sevilla, dessen Gehilfe, Pero Martinez von Barrio, Ganonicus und Inquisitor von Cordova ; Fr. Martin de Casso, Franzis- kaner, Assessor der Inquisition zu Cordova; Franc. Sanchez de la Fuente, Ganonicus von Burgos, Inquisitor in der Stadt Gindad Real; Johann Garcia von Ganas, Scholasticus von Galahorra, königlicher Caplan; Fr. Johann, ^e Yarca, Prior von Toledo, Inquisitor in Jaen; ^<^'' ÄlfoQs Garrillo , erwählter Bischof für Mazzara auf Sicilien ; Sancho lang" a Velasquez von Cuellar, Doctor beider Rechte; Micer Foner von Va- s«^*"»» lencia, Doctor beider Rechte, königlicher Rath; Johann. Gutierrez berT«^«. von Lachaves, Lioentiat; Tristan von Medina, Baccalaureus'). Torque- mada legte hier den Entwurf der Regeln und Statuten des heiligen Officiums, in 28 Artikeln geordnet, vor, welche einstimmig Annahme fiinden^. In einer zweiten Versammlung, welche er zu Sevilla im folgenden Jahre hielt, legte er einige neue Statuten vor^). In der ersten Versammlung wurde festgesezt, dass die Inquisitoren ein feier- liches Edikt erlassen, und manniglich kundmachen sollten, dass eine Gnadenfrist von etwa 40 Tagen ertheilt würde, in welcher Alle, die sich selbst der Häresie, des Abfalls vom -Glauben, und vom Ghristen- thom abweichender Uebungen bevnisst wären, vor den Inquisitoren sich steUen, ihre Schuld bekennen, reumäthig ihre Irrthümer abschwören, nnd dadurch von der Strenge der Strafen befreit sein sollten. In einer zu Valladolid im Jahre 1488 gehaltenen Versammlung von Inquisitoren wurden 15 weitere theils erläuternde, theils erweiternde Artikel ange- Statuten nommen. Eine lezte Instruction erliess Torquemada von Avila aus in ^'^^' 16 Artikeln, im Jahre 1498, in welchem Jahre er daselbst starb.

0 Des heiligen Märtyrers Petrus von Arbnös Leben, Tod, Wander und Ver- ehrung, München, 1877, p. p. 120 (anonym).

*) jSsum, Sammlung, S. 3^4.

*) Rem», S. 5—36.

*) Spondaefus^ anuales ecoles., ad annum U78, nr. 17 Quötif et Echard, Script, ord. Praedicatorum, 1719, I, p. 893.

44 Dreizehnte.'. BDcb. Eittes Kapitel.

§. 20.

Dieselben Beweggründe, welche in den Jahren 1478 1482 zu der Einfuhrung der neuen Inquisition gefuhrt, hatten im Jahre 1492, bald nach Eroberung von Granada, die Verbannung Bammtlicher Juden aas Spanien zur Folge. Wenn zu dieser Verbannung auch Th. Torquc- mada und andere Priester gerathen haben sollten, so bleibe die Ver- bannung selbst eine rein politische Maassregel. Der Staat, und nicht uo'n w- ^'® Kirche verbannten sie. Die Inquisitoren und Andere überzeugten Lannu sich, dass die geheimen Juden so lange in Spanien nicht aufhören würden, als es überhaupt Juden daselbst geben wurde. Die Juden waren von ihrem Plane nicht abzubringen, sämmtliche Spanier zu ihrem Glauben zu bekehren'). Man fand, dass der Reichthum des Landes mehr und mehr noch in den Händen der Juden sich ansammle und die Christen von ihnen überall zurückgedrängt und übervortheilt würden. Die Aufregung und der Hass gegen die Juden steigerte sich zusehends, je mehr sich Nachrichten verbreiteten, dass die Juden Racheacte gegen die Christen begingen. Sie sollten Crucifize verstümmelt, und geweihte Hostien entweiht haben. Sie sollten auch christliche Kinder ge- kreuzigt haben. Am meisten Aufregung verursachte der zu la Guardia in der Mancha im Jahre 1490 durch Kreuzigung an einem Kinde voll- brachte Mord.

Die Thatsache selbst ist über jeden Zweifel erhaben*) Das Kind wurde seiner blinden Mutter gestohlen, welche an der Pforte der Cathe- drale zu Toledo zu betteln pflegte. Am 31. März 1491 kamen 11 „Be- kehrte^ aus verschiedenen Ortschaften der Mancha zusammen, um das Kind zu kreuzigen. Sie errichteten ein sehr hohes Kreuz, an das sie das Kind annagelten. Einer der Grausamsten riss dem noch lebenden Kinde das Herz heraus. Gleichzeitig wurde eine consecrirte Hostie entweiht. In Toledo selbst war schon im Jahre 1485 eine Ver- schwörung der Juden entdeckt worden, welche am Frohnleichnamsfeste der Stadt sich zu bemächtigen und die Christen niederzumezeln ge- dachten^.

Um die drohende Gefahr von sich abzuwenden, boten die Juden dem Konige Ferdinand noch zur Zeit des Maurenkrieges 30.000 Ducaten

') Jose dem. CamicerOj Impognadon de la obra de D, Juan. Ant. lAorente: Anale« de la Inqoisicion de Espafia, Madr. 1816, t. I, p. 101.

*) Historia del martirio del SaDto Nifio de la Ouardia, sacada de los pro- CC808 . . . por el Doctor Martin Martinez Mareno, 188 p. p. (zweite Ausg.) 1866. Vic. de la FuenU, 1874, t. V, p. 32-33.

•) CamicerOf t. J, p. DO.

Verbannung der Juden. 45

an. Torquemada habe^ heisst es, die Annahme verhindert*). Bald darauf, am 31. März 1492, wnrde das Edikt der Verbannung gegen alle Jaden erlassen, welche nicht vor dem 31. Juli d. J. sich taufen Hessen^). Sie sollten ihre Habe verkaufen und den Erlös in Waaren und Wechseln, nicbt aber in Metall mitnehmen dürfen'). Pässe und Schiffe wollten die „Könige^ liefern. Wie viele die Taufe, zu der sie dringend er- mahnt wurden, dem Exile vorzogen, erfahren wir nicht, glauben aber, es werde eine verschwindend kleine Zahl gewesen sein^}.

Die meisten Juden wanderten in das nächste Land, nach Por- tugal ans.

Es ist eine „wilde^ Uebertreibung, wenn «7. A, Llorente 800.000 Juden auswandern lässt. Er beruft sich auf Mariana als seinen Ge- währsmann^). Dieser aber sagt, dass nur ein Schriftsteller diese hohe Zahl angebe, an deren Wirklichkeit man kaum glauben könne. Aus jüdischen und christlichen Schriftstellern ist aber leicht zu beweisen, dass die Zahl der nach Portugal auswandernden Juden kaum 100.000 erreichte. Wir haben schon gehört, dass der Jude H. G^ätz auf sichere Beweise (ihrer Abgaben an den Staat) gestuzt, die Zahl der Juden in Castilien im Jahre 1474 auf 150.000 angibt^ Bis zum Jahre 1492 können sie unmöglich auf 800.COO angewachsen zahider sein, um so weniger, als die Inquisition dazwischen trat, und vom ^"j^^^ Jahre 1480 an doch auch Viele, wenn nur zum Scheine, sich taufen Jaden Hessen.

Der Jude Kayserling stüzt sich auf die Angaben bei dem Portu- giesen (und Juden) Cacuto^ und dem Portugiesen Damiäo de Ooe$. Jener sagt, dass in Portugal mehr als 20.000 Familien eingewandert

') Kayserling, Gesch. der Jaden in Portugal, p. 100: «Torqaemada's angeb- liche Aenssemng Ist nicht historisch.*

') Das Edikt der Verbannung s. n .a. bei Yangtuis, Diccionario de Historia j Aotignedades deNavarra. Pamplon. 1840, s. v. Judios, t. II, p. 117, nndbelLtndo, - History of the Jews in Spain. 1848, p. 277.

•) Camicero, I, p. 273.

*) «Nor wenige gingen zum Christenthum über**, Kayserling ^ Jaden y. Portugal, p. 101.. „Nur sehr wenige Jaden gingen im Jahre der Answeisang aus Spanien über*, Oräiz, Bd. V, S. 856. Barisaimos o seqairan preferindo quasi ^06 odestorro. A, Hereukmo, la Origem da Inqoisicao em Portogal, t. I, Liaboa, 18M, p. 79-

^ LlorenUj I, p. 261, IV, p. 297. Zweimal sagt Uorente dasselbe: 800.000 s'ezpatrient. Mariana aber sagt (26, 1): Judaeomm mnltitadinem qni ex Hiapania «lisceflserant, ad certam nrnmemm revocare promptnm non est Pleriqae scriptores 170 familiarnm millia abiisse confinnant, qnidam ad 800.000 capita pervenisse ait. logeofl nnmems ae yix fidem factaros . Molti ex eo nnmero, ne patria carerent, Christo dedere nomina, pars sinceris animia: ab'i simulata pietate tempori servientes brevi ad ingenhim, ilrandes et mendaeia rediemnt

•) S. a 16.

46 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.

seien. Die Familie wird überall auf fünf Kopfe berechnet, also mehr als ICO.OOO Personen. Wörtlich stimmt damit D. de Gces iiberein *).

Die genauesten Angaben finden sich bei Andr. Bernaldea'^) und

D. G0€8.

Von BensTente wanderten ans nach Braganza fiber 3.000 Personen (animas).

« Zamora « » Mimnda 30.000 ^

, CindadBodrigo , , , ViUar 35.000 .

^^ « Alcsntara , » * Hsrban 15.000 ,

Porta- Zusammen: 93.000 Personen.

Von den Juden, welche im Nordosten wohnten, wanderten 2000 Seelen nach Navarra aus'). Ans den Baskischen LÄndem wanderten 30U Familien zur See aus. Aus Andalusien und dem Maestrazgo (Herrschaft) von Santiago wanderten über Cadix 8000 Personen aus. Viele andere wanderten über Carthagena, und die Hafen von Aragonien. Aus Aragonien und Catalonien wanderten viele nach Italien, andere nach Mauritanien, Tunis odei: Tlemecen u. s. w. ans^).

Ohne tüchtigen Beweis aber lässt H. Grrätz im Jahre 1492 300.000 Juden auswandern. Er sagt: „Die Gesammtzahl der Aus- wanderer ist viel calculirt worden. Die christlichen Schriftsteller haben Abrabenels (des Juden) Angaben nicht berücksichtigt, der an zwei Stellen die Zahl ganz bestimmt auf 300.000 anschlägt, und er war als Jude und Finanzmann am besten darin unterrichtet. Diese Zahl wird auch dadurch bestätigt, dass 1474 in Castilien noch 150.000 Juden wohnten; man darf wohl ebensoviel (??) auf Aragonien, Catalonien und Valencia rechnen. Das gäbe also 300.000. Mariancts (und Uorente'a) Angabe (nach einigen Quellen auf 800.000 oder auf 1 70.000 Familien- väter ist gewiess viel zu hoch gegriffen^), ebenso die 400.000 bei

') D. de Ooee: Segundo se affirma entrarao nestes Regnos maiB de vinte mil casaes. L X. c. 10.

') HiBtoria de Femandez j Isabel, 1856, t I, p. 255.

') dos mil änimas, sagt Bemaldez (I, p. 255). Dagegen Kayeerlingiäie Jaden in Navarra, S. 107) sagt: »gegen 12.000'*. Ebensoviel lAndo, p. 287 und Heinr. Orätz V, p. 866 etwa 12.000, welche sich auf jüdische Schriftsteller berafen.

*) H. Orätz, kommt mit sich selbst in Widersprach, wenn er im Jahre 1474 150.000 Jaden in Castilien wohnen, im Jahre 1492 aber 800.000 ans Spanien ans- wandern UEsst (V, p. 858). Es ist gegen alle historische Wahrschemlichkeit, dem Königreiche Aragonien ohne Weiteres 150.000 Jaden anzudichten. Wir theilen aber die Note bei Orätz, (V, p. 859) wegen ihrer sonstigen Wichtigkeit im Texte mit.

*) PreecoU, spanische Uebeneznng v. 1848, t. IV, p. 70. (Schäfer^ Ge- schichte von Portugal, t II, S. 646,) spricht keine Ansicht aus.) Ereck und Gruber, Enoyclopfidie, Sectio IL Bd. 27, Leipz. 180O, S. 225 u. 226 nimmt 800.000 Personen an. Auch hier sagt 8d%g Cassel unrichtig, wenigstens mehr als miasverstindlich: nDie höchste Angabe bat Mariana^ ; er hat sie, aber glaubt nicht an sie. Adolf o

Zahl der aasgewanderten Jnden. 47

Zurita und die mehr als 420.000 bei Aboab^). Die Zahl 170«000 bis ] 80.000 bei los Bios und Modesto la Fuente ist aber viel zu klein^ weil sie die 30.000 Haasväter (vecinos) bei Bemaldez zn gering berechnet haben. Gibt doch Bemaldez selbst an, dass die Zahl der aus Castilien allein Ausgewanderten weit 90.000 überstiegen habe*). Die Zahl 300.000 empfiehlt sich daher als die richtigste^*. Dagegen bemerken wir: Die Angaben des Damiao de Qoes^ und A. Bemaldez sind sehr leicht zu vereinigen. Es wanderten in Portugal über 20.000 Familien, nach Bemaldez aber 93.000 Personen ein, im Ganzen etwa lOO.OOO nach Portugal'); 2000 nach Navarra, etwa 1500 aus den Baskenländem aus; 8000 über Cadix nach Marocco, eine unbestimmte Menffe wanderte über Carthairena aus wir wollen annehmen 8000 ^•^^*^«'

Jndmi In

Personen. Nach Bemaldez hätten im Jahre 1492 in Castilien noch oasu- etwa 135.000 Juden gelebt Durch die Thätigkeit der Inquisition wäre '^*'' "^^^ ihre Zahl von 150.000 im Jahre 1474 auf 135.000 im Jahre 1492 ge- ^!T, snnken. Gesezt aber den Fall, es hätte im Jahre 1-^92 noch 150.000 Juden in Castilien gegeben, so durfte Qrätz am wenigsten dem Königreiche Aragonien 150.000 weitere Juden zuschieben, da er sich doch stets auf Bemaldez^) und Prescott bezieht Nach Bemaldez aber, welchem Prescott hierin folgt, betrugen die Juden im Königreiche Castilien ^e Theile sämmtlicher Jnden in Spanien^), nämlich 30.000 Familien in Castilien, 6000 in Aragonien, im Ganzen c. 160.000 Juden. Lebten nun auch (nach Qrätz) noch im Jahre 1492 150.000 Juden in Castilien, so durfte er für das Reich Aragonien nur den sechsten Theil davon, und im Ganzen nur 175.000 Juden in ganz Spanien annehmen.

dt Castro^ Historia de los Jndios en Espafia, Gadiz, 1847, p. 146. Amadorde tos RioSy Estttdios sobre los Jndios de Espafia, 1848, p. 207—209. («Die Uoge- nanigkeit bei los Bios überrascht Niemand, der sein Werk nach Verdienst wQr- digt*, Wägt der Jude Kayserling, Joden in Portngal, S. 112). Modest delaFtiente, Historia genersl de Espafia (26 Bde., Madrid 1850—1862}, t. IX, p. 413. Ck>lmeiro berechnet die Zahl der Jnd^n auf 200.000 (s. oben, III, 1, S. 460).

') Isaac Äboab, Nomologia, ^90 n. 291. Zurita, Anales, t V, 9.

*) Er sagt aber Ȁnimas ond nicht vecinos^ (Seelen und nicht Familien), I, p. 255.

*) Kayserling nimmt 120.000 Seelen an, S. 115.

0 (?r^z im Jahre 1863, und jfiraj/^erZtn^ im Jahre 1867 Icennen den Bemaldez immer 'noch als Mannscript und nach den Auszügen anderer, während Oscar Peschel m seinem „Zeitalter der Entdecknngen'' Stuttg. 1858 schon die im Jahre 1856 im Druck erschienene Chronik von Bemaldez kennt (Ose Peschel, Zeitalter p. 148^ 152). Inzwischen erschien zu Sevilla im Jahre 1870 eine zweite, bessere imd sehOnere Ausgabe.

*) Bemaldez, I, p. 254. Prescott^ 1. c. IV, p. 70. Bemaldez berechnet nach seinem Gew2hrBmanne, dem von ihm getauften Bab. Centollo von Yittoria B6j)00 Familien zu 160.000 Seelen: darnach wären etwa 133.000 Juden in Castilieni c 27.000 in Aragonien gewesen.

48 Dreizehntes Bach. Erstes Kapitel.

Nach anserer Schäzang (und nach Bemaldez) aber gab es im Jahre 1492 an 13*5.000 Jaden in Castilien , etwa 27.000 in Aragonien, zusammen 160.000, von welchen c. 100.000—120.000 nach Portugal, 2000 nach Navarra, 8000 nach Marocco, die Uebrigen nach Italien und in andere Länder Europa's, nach Afrika und Asien auswanderten*), ein kleinerer Theil sich taufen Hess. Dass die meisten Juden der Taufe die Auswanderung vorziehen würden, hatte sicher Isabella nicht erwartet, welche völlig von der Wahrheit des Christenthums durchdrungen war; sicher hofi'te sie, dass die Mehrzahl der Juden sich taufen und dem Lande sich erhalten würde. „Gewiss ist^ (sagt der Protestant Pe^cAeZ), „dass die Krone bei der Vertreibung der Juden und Araber, wie bei der In- quisition, sich nicht durch niedrige fiscalische Motive') leiten liess, sondern recht glaubhaft, dass Isabella in ihrem Eifer sich verrechnet, und nicht die Vertreibung selbst, sondern durch ihre Androhung eine rasche und allgemeine Bekehrung beabsichtigt habe^).

Die Juden, welche in Portugal einwanderten, mussten aber ihre Zulassung daselbst mit theurem Gelde bezahlen. Gemäss eines Ueber- einkommens mussten 600 meist reiche Familien eine Summe von j)te Jo- 60.000 Gold-Cruzados entrichten: alle anderen Einwanderer mussten, Portugal mit Ausnahme der Säuglinge, jeder acht Gold-Cruzados in vier Ter- minen bezahlen. Sie durften aber überhaupt nur acht Monate in Portugal bleiben. Der König versprach, zu billigen Fahrpreisen sie an die von ihnen gewünschten Orte bringen zu lassen; sie wurden aber von den Schiffslenten unmenschlich behandelt. Die in Portugal noch übrigen Juden blieben; sie wurden nach Ablauf der zur Auswanderung bestimmten Zeit sämmtlich zu Sklaven gemacht und verschenkt. Die Granden und Hofleute konnten sich Juden und Jüdinen nach Belieben auswählen*), und Na- Die Juden in Navarra mussten im Jahre 1498 entweder aus-

1499' wandern oder sich taufen lassen. Weil die gegebene Frist zu kurz

') Am nächsten komme ich der Scfaäzung bei Kayserling, auf 120.000 Aai- gewanderte cach Portngal. Ferreras gibt die Zahl der Ausgewanderten überhaupt auf c. 100.000 an. Bd. VllI, Tfa. 11., p. 250 flg., eine wohl za niedrige Zahl. Paramo sagt, es seien 170.000 Seelea, ^ut quidam referunt, vel, ex aliorom sententia) fiber 400.000 Jaden ausgewandert (Paramo, p. 167).

*) ,,Die Finanzen des heiligen Amtes (der Inquisition) waren so Übel bestellt, dass die Gehalte der Inquisitoren, welche ans den Confiscationen bestritten werden sollten, gewöhnlich in Bttckstand blieben" (JAorente^ Hist. de Tlnq. tom. I, p. 217).

') Diese neue Ansicht ist nSher begründet worden in Kunstmann's Untersuch- ungen „floer die Rechtsverli&ltnisse der Juden in Spanien*^. Münchner gelehrte Anzeigen, 1848. S. 248). Ose. Peschel, S. 152.

*) Kayserling, Gesch. der Juden in Portugal, p. 112*115. Oräiz, V, p. 873-387.

Die Inquisition und die Moriscos. 49

war, 80 „gingen die meisten zum Christentham über**. „Jn der sonst wegen ihrer Frömmigkeit so berühmten (jüdischen) Gemeinde von Tudela liessen sich 180 Familien taufen." ')

§. 21.

In Folge der Verbannung der Juden aus Spanien wurden die Arbeiten der Inquisition nicht vermindert, sondern vermehrt Tausende der Ausgewanderten, besonders nach Afrika, kehrten im grossten Elende zurück, und liessen sich nothgedrungen taufen. Diese, und jene, welche vor dem 31. Juli 1492 die Taufe angenommen, blieben aber im Herzen und im Verborgenen Juden, und sie hielten die Inquisition in be- standigem Athem*). In den Jahren 1492 1502 wurden auch die Manren, bald Moriscos genannt, allmälig in den Kreis der Thätigkeit der Inquisition hereingezogen. Zwar wurde den Mauren in dem er- oberten Granada die freie Ausübung ihrer Religion gestattet'). Es schien aber keine Verlezung dieses Versprechens zu sein, wenn der erste Erzbischof Talavera von Granada und Franc. Ximenes, seit 1495 Erzbischof von Toledo, die grossten Anstrengungen machten, die Mauren ^i» zom Christenthume zu fuhren. Die Mauren sahen in diesen Versuchen eine ]„ Verlezung der ihnen gewährten Religionsfreiheit Es brachen bedrohliche Qnnada Auf stände in Albaycin, in den Alpujarras und der Sierra Bermeja aus. 1502, u. Dadurch glaubten die ,,Eönige" ihres gegebenen Wortes entledigt zuin^**^!- seiD, und als Sieger gegen besiegte Unterthanen verfahren zu dürfen. Leon. Es war den Mauren die Wahl gelassen, entweder sich taufen zu lassen, oder, gegen eine Abgabe von zehn Goldgulden für den Kopf, auszu- wandern. Die Meisten blieben, liessen sich taufen, die Wenigem wan- derten aus. Im alten Königreiche Granada war kein ungetaufter Maure mehr zu finden. In den Provinzen Castilien und Leon dagegen lebten noch ziemlich viele ungetaufte Mauren. Durch Edikt vom 20. Juli 1501 wurde diesen jeder Verkehr mit den getauften Mauren in Granada Terboten. Durch ein neues Edikt vom 12. Februar 1502 wurde auch den Mauren von Castilien und Leon befohlen« entweder auszuwandern oder sich taufen zu lassen. Auch sie wählten in grosser Mehrzahl die

*i Oräiz, V, 366. Tanguas, Diedonario, 11, p. 120. Kayserling, Ge- schichte der Jaden in Navarra, p. 106; 212. LdndOj History of the Jews in 3puQ, 1848, p. 287.

') A. Bemaldez, I, p. 254. Uorente, I, p. 262. Perreras, Vllf, 11, §. 252* - Hefele, der Card. Ximenes, p. 275.

*) Kirehengeseh. Sp. III, 1, S. 444 n. 445.

Oiou, fpu. Kirche. IIl. f, 4

50 Dreizehntes Bucb. Erstes Kapitel.

Taafe. Der zweite Inquisitor^ Didacus Deza, soll zu diesen strengen Maassregeln gerathen haben').

§. 22.

Zur Zeit der Auswanderung der Juden aus Spanien und Portugal war schon der Spanier Alexander VI. Papst (1492 1503). Von den nach Genua ausgewanderten Juden kam auch ein Theil im grossten Elende nach Rom. Aber die Juden in Rom ^verschworen sich gegen sie, sie nicht zuzulassen, aus Furcht, dass der Zuwachs neuer Ansiedler Aiexon. ^^.gJ^^ Gcwcrbc Schadcu bringen mochte*. Diese romischen Juden

der VI. ^

und die schosscu also 1000 Ducatcu zusammen , und boten sie dem Papste Jaden, ^exander VI. an, mit der Bitte, dass er den neuen Juden nicht ge- stalten möge, sich in Rom niederzulassen. Der Papst war über diesen hx)hen Grad von Herzlosigkeit so aufgebracht, dass er sämmtliche Juden aus Rom auszuweisen befahl. „Es kostete den Juden noch 2000 Ducaten, den Befehl rückgängig zu machen, und sie mussten es sich gefallen lassen, die Juden au&unehmen^ ').

Unter diesem Papste, dessen Stellung Spanien gegenüber eine mehr als precare war, erlangten die „Könige" eine Menge von Privi- legien und Concessionen für ihre spanische Inquisition, durch welche dieselbe mehr und mehr eine Regierungsanstalt wurde. Wir haben schon gehört, dass im Jahre 1498 230 Spanier in Rom abgewandelt wurden, um nach Auflegung leichter Bussen nach Spanien zurückgesandt zu werden 29. Juli 1498. Aber schon am 2. August erliessen Ferdinand, und Isabella ein scharfes Edikt, weiches diesen Spaniern die Rückkehr in ihre Heimath unter Todesstrafe verbot*). Am 12. Au- gust 1493 erliess Papst Alexander VI. ein Breve, in welchem er die

') Luis del Martnol Carvc^cU, Historia del rebelion y castigo de los Moriscos del reyno de Granada, Madrid 1797, t. I, p. 83--98. Obrasde Diego Huriado de Mendozüf Granada, 1864, 1. 1. Guerra de Granada Lib. I, Leyes contra loa criaüanos nuevoB, p. 78eq. Flor, Janer^ Gondicion social de los Moriacos deEapafia, Madr. 1857, p. 185, sq. Jos. Ilefele, der Card. Ximenea, 8. Haaptafick. Bekehrang der Mauren, S. 52, 66 flg. S. 275 276. Rochau, die Moriscoa in Spanien, Leipz. 1853, p. 156 flg. (Nach ihm sind die Manren immer im Rechte, ihre Sache ist die Sache der wahren Civilisation, die Chriaten aind immer im Unrechte; nur Schade, daaa die Muhamedaner in Spanien mit den Christen in Spanien nicht „reinen Tisch* gemacht haben). Will, Prescotty History of theReign of Philip the aecond, king of apain, New edition (in 8 Bänden, reichend bis 1580), Philadelphia, 1874, t III, p. G. (the Moora of Spain, p. 1—272).

«) Grätz V, p. 373.

') Uorente, I. p. 245—246. IV, p. 297. Am 12. März 1499 eriieaa der Papst darüber ein weiterea nachgiebiges Schreiben an die „Könige^.

Papst Alexander VI. und die Inquisition. 51

TOQ Siztas lY. ertheilten Abeolutionen einiger Angeklagten von Sevilla Aiexan als nngiltig erklärte, und die Inquisitoren beauftragte, auf das neue^^^^^/ gegen die Angeklagten vorzuschreiten. giebig.

Die Inquisition wollte es nicht dulden, dass die Päpste einzelne Processe an sich zogen, oder Angelegenheiten in Rom entschieden. Der Papst sollte auf die Inquisition gar keinen Einfluss mehr haben. Sie klagten also den Papst bei den „Königen'^ an. Diese schrieben an den Papst, er möge den Inquisitoren die ganze freie Aus- übung ihrer Gerichtsbarkeit lassen, er möge nicht gestatten, dass dieselbe durch die Umwege geheimer Absolutionen oder gewisse Ex- emtionen und Privilegien für einzelne Personen geschädigt werde. Und der Papst gab nach. In einem Breve vom 23. August 1497 erklärte er alle Absolutionen, welche nicht in der regelmässigen Weise (durch die Inquisition) ertheilt worden, far null und nichtig, mit einziger Aus- nahme der Absolution im Beichtstühle^). Das heisst, Alexander YI. verzichtete von nun an auf alle und jede Gerichtsbarkeit oder Auetoritat über die spanische Inquisition, und überliess es dem Staate, in Angelegenheiten der wahren Lehre und Häresie endgiltig zu entscheiden.

Th. Torquemada wurde wiederholt wegen harten Verfisihrens bei dem Papste verklagt. Dreimal sandte er zu seiner Vertheidigung ^lexan. seinen Gefährten^ Fr. Alphons. Badaja an den Papst. Doch er- und mndet durch die beständigen Klagen, die ihm zu Ohren kamen, wollte '^<"'Q"®' der Papst die Vollmachten zurücknehmen, mit denen er ihn ausge- stattet« Aber politische Erwägungen und die Schonung gegen die „Konige' hinderten ihn daran. Er betrat einen Mittelweg. Er fertigte am 23. Juni H94 ein Breve aus; erklärte, dass Torquemada sehr auf Jahren und leidend sei, und dass er darum ihm als Coadjutoren den Martin Pance de Leon, Erzbischof von Messina (1493 1500), der in Spanien wohnte, beigegeben habe^ den Bischof Jnicua Manrtque von Cordova, Neffen des Erzbischofs von Sevilla gleichen Namens, den Franz Sanchez de la Fuente, Bischof von Avila, und den Bischof Alfon» Suarez de la Fuente von Mondonedo. Beide leztere waren sei bat Inquisitoren gewesen. Es ist nur gewiss, dass der Erzbischof von Messina und der Bischof von Avila die Functionen von General- inquisitoren verrichteten. Noch zu Lebzeiten Torqnemada's dehnte die ^^'^' Inquisition ihre Gerichtsbarkeit auf Gebiete aus, die mit dem Glauben Q„g der und der Häresie nur sehr lose zusammenhingen. Am 22. August ^°^''^'^^ 1498 erlaubten die „Könige^ den Inquisitoren, von dem Verbrechen vor-

•) LloreaU , I, p. 247. IV, p. 297.

4*

52 Droizf^hnteB Bach. Eretes Kapitol.

scuie* der Sodomie Kcnntniss zu nehmen'). Die Sodomie sollte gestraft VMbro- werden, wie die Häresie oder die Majestatsbeleidigong. Die Namen eben, der Zeugen durften hier den Angeklagten mitgetheift werden. Ebenso wurde später die Bigamie (und die Vielweiberei) von der Inquisition gerichtet*). Von der Inquisition wurden gerichtet Priester und Mönche, welche heirathetcn; Beichtväter wegen Missbrauchs des Beichtstuhls. Lezteres geschah allerdings in Folge eines Breves PauFs IV. vom 18. Januar 1560 an die Inquisition von Granada, und vom 16. April 1561 an den Generalinquisitor Valdds^). Der Inquisition verfielen Laien, welche geistliche Functionen sich anmassten, Diaconen, welche Beichten abnahmen, natürlich auch solche , welche fälschlich sich als Beamte, Commissäre oder Diener der Inquisition ausgaben*). Blas- phemieen wurden gleichfalls von der Inquisition gerichtet^).

Ferdinand V. hatte in dem Eide, in welchem er versprochen, die Fueros des Reiches Aragon zu beobachten^ auch gelobt, dass er den weltlichen Richtern die Gerichtsbarkeit in Wucherklagen lassen werde. Aus gewissen Gründen suchte er nach und erlangte von Rom am 14. Januar 1505 eine Dispense von diesem Versprechen, den Inquisi- toren aber wurde die Vollmacht eingeräumt, auch über das Verbrechen des Wuchers zu richten. Ein Breve Leo's X. vom 3. April 1513 (oder 2. September 1514?) dispensirte Ferdinand V. von dem Eide, welchen er vor den Cortes in Aragon abgelegt, die Maa^sregeln in Ausfuhrung zu bringen, welche in den Cortes beschlossen worden, um die Gerichtsbarkeit der Inquisition in Schranken zu halten*). Die von Rom erhaltene Dispense aber half Ferdinand V. nichts, er musste seinem Eide nachkommen, und den Ständen Wort halten. Es waren keine geistlichen, sondern rein ficalische Motive für ihn, Wucher und Schmuggel der Gerichtsbarkeit der Inquisition unterstellen zu wollen^).

') Llorente, I, p. 340. II, p. 16. IV, p. 297 (hier nennt Llcrente das Jahr 1498, zweimal vorher das Jahr 1497). Htfele, p. 325. Nach Llorente (I, 340) wären im Jahre 1506 sechs Personen zu Sevilla wegen Sodomie verbrannt worden.

*) Am 8. September 1560 wurden zn Mnrcia 7 Polygamisten venutheilt; am 20. Mai 1563 wurden ebendaselbst 13 PolygamiBten zn verschiedenen Strafen verurtheilt Llorente, II, p. 338, 341. IV, p. 319.

*) Llorente, II, p. 344, 374—875. III, p. 26-28.

') Llorente, II, p. 246, 382—383, 391—392, 402. III, p. 431.

») Llorente, III, p. 56—57, 431.

') Bei Spittler „Entwarf der Gesch. der span. Inqis.", Reuse, p. XUL XlIfL, steht ein Anszug einer BnUe Leo*s X. v. 2. Sept. 1514, wo gleichfalls von der Gerichtsbarkeit der Inquisition Aber den Wacher die Bede ist. Damach hatten die Inquisitoren za Barcelona eidlich versprochen, dass sie sieh hinfort nar mit Glaabenssachen und Hjlresieen innerhalb gewisser Grenzen befpssen wollten.

•; Lloi-ente, I, p. 340, II, p. 394, IV, p. 302.

Die Inqcdaidon als Staatainstitut 53

Am 12. Mai 1516 erliess Leo X. eine andere Bnlle, in welcher er die im Jahre 1513 (1514?) ertheilte Dispens von dein geschworenen Eide zurückrief, und die Beschlüsse der Cortes von Aragon bekräftigte.

Damach wird man es begreiflich finden, dass auch Hexen, Zau- berer, Bereiter von Liebestränken, solche, welche aus dem Aberglauben der Leute Nuzen zu ziehen suchten u. m. der Inquisition zugewiesen worden'). Um so begreiflicher werden wir es finden, dass die In- quisition der ausschliessliche Gerichtshof für ihre eigenen Beamten und Diener war.

„Mit Untersuchung dieser so vielen und verschiedenartigen Ver- brechen hatten die spanischen Herrscher ihre Inquisition zum Theil selbst gegen den Willen der Grossinquisitoren*) beauftragt, und wer sich erinnern will, wie viel nur Hexen in Deutschland verbrannt wur- den, wird die Zahl der von der spanischen Inquisition zum Tode ver- urtbeilten Ketzer, Zauberer, Hexen ^ Mörder, Wucherer, Sodomiten, Hurer, Schmuggler, Kirchenräuber und Verbrecher aller Art nicht mehr für so ungeheuer erachten."

§• 23.

Wiederholte Versuche, welche in den Jahren 1480 1522 ge- p»« macht wurden, der Inquisition einen kirchlichen Charakter zu geben? nn/dfo oder den Einfiuss der Päpste und Bischöfe auf sie zu verstärken, inqaioi- blieben ohne Erfolg. Die Könige wussten, was sie wollten, und han- ^°' delten nach einem festen Plane. Als Papst Leo X. im Jahre 1519 zu strengeren Maassregeln gegen die Inquisition schreiten wollte, war es zu spät. Der spaniscl^e Episcopat war zu abhängig von der Krone, TOD ihr hoffte und fürchtete er Alles; diess gilt besonders von dem Episcopate in Castilien, der zu einer kirchlichen Opposition gegen das omnipotente Konigthum sich nicht aufraffen konnte. Der Cardinal (ßrossinquisitor seit 1507) Ximenes, der Ferdinand V. oft sehr un- bequem war^), wollte der Inquisition wenigstens eine mehr kirchliche Form geben. Nach seinem Wunsche sollten bei dem Oberinquisitions- rathe nur Geistliche angestellt werden. Er protestirte gegen die Er- nennung de Ordugno Ybanez de Aguirre als Mitglied des obersten InqnisitioQsrathes , weil er ein Laie sei am 11. Februar 1509.

') Uorenie, II, p. 51—55. III, p. 431—461. Secte des Sorciers in Logrofio IV. leo, Htffle, a 293-294; 326,

*) Der Growinqnisitor Aveda z. B. wollte Niemand von der Inquisition richten Ittien, dessen Vergehen nicht die Religion betreffe. Hefele^ S. 326. Dieser Name findet sich sonst nicht.

>) Hefele, ». 40a

Die

54 Dreizehntes linch. Erstes Knpitcl.

„Wisset Ihr nicht, entgegnete ihm Ferdinand Y., dass, wenn dieser liath eine Gerichtsbarkeit hat^ der König es ist, von dem er sie hat^? So war es. Die Inquisition war ein königlicher, aber mit geist- lichen Waffen ausgerüsteter Gerichtshof. Erstens waren die Inquisi- toren königliche Beamte. „Die Könige hatten das Recht, sie einza- sezen und zu entlassen; auch die Inquisitionshöfe unterlagen den könig- liehen Visitationen; bei denselben waren oft die nämlichen Männer Staats- Assessoren, welche im höchsten Gericht von Castilien sassen. Zwei- iuqui>i. tens fiel aller Vortheil von den Confiscationen dieses Gerichte deai Könige zu. Drittens der König bekam ein Gericht in die Hände, welchem sich kein Grande, kein Erzbischof entziehen durfte. Dieses Gericht gehört zu jenem Spolien der geistlichen Machte durch welche die spanische Regierung mächtig wurde, wie die Verwaltung der Grossmeisterthümer , die Besezuug der Bisthümer^^ „Seinem Sinn und Zweck nach ist es vor Allem ein politisches Institut. Der Papst hat ein Interesse, ihm in den Weg zu treten, und thut es, so oft er kann. Der König aber hat ein Interesse, es in steter Aufnahme zu erhalten^ ')•

Man sagt so oft, die Kirche sei oder wolle ein Staat im Staate sein. Aber die spanische Inquisition war eine Kirche in der Kirche. Carl V. fing bald an, dieselbe als Werkzeug seiner Herrschsucht gegen die Kirche zu benüzen. Er war, so lange er regierte, der wahre und einzige Grossinquisitor.

§. 24.

Dnss Th. Torquemada durch die ihm gesezten Coadjutoren sich nicht in den Ruhestand sezen Hess, geht u. a. aus der Instruction mit 16 Artikeln hervor, welche er, der Prior zum heiligen Kreuz in Avila, von dort aus im Jahre 1498 ergehen Hess '). Darin wird u. a. verordnet, dass alle Beamten der Inquisition täglich wenigstens

') So Leop, Ranke, Fürsten und Völker von Stldenropa im 16. und 17. Jahrb. Thl. I, 1837, S. 242— 24a Vgl. Ueinr, Leo, Weltgeschichte, Bd. II, S. 48L Ouizot, Cours d* histoire moderne, Paris, 1828 eile (rinquisition) fut d*abord (aaeh in der Folge) plus politique, que religieuse, et destinöe ä maintenir V ordre plntot, qu' ä döfendre la foi.

') Reuss, S. 56-63. CopilRcion de las Instinciones del Oficio de la Santa Inqoision, hechas per el muy Reverendo Sefior Fray Tomas de Torquemada, foI. Madr. 1576. Havemann, Daretell. ans der innem G^sch. Spanien^s, Göttg. 1850. S. 106. Dass Torquemada der widerstrebenden Isabella die Einführung der Inqui- Bition gleichsam abgerungen habe, läast sich nicht einmal wahrscheinlich machen, viel weniger beweisen.

Das Ende Torquemada's. 55

sechs Standen in ihrer Amtsstube arbeiten, drei Vor- und drei Nach- mittags. Die Inquisitoren sollen die falschen Zeugen züchtigen und öffentlich bestrafen. Die Frauen sollen in den Gefängnissen getrennt TOD den Männern sein. Der Historiker Zwita , einer der grössten Lobredner der Inquisition, nennt den Th. Torquemada wiederholt einen heiligen Mann, oder einen Mann von Heiligkeit. Er versichert, dass die eingezogenen Güter der Verurtheilten auf die gewissenhafteste und uneigennüzigste Weise verwendet wurden^) u. a. zum Baue verschie- dener Kirchen und Kloster. Derselbe Zurita^ berichtet, dass^ vor der Vermählung der Jüngern Isabella mit' Manuel, König von Portugal (1497), die spanischen Eltern der Braut u. a. die Bedingung gestellt hätten, dass Manuel aus seinem Königreiche alle spanischen Flüchtlinge vertreiben müsse, die von der spanischen Inquisition verurtheilt worden seien ^).

Wie wenig Papst Alexander VI. dem Torquemada geneigt war, ^^' ^®' haben wir früher gehört. Damals war Garcilaso de la Vega, der Vater Garci' des bekannten Dichters , spanischer Gesandter in Rom. Er schrieb '^^ am 21. April 1498, kurz vor dem Tode Torquemada's, an die „Könige^, in Rom dass Papst Alexander VI. Willens gewesen sei, der Macht der Inqui- **^^- sition in den Weg zu treten. Im Auftrage der „Könige^ aber habe er die Einmischung des Papstes hintertrieben, und demselben die In- quisition in einem günstigen Lichte dargestellt^).

Die Gegner Torquemada's werfen ihm vor, dass er auf Reisen mit einer grossen Schuzmannschafb sich umgab, jedenfalls also sein Leben einer Gefahr nicht aussezen wollte. Seine Leibwache auf Reisen

') Zurita, Anales de Aragon, IV, p. 324: la religion j santetad de aqnel ezcelente varon; aqaello santo varon Torquemada. Fueron muchos los bienea j baziendas, que se aplicaran a la camara y fisco real y dellos se hizieron muy senaladas obras: y se fandaron diversas Iglesias y monastcrios: porque no dedi- cavan, sino para en cosas mny piadosas y santas y todo se expedio en eato (ausser den Ausgaben für die Besoldung der Beamten der Inquisition, die in der ersten Zeit oft Noth litten), y en los alimentos de los reos, que eran pobres. Unter den frommen Sachen nennt er den Bau des Klosters von S. Thomas in Avila. Zurita war selbst Secretär bei der Inquisition.

*) Zurita, Anales de Aragon, Zarag. 1610, t. V, p. 121. Von dieser Be- dingung sagt Heinr. Schäfer in seiner so genauen „Geschichte von Portugal" Bd. ni, 1850, S. 10—11 kein Wort.

') i^Por Uis cosas, que Vuestras Altezas me han escrito tocantcs k la Santa Inquislcion, he procurado, no solo de empachar que no se otorgasen aqni cusus contra ella, mas que el Papa la favoresciese, y ayudase (Spanien von Rom zu trennen) y para esto ha Dios rodeado dispusicion en que se pudieso fazor." Der englische Quaecker Ber^jamin B. Wissen war im Besize des Originals dieses wichtigen Briefs. (Carta k los reyes D. Fernando y dofia Isabel, de su embajador en Koma en 1498; in^ita. Van adjuntos otros doeumentos diplomdticos de aquella ^poca, tambicn in^itos, San Sebat^tian., 1812. (Dionig, Hidalgo, Diccion. de bibliogralia Eepanola, Madr. 1862, I. p. 330. Ad. Wolf, 1. c, 1867,. S. 49.)

56 Dreizehntes Bnch. Erstes Kapitel.

habe aas 50 Dienern zu Pferd, nnd 100 za Fass bestanden; bei Tische habe er stets den Zahn eines wilden Thieres neben sich liegen gehabt, der etwaiges Gift entdecken und unwirksam machen sollte ').

Der gefarchtete Mann starb zu Avila in einem Alter von 78 Jahren am 16. September 1408.

§. 25.

Didacus Deza, aus Toro, der zweite Grossinquisitor, war gleich- falls Dominikaner. Als Professor der Theologie in Salamanca erlangte er grosses Ansehen. Seine Schriften bekunden eine umfassende Ge- ^^^ lehrsamkeit. Er wurde nach einander Bischof von Zamora, Salamanca

GrTÜto- (1496— 1497), Jaen 1497 ILOO), Palentia, im Jahre 1505 aber Erz-

quisitor. bischof von Sevilla. Als solcher starb er am 9. Juli 1523, nachdem er noch vorher zum Erzbischof von Toledo ernannt worden war. Cr wnr Erzieher des Prinzen Juan, Thronerben von Spanien. Ihn schlugen nun die Eonige dem Papste Alezander VI. als Grossinquisitor vor. Schon am 1. December 1498 wurde er vom Papste bestätigt, aber nur als Grossinquisitor von Castilien*}. Es war diess offenbar wieder ein schwacher Versuch, der Macht der Inquisition Schranken zu sezen. Deza war darüber unzufirieden, und nahm das Amt nicht an^ bis der Papst dasselbe auch auf Aragon ausgedehnt hätte. Denn auch die beiden oben erwähnten Coadjutoren hatten ihre Vollmacht für ganz

AiexAn. Spanien. Am 1. September 1499 erliess der Papst eine weitere QQd seine Vollmachten ausdehnende Bulle. Jezt nahm D. Deza an. Durch

D.Dexa. eJn ßreve vom 25. November 1501 erklärte der Papst, dass die Voll- machten, in deren Besiz Torquemada gewesen, auch auf seinem Nach- folger übergehen sollten. Durch eine um einen Tag firüher erlassene Bulle gewährte der Papst der Inquisition das bedeutende Privilegium, dass derselben an jeder Cathedrale Spanien's eine Präbende zur Besezang mit einem der Ihrigen eingeräumt werden müsse. Concession folgte auf Concession, Privilegium auf Privilegium. Durch Breve vom 15. Mai 1502 ertheilte der Papst dem Generalinquisitor die Vollmacht, über die Beweggründe zu entscheiden, welche die Angeklagten hätten, von dem Gerichte der Inquisition befreit zu sein, d. h. der Papst schnitt die Appellationen an den Papst ab, oder stellte es wenigstens in das Gutbefinden des obersten Inquisitors, ob appellirt werden dürfe, oder nicht. Durch Breve vom 31. August 1502 erhielt Deza die Vollmacht,

') LlorerUe, J, p. 286. Thom, M'Orie, Geschichte der BeformRtien in Spanien, dentsch v. O. Plieninger., Stuttg.l835y S. 115 (bemflt dch auf lAorente), *) Llorente, I, p. 289.

Did. Deza, Grossinqniaifor. 1498—1507. Monstreprocess in Cordova. 57

sich Sabdelegaten (ohne Bestätigung durch den Papst) zu bestellen. Durch ein anderes Breve von demselben Tage erhält Deza die Voll- macht, alle Fragen wegen Appellationen durch die von ihm ein- gesezten Subdelegaten entscheiden zu lassen, um den Zeitaufwand zn vermeiden, den das Einsenden der Processsachen nach Rom erfor- dert hätte. Wahrlieh dieser Papst machte einen verschwenderischen Gebrauch von seinen Rechten; wahrlich, das spanische System, mit Hilfe Rom's von Rom sich loszutrennen, stand in den lezten Jahren dieses Papstes in der höchsten Bläthe. Derselbe starb am 18. August 1503, und darnach war es ihm nicht mehr möglich, dem unersättlichen Konige Ferdinand noch weitere Privilegien zu ertheilen, die Ranke mit Recht „Spolien^ der geistlichen Macht nennt

D. Deza erliess neue Statuten und Instructionen für das Verfahren der Inquisition am 17. Juni löOO, am 13. November 1503 u. a.').

Unter Deza wurde die Gerichtsbarkeit der Inquisition, ganz gegen den ursprünglichen Plan bei ihrer Einfuhrung, auf die getauften Morisco's ausgedehnt, um sie an dem Ab&lle vom Ghristentbume zu verhindern. Isabella gestand nur zu, da^s der Gerichtshof von Cordova im Falle eines vollständigen Abfalls der Moriscos vom Christenthume, seine Jurisdiction auf Granada ausdehnen dürfe*). In ähnlicher Weise wurde die Inquisition auch aaf die Moriscos in Castilien, Leon und Aragon ausgedehnt. Jene erklärten aber im Jahre 1524 dem (fünften) Gross« inquisitor Manrique, sie seien von seinen Vorfahrem im Amte stets mit Billigkeit behandelt und in Schuz genommen worden^.

Die Amtsverwaltung Deza's ist. durch drei Processe in üblen Ruf gekommen, gegen den Erzbischof Talavera von Granada, gegen '^^'' ^'^^ den Gelehrten Aelius von Lebrija, und durch einen grossen Monstre- meero. process in Cordova. Deza's Unglück war, dass er seinen Gehilfen Diego Rodriguez de Lucero, Scholasticus von Almeria, und Inquisitor des Tribunals von Cordova, ungehindert schalten Hess*).

Einige der Häresie angeklagte Andalusier wollten sich dadurch retten, dass sie eine ungeheure Menge Unschuldiger denuncirten. Sie hofften so eine allgemeine Amnestie für Alle, also auch für sie, die

0 S. Reuss a. a. 0. S. 63 flg. -- Copüacion de las Instracdones del Ofieio de la Santa InquiBidcm, heohas en Toledo ann. de 1561. Madr. 1612. Erweiterte SaaiiDlimg, im Aaf trage des Alonao Manrique, Erzbischof v. Sevilla, Madr. 1680» welehe Anagabe der Instructionen der Inquisition «/• Reuss ttbersezt hat, Hannov. 1788. (Uarente, I, p. 330-881.)

') lAoretUe^ I, p. 333—334.

*) Lhrent€j I, p. 424 --425.

*) Petrus Martyr nennt ihn im Jahre 1506: severua et iracundus a natura, jQdaioo Domhii et neophytis infensissimus (Epist. 295); er nennt ihn statt Lucerius Tenebrerius.

/ i

58 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.

Denuncianten. Lncero und Deza gingen in die Falle. Den Bedrängten kam Ximenes zu Hilfe. Er bat den König, den Deza seines Amtes durch den Papst entsezen zu lassen. Bald darauf kam Konig Philipp I. nach Castilien, und Ferdinand musste sich nach Aragonien zurück, ziehen. Philipp suspendirte den D. Diego in seiner Thätigkeit als Grossinquisitor, und verwies ihn in sein Erzbisthum zurück. Die Ge- schäfte der Inquisition wurden dem königlichen Rathe übertragen^). Philipp I. starb schon am 25. September 1506. Jezt nahm Deza ohne eine Ermächtigung sein früheres Amt wieder auf, und auch der grosse Process scheint wieder aufgenommen worden zu sein. Sicher ist, dass am 6. Oetober 1506 zu Oordova eine Revolte ausbrach. Das Gebäude der Inquisition wurde gestürmt, die Gefangenen durch den Marquis von Priego entlassen. Dieser, das Domcapitel und der Magistrat ver- langten Lucero's Absezung, welcher entflohen war. Deza gab nicht nach« Der Aufstand tobte durch ganz Andalusien*). Ferdinand Hess seinen Freund und Beichtvater Deza fallen; dieser musste resigniren, und am 18. Mai 1507 trat Ximenes an seine Stelle.

Ximenes Hess den Lucero nach Burgos bringen, und in der dor- tigen Festung verwahren. Für die Revision des Processes^^^lbst wurde eine Junta von 22 Mitgliedern eingesezt, worunter vier Bischöfe. Der Prozess wandte sich zu Ungunsten des Lucero. Am 9. Juli 1508 wurden die Angeklagten für unschuldig erklärt, die Gefangenen wurden freigelassen, und vollkommene Sühne des Unrechts befohlen. Am 1 . August wurde der Beschluss zu Valladolid mit grosser Feierlichkeit in Gegenwart der Königin Juana verkündigt Nach einjähriger Had durfte Lucero nach Almeria heimkehren.

§• 26.

Didacus Deza hielt im Jahre 1512 zu Sevilla eine Synode, die

einzige uns bekannte, welche zwischen den Jahren 1473 und 1529 in

Spanien gehalten wurde. Die Aoten dieser Synode sind vollständig

concii erhalten. Ihnen geht voran die einleitende Rede des Erzbischofs.

Villa Der Prolog sagt, dass die katholische Kirche den Erzbischöfen vor-

i'^^is- schreibe, zu bestimmten Zeiten Provinzialconcilien zu veranstalten.

Das Concii nahm 65 Canones oder Gapitel an. Es wird grosser

Nachdruck auf einen genauen Unterricht der erst vor kurzem bekehrten

frühern Juden oder Mauren gelegt. Die Aerzte sollen die Krauken

anhalten, an das Heil ihrer Seele zu denken, d. i. die heiligen Sacra-

') Zurita, T. VI, 1. VII, cp. 11.

»; 2^rita, 1. c. cp. 42. Uarente, I, p. 346— 3i8.

Dezft

Concil zu Sevilla, 1512. 59

mente zu empfaogeD. Die Gläubigen wurden vor Wahrsagern und Zauberern gewarnt, deren es in jener Gegend eine grosse Zahl tou beiden Geschlechtern gab« Es wird die Zahl der kirchlichen Festtage angegeben, darunter war das Fest des heiligen Sebastian, des Evan- gelisten Marcus, Kreuzerfindung, des Apostels Bamabas , der heiligen Maria Magdalena, der heiligen Anna, die Verklärung Christi, des heiligen Laurentius, „der Geburt unserer Herrin** (8. Sept.), Fest des heiligen Michael, des Evangelisten Lucas. Es sind 38 Feiertage und 52 Sonntage; aber das Fest der heiligen Justa und Rufina und des heiligen Isidor wird nicht angeführt, vielleicht weil diese nur in der Stadt begangen wurden. Eine Procession am Feste des heiligen Isidor wird angeführt. Der Dreissigste bei den Seelengottesdienstcn heisst: ^^ ^trigenarins^. Es sollen keine heiligen Messen ausserhalb der Kirche conoii gefeiert^ und es soll hiezu keinerlei Erlaubniss ertheilt werden. Eigene '"»J^^« Beichtstuhle und tragbare Altäre dürfen nur in den Häusern irgend eines Herrn von Titel oder seiner Söhne ^) sein. Viele Leute haben nnter dem Vorgeben, von Stand und Adel zu sein, durch Betrug von Rom sich Privilegien erschlichen. Ehen dürfen nicht ausserhalb der Kirche gcschloasBn werden. In den Kirchen und Klöstern dürfen keine Passionsspiele gegeben werden. Die Sacristane in den Eärchen sollen, vo möglich, Priester sein. Die Priester sollen wenigstens an den drei Uaaptfesten beichten und communiciren. Es soll aus jedem Vicariate (Decanate) jährlicher Bericht über das Leben der Kleriker erstattet werden. Es dürfen die Befehle solcher, welche sich „apostolische Richter^ nennen, nicht vollzogen werden, wenn der eigene Bischof deren Vollmachten nicht zuvor approbirt hat. Auch die ^^apostolischen Notarien** sollen ihre Vollmachten zur Prüfung vorlegen. Es wird verboten, dass in (oder bei) den Kirchen „Burgen" (arces) errichtet werden. Das „Buch der Constitutionen" dieses Concils solle in jeder Kirche aufbewahrt werden. Auch werden die von dem Cardinal und Hhem Erzbischof Didacus Hurtado de Mendoza erlassenen Consti- tutionen bestätigt Der Erzbischof beschloss das Concil mit einer Anrede. Wir erfahren aber nicht, ob und welche Bischöfe der Kirchenprovinz dieser Synode angewohnt haben, nicht, wie viele Siz- Qngen gehalten wurden, und wie lange sie gedauert habe. Die sehr gut redigirten Verhandlungen des Concils gewähren uns einen nähern Einblick in die damaligen religiösen und sittlichen Zustände von Andalusien*).

*) alienjus domini titolati.

^ Aguirre-Gatalani« Concilia Hispaniae, t. V, p. 361—881 Tejada y Ramirot <')!cccion etc., tum. V, Madr. 1855, p. 67-111.

60 Dreizehntes Buch. Erstes SLapit«!.

§• 27.

Man hat in Deutschland eine falsche Vorstellnng von den s. g. Autodafö's und den Sanbenitos der Spanier. Autodafes bedeutet wedeii Hinrichtungen noch Grausamkeiten, sondern einfach Akte des Orlaubens- (bekenntnisses ^) *).

Die „Autodaf(i8^ waren öffentliche Bekenntnisse des katholischen! Glaubens, zugleich Abschworungen von Irrlehren. Solche Akte fanden vom Jahre 1481 bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts in grosseri Zahl statt. Die meisten verliefen unblutig. In einem Autodafe zu Toledo vom 12. Februar i486 wurden 750 Personen gestraft; die Strafe bestand meistens in einer leichten Kirchenbusse; nicht Einer erlitt den Tod. Am 2. April 1486 wurden zu Toledo 900 Personen verurtheiltj und keine hingerichtet. Am 1. Mai 1486 wurden wieder 750 Personen^ am 10. December 1486 900 Personen verurtheilt, keine aber z^ den Flammen. 3300 Personen wurden nach LlorenU die meiste^ zu Ejrchenbussen, 27 aber zum Tode verurtheilt. Paramo weiss nui^ von vier Todesurtheilen der Inquisition zuToledo gegen vier „Erzkezer" *)^ Die einzelnen Auto's^ u. a. das Verzeichniss der abschworenden Personen enthaltend, erschienen später im Drucke, und es gibt noch verschiedene Sammlungen dieser Autodafe's').

Die Beschreibung eines der lezten Autodafes, der ,,von dem hein ligen Inquisitionsgericht am 9. Mai 1784 in der Kirche S. Domingo

*) Man denke an die so gefeierten: Autos sacramentales der Spanier, \ Fronleichnamsspiele, iUinlich wie die Paasionasptele in Oberammergau, welche lezterö bei Katlioliken, Protestanten, und selbst Jaden solchen Anklang finden; s. äbeti jene THcknor- Julius, Gesch. der schönen Literatur in Spanien, Hamb. 1852J Bd. I, p. 612—620, besonders des Lope de Vega und Calderon; 11, p. 12—22; 733. Fr. Schock, Gesch. der dramat Literat, u. Knnst in Spanien (3. Bd.) 18MJ II, p. 102-105; 39a-415 u. b. w. Äd. Wolf, (Nachtr. zu Ticknar-Julius, 1867)j S. 99-100. Lope de Vega sagte sterbend, er bereue es, dass er nicht sein ganze^ Leben dem Schreiben von Autors und andern ahnlichen religiösen Gedichten ge^ widmet habe, S. 118—120; 207—208.

*) Paramo, p. 170. Lhrente, I, p. 238—239. ') Ob es irgendwo eine vollständige Sammlung gibt, wissen wir nicht. £in<^ kleinere Sammlung, leider nur aus den Jahren 1720—1723, befand sich in der Privat^ bibliothek des unglücklichen Kaisers Maximilian von Mexico. Nicht weniger ald 39 Autodafe wurden in diesen Jahren gehalten , und zwar 3 in Madrid , (2 iii Lissabon, 1 in Coimbra), 1 in Barcelona, 1 in Gordova, 2 in Llerena, 8 in Murciaj 4 in Sevilla, 4 in Valladolid, 4 in Toledo, 4 in Granada, 3 in Cnenca, 1 in Sandagoj 1 in Valencia^ 1 in Zaragoza, 1 in Mallorca. z. B. Belacion del Auto particold de Fö, qne se celebrö en Madrid, el 22 Febrero de 1722. Madrid 1722 in i\ H p. p. cart. cf. Catalogue de la biblioth^ue de Jos, Mar, Andrade, Lieipz., Ib6^i p. 100—102.

Ein Antodafö 1781. 61

el Real öffentlich vollzogenen Execution^ findet sich im Anhange der Sammlung der Instructionen der Inquisition (von Reuss), Darnach gingen am 9. Mai 1784, nach acht einhalb Uhr Morgens, aus dem Inquisitionsgerichtshof zu Madrid ein Mann und zwei Frauen in Bnsskleidem; zwei davon mit dem San Benito und dem Andreas- Krenz, die dritte ohne dieses. Alle drei mit grünen Kerzen , Stricken um den Hals, und papiemen Kappen ^ worauf ihre Verbrechen ge- sehrieben waren. Vor dem Tribunal ging ein Zug von der Reiterei ^^^J^^,^ nnd eine Compagnie Grenadiere, in zwei Reihen folgten die Diener des itm. Gerichts, in ihrer Mitte die Verbrecher, dann die Censoren in Glaubens- sachen, in ihrer Mitte ein geist- und weltlicher Bedienter, welche einen mit carmosinrothem Sammt überzogenen Kasten, worin die Processakten waren, trugen. Es folgten der Inquisitor, der allein ging, der oberste Algaazil (von Madrid) und einige andere Dignitare. Zwei Reihen von Hellebardieren deckten den ganzen Plaz ; es folgten wieder Grenadiere, welche den Marsch spielten. Allen diesen folgte der Zug von Wagen und Kutschen des Alguazils. Man zog in die Kirche Domingo el real, in der wieder eine Grenadier - Compagnie aufgepflanzt war, ,,um Unord- Dong beim Zulauf des Volkes zu verhindern''. Die „Verbrecher'^ er- hielten auf einem erhoheten Gerüst in der Kirche ihre Pläze ange- wiesen. Hinter ihnen stellten sich der Alcayde, der Vice- Alcayde, der Gerichtsbote und der Chirurgus auf, die sie beobachteten. Der In- quisitor hatte seinen Siz auf der Evangelienseite, vor sich ein Crucifix, das Ritual, die Stola, und ein Licht, um die Verbrecher zu absolviren. Es begann die heilige Messe. Nach dem Introitus bestieg ein Secretär des Gerichts eine Kanzel neben dem Gerfist, worauf die Verbrecher standen, und las ihre Processakten vor^ welche eine Menge von Schänd- lichkeiten, Aberglauben, Abgotterei, Teufelsverbindungen, und andere abscheuliche Verbrechen enthielten. Das Urtheil lautete: Der Mann und eine der Frauen sollten „de vehementi" abschworen, beide am nächsten Tage auf den öffentlichen Plaz gefuhrt werden, der Mann, um 200 Staupschläge zu erhalten, die Frau zur öffentlichen Beschimpfung. Beide soUten dann auf fünf Jahre in das Zuchthaus wandern, und beide für immer 40 Meilen von Madrid und den übrigen Hoflagem verwiesen werden, und an dem Orte, wo sie später wohnten, sich der Aufsicht <ler Inquisition unterstellen. Die andere Frauensperson sollte „de levi^ abschworen, und vier Jahre von Madrid und den königlichen Hoflagern ferne bleiben« Alle drei Verbrecher sollten einen Monat lang in dem Hsttse des Tribunals geistlichen Uebungen obliegen, dem zu ernennenden Director eine allgemeine Beicht ablegen, dann in das königliche Ge- fangoiss, aus dem sie gekommen, zurückgeführt werden, damit „ihre hier anhängig gemachte Sache ausgemacht würde, nadi deren Beendigung 8ie zu ihren verschiedenen Bestimmungen abgeführt werden soUten^^ -

62 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.

Die Verbrecher xnnssten yor dem Tisch des Inquisitors nieder- knieen nnd ihre Irrthümer abschworen. Sie wurden absolvirt, ihre Andreas-Kreoze ihnen abgenommen, nnd die grünen Kerzen in ihren Händen angezündet. Knieend horten sie die heilige Messe an. Am Ende gaben sie ihre Kerzen dem Priester, küssten seine Hand undj wnrden in der frühem Ordnung in das Gerichtshaus zurückgeführt Um zehn Uhr am nächsten Tage empfing der Mann seine Schläge,: die Frau aber die öffentliche Beschimpfung, begleitet von allen Familiarenj und weltlichen Dienern in zwei Reiben zu Pferde; die Secretäre und der oberste Alguazil folgten dem Zuge, der seine Kutschen und Wagen mitfühiie. Vor der ganzen Procession ging ein Haufen Reiterei. An beiden Tagen war ein sehr grosser Zusammenlauf von Volk ').

Unter den beiden Konigen Carl IlL und Carl IV. (1759—1808) wurden nach Llorente nur vier Personen lebendig verbrannt, diej lezte im Jahre 1781 als angebliche Hexe zu Sevilla').

Die Autodafe waren für die Spanier Lieblingsschanspiele, wie die Autos sacramentales, nnd wie die Stiergefechte. Bei festlichen ^'^ Gelegenheiten wurden solche Autodafes zum Besten gegeben, und diq f^« als Spanier meinten, dass die Fremden an ihnen denselben Geschmack findet Volks, sollten, wie sie selbst Als Philipp IV. im Jahre 1621 zur Regierung kam, gab die Inquisition zur festlichen Feier ein Autodafe zum Besten^ Eine Maria de la Concepcion sollte mit dem Teufel einen Bund gcH schlössen haben; dieselbe erhielt 200 Hiebe und wurde zu beständige!^ Haft verurtheilt'). Aehnliches war geschehen, als Philipp U. die Ke^ gierung antrat; als Elisabeth von Valois, die dritte Gemahlin Philipps 11.^ im Jahre 15C0 nach Spanien kam, gab man ihr zu Ehren u. a. Stier^ gefechte in Guadalaxara, ein Autodafe aber in Toledo am 2ö. Februail loCO'). Nach Llorente wurden hier Mehrere in ,^Person^, Andere inl „Bilde^^ verbrannt. Viele aber Bussen unterworfen. Aehnliches geschalt zur Feier der Heirath Carl's II. im Jahre 1680 mit Maria Luis^ Bourbon von Orleans^). Als der erste Bourbon Philipp V. im Jahre 1701 nach Spanien kam, wollte man auch ihm zu Ehren ein Autodafe auf- fuhren. (Er, ein Franzose, verbat sich diese Ehre)®).

Das war spanisch, sehr spanisch, katholich war nicht. Will man diese Form der Inquisition der katholischen Kirche aufbürden^

') </. D. Reu98, 1. c. S. 202—206, ans: Memorial literario instmctivo y curiofio de la corte de Madrid^ etc. Hayo 1784. p. 79 83.

') JJorente, IV, p. 93; 270. Ticknor-Julius, II, p. 359.

*) Llorente, III, p. 463.

*) Llorente, II, p. 884—385. TicknorJulius, II, p. 322.

») Llorente, IV, p. 3.

*) Llorente, fV, p. 29. Ticknor Julius, II, p. 351.

Die Autodaf(§8. Art des Verfahrens. 63

80 kann man ihr mit demselben Rechte auch die spanischen Stier- gefecbte zum Vorwurfe machen.

Die Autodafes waren in den meisten Fällen eine Art öffentlicher Kirchenbusse, womit geistliche Uebungen verbunden wurden. Die „Verbrecher mussten ihre frühem Irrthümer^ feierlich abschworen. Sie trugen ein Busskleid, genannt San Benito (Saccus benedictus, der hei- ^*^ lige oder geweihte Rock), dessen Gestalt und Verzierungen allerdings nicht nach unserem Geschmacke sind; aber „ländlich, sittlich^ '). Nach den Autodafe's kehrten die meisten der Schuldigen wieder in ihre Hei- math zurück, und Alles war vorüber, wenn sie nicht rückfallig wurden.

Man zählte in Spanien 14 Gerichtshöfe der Inquisition, die unter ^^^^®' dem obersten Gerichte in Madrid standen, Sevilla, Lebrija, Cordova, richu. Jaen-Granada, Toledo, Murcia, Valencia, Cuenca, Barcelona, Zaragoza^ ^^'<^- Valladolid, Santiago, Mallorca, Calahorra.

Nach Llorente zahlte man im Jahre 1538 19 Gerichtshöfe, zu Sevilla, Cordova, Toledo, Valladolid, Murcia, Calahorra, für Estre- madara, zu Zaragoza, Valencia, Barcelona, für Mallorca, für die Cana- rias, zu Cuen^a, Granada (womit Jaen vereinigt worden), für Navarra, Sicilien, Sardinien, auf dem Festlande und den Inseln America's. Nachher worden die drei Gerichtshöfe in Mexico, Lima und Cartha- gena errichtet*).

§. 28.

Jedes Inquisitionsgericht begann sein Verfahren damit, dass es für die Angeklagten eine Zeit der Gnade, etwa 40 Tage, verkündigte. Die Termine wurden oft verlängert. Wer vom katholischen Glauben ^J**^®»*- abgefallen war, aber innerhalb einer bestimmten Zeit sich freiwillig stellte, wurde vollkommen freigesprochen^. Als das Gericht von Ciadal-Real nach Toledo verlegt wurde (1485 1486), wurden drei Termine von je 40, 60, endlich von 30 Tagen gewährt*). Diejenigen, deren Vergehen bewiesen war, durften eingezogen werden. Die Mit- glieder einzelner Gerichtshöfe konnten nur mit Stimmeneinhelligkeit eine Verhaftung beschliessen. Die Verhöre mussten in Gegenwart von zwei Priestern stattfinden, welche Misshandlung und Willkühr abzu- wenden hatten. Der Ankläger musste einen Eid ablegen, dass ihn kein Privatbass zur Anklage treibe. Die Protokolle sollten den Ange-

■) Llarenie, „San-Benito" (Sac benit) t. I, p. 826—829. Es gab verschiedene Arten von San Benito's.

») IJorenie, II, p. 76-77.

»> Reu$a, Sammlung, S. 8, 11. lAorerUe, I, p. 152, 175.

0 Llorente, I, p. 237.

64 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.

*

klagten zweimal vorgelesen, und deren Inhalt von ihnen als wahr an- erkannt werden. ^*^ Der Angeklagte konnte Zeugen zurückweisen, welche er für seine

««^°- p^Jq(]^ hielt. Er konnte Entlastungszeugen sich ansbitten, welche be- rufen werden mussten, wenn sie auch in einem andern Welttheile sich befanden. Jeder Process wurde durch eine Keihe von Instanzen hin- durchgeführt. Nur wenige Inquisitionsprocesse (in der Zeit nach 1507) hatten den Tod der Angeklagten zur Folge. Vergleicht man damit das gleichzeitige Gerichtsverfahren in andern Landern, so wird man iiberrascht von dieser Milde.

Wahr ist, dass auch bei diesem Gerichte die Folter angewendet wurde. Aber kein weltlicher Gerichtshof hatte sie abgeschafft. Sie hörte bei der Inquisition, wie bei allen andern Gerichtshöfen, erst all- mälig um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts auf. Selbst Ziorente sagt: CS ist gewiss, dass seit langer Zeit die Inquisition auf die Folter verzichtet hat, so dass man sie in der That als abgeschafft betrachten kann*). Die Inquisition weiss nichts von all' den geschärften Todes- strafen, welche die peinliche Gerichtsordnung Carl's V. vom Jahre 1520 ^1^ kennt, nichts von Viertheilung, Raderung, Galgen, Wasser, Lebendig- ^ ^ begraben, Keissen mit glühenden Zangen, Abhauen der Finger, Ab- schneiden der Zunge und Ohren, u. s. w.

In einem und demselben Process durfte die Folter nicht mehr als einmal angewendet werden. Ein anwesender Arzt musste jedesmal bestimmen, wann sie aufzuhören habe, um nicht das Leben zu gefährden. Zwar hatten die im Jahre 1484 erlassenen ersten Artikel eine wieder- holte Tortur gestattet, aber sehr bald wurde davon Abstand genommen^). Schon im Jahre 1537 verbot der oberste Inquisitionsrath fast alle An- wendung der Folter gegen die Moriscos'). Bald darauf wurde ent- schieden, dass nicht die Provinzialgerichtshöfe, sondern nur der oberste Rath der Inquisition die Anwendung der Folter erlauben durfte, aber erst, nachdem der Angeklagte zuvor zu seiner Entschuldigung Alles vorgebracht hatte. Nach einer andern Verordnung sollten nur der Diöcesan - Bischof, die Consultoren und der Inquisitor auf Tortur er- kennen dürfen, und dieselbe nur in ihrer Gegenwart angewendet werden^). ^^^ ^ Die* Gefängnisse der Inquisition waren selbst nach Lhrente gut nisM. gewölbte, helle und trockene Zimmer, in denen man sich einige Be- wegung machen konnte °). Von Ketten, Handschellen, eisernen Hals-

') UoretUe, I, p. 305—306.

*) Llarente, I, p. 307. Eeuas, S* 23, Artikel 15.

') Lhrente, I, p. 415.

*) Lhrente, H, p. 317—318.

•; TAorente, I, p. 300.

Die Gefängnisse. Art des Verfahrens. 65

bäDdem war keine Rede'). Die Kranken wurden gut behandelt. Die Gefiingenen vmrden gefragt, ob der Kerkermeister sie gnt behandle.

Sohne und Tochter von Kezern unter 20 Jahren worden auch nach abgeiaofener Gnadenfrist gern zu Gnaden angenommen *). Knaben durften nicht Tor 14, Madchen nicht vor 12 Jahren die Häresie ab- schworen, am sie vor Gefahr des Rückfalls in dieselbe zu bewahren.

Der zweite Grossinqnisitor Deza Hess am 17. Juni 1500 u. a. <Jie Verordnnng ergehen, das Niemand wegen unbedeutender Anklagen, iucii nicht wegen Gotteslästerungen, welche im Zorne ausgestossen worden, eingezogen werden dürfe ^). Das tolle, wahnsinnige Benehmen mancher spanischer Häretiker, von denen z. B. nicht wenige bei oder ruieli der heiligen Wandlung auf den Priester sich stürzten, und ihm die consecrirte Hostie ans der Hand rissen^), zeigt eben, wie bei diesen Ilüreükem Wahnsinn epidepoisch war. Desswegen untersuchten die Inquisitoren genau den Geisteszustand der Angeklagten und Ueber- viiesenen, and bestimmten darnach ihr Verfahren'^)«

In seinen lezten Statuten vom 25. Mai 1498 verordnete Torque- mada, dasa bei jedem Gericht ein Jurist und ein Theolog, ersterer ge- v^ohnlich auch ein Kleriker, Inquisitoren sein sollten. Sie durften nur gemeinschaftlich auf Yerhaftung erkennen. Waren sie nicht einig, oder der Angeschuldigte eine distinguirte Persönlichkeit, so konnte nur der oberste Bath der Inquisition die Verhaftung anordnen^). Carl IV. verbot der Inquisition, Jemand zu verhaften, ohne dass der König da- von in Kenntmss gesezt worden^). Für die Verhafteten wurden be- sondere Verwalter ihrer Güter angestellt.

§. 29.

Den Inquisitoren waren die s. g. Qualificatoren an die Seite ge- ^^o bkllt, Professoren, Theologen, die nicht zum Gerichte selbst gehorten, ^"J)^ Mr Crntachten abzugeben hatten, ob gewisse, seien es gesprochene oder gedruckte Säze der Angeschuldigten, wirklich häretisch seien. Wenn sie diess verneinten, so unterblieb die Verhaftung. Erst wenn

rcn.

0 Lhrende, 1, p. 301.

^ Beu88, 8. 1&-16.

*) Art. 4. Reu88, S. 66. UorenU, l, p. 234, 330.

0 Don B^cmcisoo de Quevedo. Ein spanisches Lebeosbild ans dem sieb- »hoten Jahrhundert v. Baumstark. Freib. 1871, S. 130—143. Quevedo erklärt •Hr^ als Sucht, berflhmt ea werden , nnd meint, man solle Verbrecher dieser Art ciit Aosechlnss aller Oeffentlicbkeit hiDricbten.

*) lAorenie, II, p. 148-149.

') UorenU, II, p. 9—10, 29R.

') lAorenie, 11, p. 471.

GuM, ipM. Kirche. EL 3. 5

66 Dreizehntes Buch. Erstes KaiHtel.

andere Qualificaioren gefragt , and anders entschieden hatten, durfte eine Verhaftung stattfinden*).

Der achte Artikel der Statuten Tom Jahre 1498 verordnet, dass die ak falsche Zeugen Ueberwiesenen öffentlich bestraft werden sollen'). Bei einem Autodafe zu Sevilla im Jahre 1559 erhielt ein falscher zen^^n Ankläger 400 Peitschenhiebe, und wurde vier Jahre zu den Galeeren | boBtraa verurtheilt^). Ja, Papst Leo X. wollte am 14. December 1518, dass falsche Zeugen mit dem Tode bestraft werden soUen^). |

Zwei bei den Verhören anwesende Priester mussien Misshand- lung und Willkühr zu verhindern suchen^). Der dem Angeklagten beigegebene Anwalt musste schwören, denselben standhaft nnd treu zn vertheidigen. Bei armen Angeklagten bezahlte der Fiscus den Advo- caten*). Der Ankläger musste schwören, dass kein Privathass ihn treibe, dass er, wenn er verleumde, gewärtig sei, der schwersten Strafe diesseits und der ewigen Verdammung anheimzufallen. Den Verklagten Art des ^^urden in Gegenwart der beiden Priester die Protokolle nach dem fahrcna. Verhöre und wieder nach vier Tagen zur Verificirung vorgelesen"^). Dem Angeklagten, der noch nicht 25 Jahre alt war, wurde ein eigener Curator beigegeben®). Fällung j^ ^{q grösste Vorsicht war die Inquisition bei Fällung der

t^eiier Urtheile gebunden. Das Urtbeil erhielt nur Rechtskraft durch Zu- stimmung des Oberinquisitors nnd seines Käthes; früher war die8s nur bei den nicht einstimmig, später auch bei den einstimmig gefitösten Urtheilen der Fall ^. Die Urtheile mussten von den Consulenten, den Advocaten bei dem Obergerichte, die keineswegs Beamte desselben waren, geprüft werden. Zum zweitenmale wurden die Qualificatoren nach dem Verhöre gefragt, ob nach den gegebenen Erläuterungen eine Häresie vorliege, oder nicht. Ohne eigenes Geständniss war, die Uebei - Weisung der Eezerei äusserst schwierig ^^).

So leid es den Spaniern war, hörten die Päpste doch niemals auf, Appellationen gegen die Inquisition anzunehmen.

') UorerUe, I, p. 227; 297—299.

') JReu88, S. 60. Llarente, I, p, 232; 352.

») Uorente, U, p. 271.

*) Llorente, I, p. 417.

*) Llorente, I, p. 233.

«) Eeu88, S. 24; 164.

^ Camicero, Jos. Clemeni,^ la inquisicion jnstamenfee restablecida, 6 imptip:- nacion de la obra de D. «7. Änt lAarente: Anales de la Inqnisioion de Espaüa. Madr. 1816. T. II, p. 67—58.

•) Reuss, S. 156. Llorente, I, p. 294; II, p. 306.

") Llorente, I, p. 221; Reuss, S.. 41.

»•) Reuss, S. 21—22. Llorente, I, p. 227.

Die Zeogen. Art und Welse des Verfahrens. 67

Aber warum durften die Angeklagton nicht die Namen der Zeugen gegen sie erfahren? Schon im Jahre 1484 wurde geantwortet, weil mehrere Zeugen von den Häretikern, oder ihren Anhängern, Verwandten, getodtet, oder verwimdet und misshandelt worden*). Unter Carl V. verlangten die Cortes von Valladolid, Februar 1618, dass die Zeugen genannt werden. Die Nennung sei ,jjezt nicht mehr gefährlich, es sei denn, dass der Angeschuldigte ein Herzog, Markgraf, Graf, Bischof oder Prälat sei^^^. Der Beklagte hatte femer das Recht, die Personen zn nennen, welche er (ur seine Feinde halte, und deren Zeugniss er verwerfe, und sie wurden als Zeugen ausgeschlossen. Bei Zeugen, welche er nicht ausgeschlossen, musste das Gericht untersuchen, ob sie nicht personliche Feindschaft treibe^).

Die neuen Statuten vom -Jahre 1488 bestimmen zur Abkürzung der Processe: der Process müsse sogleich instruirt werden, damit die Gefimgenen nicht Grund zur Beschwerde hätten^). Dagegen durfte kein Process und keine Haft verlängert werden (Statut von 1488), wenn ein Zeuge gegen den Angeklagten aus weiter Ferne berufen werden sollte. Der Geüemgene sei nach Maassgabe dessen, was erwiesen worden, zu beurtheilen, und dann freizusprechen. Ein neuer Process könne nur beginnen, wenn neue Anklagen vorliegen^).

Das Statut Torquemada's vom Jahre 1498, das' auf einer Ver- sammlung zu Toledo berathen worden, verlangt Vorsicht und Kürze der Processe. Wenn aber einzelne Processe dennoch lange dauerten, so lagen änaeere Hindernisse vor, z. B. weite Entfernung der Zeugen. Zuweilen zögerte man auch, um dem Angeklagten Zeit zur Reue zu geben. Nach dßm Bekenntnisse und der Rene aber trat stets die Busse ein, welche im Allgemeinen in geistlichen Uebungen bestand^).

Zu Zeiten Torquemada's wurden wiederholt Klagen laut, dass den Inquisitoren die ihnen schuldigen Gehalte nicht ausbezahlt würden, nnd sie darum am Nothwendigen Mangel litten. Später verstummen diese Klagen, ohne dass man Grund hat, von Iteichthümem der In- quisition zu reden. Vielleicht hängt dieses Verstummen zusammen mit der Verleihung einer Canonicatspfründe jeder Oathedrale an die In- quisition^.

0 ReusSj 8. 23. Art. 16 der ersten Stfttaten. ■— Ranke, Ffirsfen nnd Völker , 1, S. 247.

^ JJorente, J, p. 379.

^ Llorente, II, p. 29 - 30.

«) Reu88, Samnhing, S. 39, Art 3.

•) Reuss, S. 40.

•) Reuss, S. 18; 58.

'} lÄorente, I, p. 217. „Die Finanzen des hciligeu A rotes waren so Hbel be- bteUt, dass die Gehalte der Inquisitoren, welche aus den Confiscationen bestritten

5'

68 Dreizehntes Bach. Eretes Kapitel.

Dass das Vermögen der Vcrurtheiltcu confiscirt, und die Kinder derselben ihres elterlichen Erbes beraubt wurden, war unstreitig eine harte Maassregel der Inquisition. Sie wird etwas gemildert durch die Erwagungy dass in Cadtilien schon vor Einführung der Inquisition die Güter der überführten Kezer eingezogen wurden^). Bei den Moriscos dagegen fiel diese Härte weg. Das Vermögen der Verurtheilten blieb deren Eindem^). Schon nach dem ersten Statut des Jahres 1484 (Art. 22) wird verordnet, dass die Inquisitoren für die Waisen der Ver- urtheilten Sorge tragen; sie sollen dieselben rechtschaffenen Personen empfehlen, welche sie erziehen, unterhalten^ und in dem katholischen Glauben unterrichten^). Sie sollen ein genaues Verzeichniss über diese dorver- Waisen und deren Zustand halten, welche „die Könige^ unterstüzeu, nrtheii- ^^^ g|^ ^ ^^^ Stand sezeu, dass sie entweder heirathen, oder in einen

teil.

Orden eintreten. In nicht seltenen Fällen liessen ,,die Könige^' die Güter der Verurtheilten deren Frauen und Kindern*), oder sie ver- willigten ihnen Pensionen aus ihrem Vermögen, oder Anweisungen auf^ bestimmte Summen, bezahlbar dem, der diese Anweisungen prasentirte.

§. 30-

Zahl der Opfer der Inquisition. Durch einen „frivolen ProbabilitätscalcuP^ kommt Llorente dazu;

DU

die Zahl der Opfer der Inquisition also zu berechnen:

Zahl dor

Verurtheilte, die in Person verbrannt wurden: 031* 912

im Bilde 017. 659

Begnadigte mit schweren Strafen 291. 450

Total: 341. 021^) Durch die genaue Angabe der Zahlen will er die Leser glauben machen, dass er die Opfer gleichsam selbst gezählt, dass ihm klar- redende Documente vorgelegen haben. Seine ganze Rechnung stüzt sich aber auf eine Angabe bei Mariana, dessen Worte er nicht so last missverstanden, als schmählich verdreht hat. Mariana lebte ein Jahr- hundert nach Torquemada, kann also in keinem Falle ein zuver- lässiger Zeuge sein.

werden sollten, gewöhnlich im Rückstand bliebeiu* -> Ose Peschel, Zeitalt. iL Entdeck., S. 152. Zam Ganzen s. Hefde, S. 304-322.

') Ordenan^ reales, Lib. 8, tit. 4.

*) Llorente, I, p. 448—449. Gondicion moral de los Moriscos de Espaua, causasde sn expiüsion, y coDBecnencias qae esta prodnjo en el 6rden econömico y politico; D. Floreneio Janer, Madr. 1857.

») Beu88, S. 31—32. Llorente, I, p. 182.

*) Llorente, p. 216—217.

') Llorente, IV, p. 271.

Zahl der Opfer. G9

Wir haben aber die Aussagen dreier zur Zeit der Einfiihrung der Inquisition lebender Schriftsteller, deren übereinstimmendes Zeugniss Zuerst gehört werden mnss.

Luc. Mdrinms Sietdus schrieb „de rebus Hispaniae", 22 Bücher, 'jj^'^*" Er bezeugt, dass in Folge der Inquisition in Andalusien etwa 17.000 Per- siouius. sooen ihre Irrthümer abgeschworen haben , dass sehr Viele geflohen, und man etwa 5000 leere Hauser gezählt habe« Von den Hartnackigen seien im Laufe weniger Jahre 2000 Personen beider Geschlechter ver- brannt worden *).

üebrigens schiebt auch Marineus die Einfuhrung der Inquisition iälschlich dem Papste zu, der sie bloss concedirte^.

Heman dd Pulgar, Chronist der „katholischen Konige", spricht ^"*«*^' sich in ähnlicher Weise aus^. Er sagt: „Von den Verurtheilten warden zn verschiedenen Malen, und in einigen Städten und Orten gegen 2000 Männer und Frauen verbrannt; andere wurden zu bestän- digem Gefängnisse verurtheilt, andern wurde als Busse aufgegeben, dass sie alle Tage ihres Lebens einherwandelten, gezeichnet mit grossen farbigen Eo-euzen, die sie auf der Brust und an den. Schultern tragen sollten*).

Ans der gleichzeitigen Chronik des A. Bemaldez will Llorente ^^l ^issen^ dass von 1482 1489 jährlich 88 Personen in Sevilla verbrannt des. worden. Im Jahre 181$ (und 1851) war das Werk von Bemaidez noch nicht gedruckt. Es erschien erst im Jahre 1856 zu Granada ^). ~ Bemaldez zählt vom Jahre 1481-^ 1488 einschliesslich acht Jahre. Id dieser Zeit, sagt er, verbrannten sie mehr als 700 Personen, ver- söhnten mit der Kirche mehr als 5000, schlössen (andere) in Gefäng- nisse^ in welchen sie vier oder fünf Jahre oder länger verweilten.

') Quorum (obstinatomm) pancis annis atriasqne sexus millia dno combuata faemnt (Andere durften in den Gefängnissen fortleben.) Luc Marin. SicuLus^ de ^bas Hispaniae memorabilibns 1. 22. ^ ap. Schott., Hispaniae illnstratae, t. I. 1. 19, p. 483 (p. 291—518).

^ Papa inqnisitionem fieri diligenter et animadverti jabebat Bex et regina soctoritate jnflsnqne Pontificio inqnisitoribas hanc ordinem et hanc legem ätataerunt (p. 482—483.)

*) Corönica de D. Fernando y D. Isabel^ Valencia 1780 foL sonst flOschlich BDter dem Namen des Ad. Anton, v. Lebrija dtirt, der das Werk herausgab, aber nicht verfasste (oben III, 1, p. 446).

0 Pulgar, Crorönica de los reyes Gatölicos« -- P. segnnda, cap. 77, p. 137. l^tM fd^n qnemadoB en diversas veces y en algunas cibdades ö vUlas, fasta dos mil homes ö mageres: d otros fneron condenados d carcel perpetoa, 6 k otros fuö dado per penitencia, qne todos los dias de an vida andovieaen sefialados con cruces graodea coloradasi pnestas sobre ans ropaa de vestir en loa pechoa y on las eapaldas.

^) In zwei Banden nnd in achlechter Aosatattnng. Andr^ Bemaldez^ Historia <le loa reyes Catoliooa D. Fernando y D. Isabel, Corönica inödita del Siglo XV, 2 tom., Graaad. 1866.

70 Dreizt'lintcs Buch. Erstes Kapitel.

In diesen acht Jahren verbrannten sie in Sevilla drei Priester^), und drei oder vier Mönche^)» alle aus der Klasse derer, die (ihre Häresie) eingestanden hatten. Sie verbrannten auch einen Doctor (Frayle) der Trinitarier, mit Namen Savariego. £r war ein grosser Prediger, nnd ein in Künsten der Verfahrung grosser Häretiker. Sie verbrannten auch ungezählte Gebeine in den Vorstädten de la Trinidad, von San Angustin nnd San Bemard, Gebeine derer, die überwiesen worden, und welche dort nach jüdischer Sitte waren beerdigt worden^). Sie verbrannten auch ,,in efißgie^^ viele überwiesene, aber entflohene „Ju- den'^ Aus acht Jahren macht Uorente sieben Jahre, und theilt dem Jahre 1481 noch 298 Verbrannte bis zum 4. November 1481, und ausserdem noch 2Ü00 Verbrannte zu. In der That aber dürfte die cbronut -^^g^be des Bemaldez das Richtige treflfen, so dass auf jedes der acht A. Her- Jahre im Durchschnitte 80 (nicht 88) Personen kamen. Daneben uaidoz. ^^j^j^ richtig sein, dass im Jahre 1481 allein 298 Personen verbrannt wurden. Dann treffen eben auf die folgenden sieben Jahre im Durch- schnitte 60 Personen^).

§. 31.

Bei der Frage nach der Zahl der Opfer sind wir weiter auf eine

Inschrift hingewiesen, welche angeblich im Jahre 1.524 über den Thoren

des Castells von Triana zu Sevilla gesezt wurde. Die Inschrift lautet:

An eb- "^™ Jahre des Herrn 1481, als Sixtus IV. Papst, Könige vou

liehe In- Spanien und heider Sicilien die Katholischen D. Fernando nnd D. Isabella

^ waren, nahm hier das geheiligte Tribunal der Inquisition gegen die

judaisirenden Eläretiker seinen Anfang; wo nach der Vertreibung der

Der

srhrfft in Se Villa.

*) Tres Gldrigos de Missa.

') Frailes.

') DiOBS ist wieder jene spanische Härte, welche unserem christlichen und na- türlichen Grcfühlo widerstrebt, die wahrscheinlich denjenigen weniger anstössig ist, welche die Leichenverbrennung in unsem Tagen in Deutsohland einführen wollten. Es ist eine Härte, wie wir sie bei Canon 2 und 3 der Synode von Elvira (306) gefunden, nach welcher auch den Reuigen auf dem Todbetto die heilige Gommunion nicht gereicht werden soll.

*) BemcUdeZf I, cap. 44. De como comenzaron en Sevilla a -prender, quemar, y reconciliar los hercges JudilicoB ~ p. 102. Qnemaron mas de setecientas porsonas, y reconciliaron mas de cineo mil; en Sevilla en tomo de aqaellos ocbo afios quemaron a tres ClörigoB de Missa, e tres o cnatro Frayles todos de este linagc de los confesos e quemaron an Doctor Frayle de la Trinidad, que clamaban Sava- riego, que era an gran prcdicador y gran falsario herege engafiador: quemaron in- finitos hnesoB de los corralcs de la Trinidad y San Agastin e San Bernardo de los confesos, que alli se habian snterrado, cada ano sobre si al aso judayco, e aprego- naron, c quemaron en estatua a muchos qnehallaron dafiiados de losjudioshuydos. cf. Aufgabe von Sevilla, J. 1870, l, p. 133.

Zweifel an der

Die Inflcbrift zu Sevilla. 71

Joden and Maaren bis zu dem Jahre 1524, als der göttliche Carolus :d5 römiflcfaer Kaiser, von mütterlicher Seite her der Erbe der katholi- schen Könige regierte, Generalinquisitor der ehrwürdigste Don Alfonso le Maorique, Erzbischof Ton Sevilla, war, schwären 20.000 und mehr lläreüker das schreckliche Verbrechen der Häresie ab, von Allen aber wurden mehr als 1000, die in ihren Häresieen verhärtet waren, nach >i(m Rechte dem Fener übergeben und verbrannt.

Mit Hilfe und Forderung der Päpste Innocenz VIII., Alexander VI., Pias III., Julius IL, Leo X., Hadrian VI., welcher als Cardinal Statt- halter von Spanien , und Generalinquisitor zur päpstlichen Würde er- hoben wurde im Auftrage und auf Kosten unseres Herrn des Kaisers iiess der lacentiat de la Ctteva diese Inschi'ift sezen, und es dictirte •iieselbe Didacus von Cartagena^ Erzdiacon von Sevilla, im Jahre des Herrn 1524/'

Der Wortlaut dieser gewöhnlich als acht angenommenen In- schrift erweckt viele Zweifel an ihrer Aechthelt, Zweifel daran, ob sie A«cht. ms dem Jahre 1524 stamme. Wurden die katholischen Könige Konige beider Sicilien genannt? Sind die Worte: Divo Carolo umc Regnanti (für Regnante?) im Jahre 1524, überhaupt zu Lebzeiten ^arFs V. angewendet worden*)? Selbst der angebliche Verfasser it'f Inschrift hat seinen Namen nicht richtig dictirt. Denn er hiess nicht Didacus de Cariagena, sondern de Cortegana^^. Im besten Fälle haben wir also eine äusserst misslungene Copie der Inschrift vor uns , oder die Inschrift ist ein Machwerk jener Gesellschaft von Falschem, die seit dem Ende des sechszehnten Jahrhunderts Spanien mit ihren erdichteten Chroniken, Schrift;en und Inschriften überschwemmt und belogen haben. Die Zahl von 1000 Personen aber, welche zu Sevilla in den Jahren 1481 1Ö24 verbrannt wordep, dürfte der Wirk- lichkeit annähernd entsprechen, da wir der erwähnten Angabe des ^VTnaW«5 von 700 Verbrannten (von 1481 1488) ohne Bedenken glauben.

Auf die Aussagen des Luc. Marineus und Pulgar gestüzt, sagt Auga- liun J. Mariana y dass mehr als 17.000 freiwillig ihre Schuld bekannt, j^^^j^^^^^ ^'XX) aber verbrannt worden seien^ während eine grössere Anzahl sich 0 lebend in die benachbarten Provinzen zerstreut habe^).

') Die Worte: ab Alfonso Manrique Fidei officio pra^fecto passen eicht in den ZasammeDliang. Sodsim die Worte: omniom fere M. (mille) obstioa- t</nim tgmbuB tradita simt et combusta, sind sprachlich kauiA richtig. Was sechs Pipste Bolt dieser InBchrift zu thun haben, leuchtet nicht em.

*) Anales eelesiastieos y aecularea de Sevilla^ formad. per Didacus Ortiz de Zo%a, corregidos p. A. M. Espinosa y Carzd, t. IIT, p. 836-^337. Madrid 1791—92. «Die erste Aasgabe dieses Werkes erschien in einem Fol. zu Madrid im Jahre 1677). Vgl. Didacus lafptx de Coriegana bei Nicol Antonio ^ Bibl. nova, I, p. 205*

*) MariaMf de rebus ffispaaiae, 12^ 17: ATarrecremataedictispropoBita spe

72 DrcizchntcB Duch. Erstes Kapitel«

Wir finden in den Aussagen des Marineus, Pulgar j Bemaldez, der angeblichen Inschrift, and Mariana's keinen Widerspruch. Un- streitig fanden am meisten Hinrichtungen zu Serilla in den Jahren 1481—1488 statt Von 14S8— 1524 mögen noch etwa 300 Personen daselbst das Opfer der Inquisition geworden sein« Auf das iibrige Spanien kommen dann gleichfalls etwa 1000 Personen. Unter diesen waren die 52, welche nach Paramo za Ciudad real, die vier (nach Llorente 27), welche zu Toledo'), und die vielleicht 200, welche zn Saragossa im Jahre 1486 hingerichtet wurden. Diese aber waren nicht so fast Opfer der Inquisition, als Mitglieder einer grossartigen Ver- schwörung, als deren Opfer der heilige Petrus Arbu^ fiel. c. 2000 d{q Zeit, innerhalb welcher in ganz Spanien an 2000 Personen

brannte, vou der luquisition verbrannt wurden , beginnt mit dem Jahre 148 1 , und geht jedenfalls nicht über das Jahr 1524 hinaus. Wir stimmen hier dem Protestanten Oscar Peschd bei, der sagt, dass bis etwa zn Isabella's Tode (1504) 2000 Personen den Feuertod erlitten haben«).

§. 32.

Troz dieser klaren Zeugnisse glaubt die grosse Masse treuherzig dem A. Llorente. Denn sie will sich eben von dem prachtvollen

veniae, homines promiscoae aetatis, sexos, conditionis ad deoem et septem millia ultro crimina confessoa memorant: duo miUia crematos igne^ majori samero in vicioas provincias faga dilapsos.

') ParamOy de origine inquisitionis, p. 170. Die Inquisition warde im April 1483 zu Villareal (später Cindad real) eingesezt, von da im Mai 1485 nach Toledo übertragen. In Givifate regia (nbi duos dmravit annos), qainqnaginta duo haeretici, in erroribus pertinaces, flammis faere addicti, qni sua pemicie non content!, alios in crrores inducebant: bis centum et viginti absentcs damnati, centom oetoginta tres ex erroribus, et baeresibos, quibus erant infecti, Inquisitorum studio et diligentia, ad fidei Gatholicao veritatem redacti. Von Toledo aber sagt er: Brevitatis ergo so! um de qaatuor famosis Haereaiarchis mentionem faciam. Sigmund Aiquer, aus Sardinion, war der erste; GelasiusDus, ein Belgier, wohnte in Ocafia; der dritte war ein Franzose, der Doctur Hngo Celans, ein Recbtsgelehrter. Der vierte Haeresiarcha^ Franc. Rol, aus dem Orden N. (Norbertiner?), stammte aus der Provinz Estrema- dura und war ein „Lutheranus haeresiarcha^, mnss also nach dem Jahre 1517 auf- getaucht sein.

') Ose. Pesckd, das Zeitalter der Entdeckungen, 1858, S. 151. ,£s ist sittlich ganz gloichgiltig, wie gross die Zahl der Verbrannten gewesen sei, nur darf man nicht dulden, dass Llorente (Histoire de P Inquisition, t I, p. 229 und 280) durch einen frivolen ProbabiiitStscalcnl 10.220 Personen ermitteln will, die bis zum Jahre 1498 den Feuertod erlitten hatten, weil eine Inschrift auf dem Inqnisitionsgebäudc von Sevilla (bei Zuntga, Anales, tom. III ad ann. 1524) von 1000 Verbrannton bis zum Jahre 1524 spricht. Die Zahl von 2000 für sämmtliche Inqaisitionshdfe bis etwa zu IsabeUa's Tod kommt dagegen der Wahribieit am n&chflten; sie findet

Llorente bomo mcndax. 73

Steckenpferde der blutdurstigen Inquisition nicht trennen. Wir geben onr einige Illustrationen seiner „Erdichtungen^^ ^). Er sagt, die In- qoisition habe allein im Sprengel von Sevilla und Cadix im Jahre 1481

2000 Personen verbrannt, und citirt den Mariana, Dieser aber "•'*•"• spricht von der ganzen Zeit von 1481 1498 oder 1501, ja vielleicht route. nicht einmal mit Beschränkung auf diese Zeit, und von ganz Spanien«

Auf dieser Zahl 2000 und dem Jahre 1481 baut Llorente weitere Schlüsse, d. i. Luftschlosser auf. Er widerspricht sich auch selbst, indem er anderswo sagt, das neue Tribunal h^be bis zum 4. No- vember 1481 schon 298 Personen verbrannt. Dann meint er, die an- dern 1700 seien ausserhalb Sevilla's verbraunt worden. Ek* vergisst nar, dass er früher gesagt, vor dem Jahre 1483 habe nur das einzige Tribunal von Sevilla bestanden^*

Verwegen ist es, wenn Llorente jedem der drei ersten Gerichts- hofe (nach Sevilla) Cordova, Jaen, und (Ciudad real) Toledo durch- schnittlich 44 Verbrannte im Jahre zuweist; noch verwegener ist es, nachdem die Zahl der Tribunale von 4 auf 1 1 erhöhet wurde, an dieser rein willkuhrlichen Zahl von 44 für jeden der 1 1 Gerichtshofe fest- halten zu wollen, als ob die Vermehrung der Verbrecher mit der Ver- mehrung der Zahl der Gerichtshofe gleichen Schritt hielte. Ausserdem zahlte Gastilien fünfinal mehr Juden, als Aragonien.

Llorente lässt in den Jahren 1483 1498, in der Zeit Torque- ?*• *^' mada's 8800 Personen im Feuer sterben, der Grausame 1 der es sich an genuo- 200O Verbrannten nicht genügen liess. Llorente konnte unter den zahl- *'•"•*'•• reichen durch den dritten Grossinquisitor Ximenes gefällten Urtheilen kein einziges Todesnrtheil auffinden. Trozdem ist er verwegen genug za behaupten, es seien unter ihm ebensoviele hingerichtet worden, wie unter seinem Vorgänger Deza. Aber „getreu dem Principe, welches ihn stets den massigsten Berechnungen den Vorzug geben lässt'^, lässt er in den 1 1 Jahren der /Imtsverwaltung des Ximenes nur 2536 Per- sonen in Wirklichkeit, 1368 im Bilde verbrannt werden, 47.263 zu Bussen verurtheilt, im Ganzen 51.167 gestraft werden^). Darnach muss man es noch als eine besondere Gunst betrachten, wenn Llorente die Zahl der Opfer der Inquisition während der ganzen Zeit ihres Be- standes nur auf 31.000 schäzt Diess ergäbe für das Jahr 74 Hin-

sich bei Pulgar ^ Beyes Catöl. part II, cap. 57; L. Marinei Siculi, Memorab. Hb. XIX, fol. 109 verso; Mariana , de rebas Hispanfae, lib. XXIV, cap. 17. Ebenso b&lt Maurenbr edier , Stad o. Skizzen zur Reform. Greschichte, 1874, dio Zahl TOD 2000 Opfern für die richtigste, S. 17-18.

') S. das Nähere bei Hefele, der Card. Ximenes, 1851, 8. 2G6>267; 317, 330, 339-849.

») Llorente, I, p* 149—150, 160.

') Llarenie, i p. 360; IV, p. 256.

74 Drcizolintes Buch. Erstes Kapitel.

richtangen. In dieser Zahl begreift Uorente alle Kezer, Zauberer, Hexen, Gotteslästerer, Sodomiten, Vielweiberer, Wucherer, Schmuggler, deren Verbrechen in gewissen Provinzen oder in ganz Spanien der In- quisition zugewiesen waren. Dem gegenüber stellen wir die Meinung oder die Behauptung auf, die Zahl der Opfer der Inquisition von 1 181— 1504 betrug etwa 2000, die Hälfte davon entfiel auf Sevilla, die andere Hälfte auf die übrigen Gerichtshofe. Für die Zeit von 150 i 1758 nehmen wir wieder nicht mehr als 2000 Opfer an, aber nicht eingerechnet diejenigen, welche wegen anderweitiger Verbrechen hingerichtet wurden. Denn dass man 'sogar den Wucher und den Schmuggel bei den Gerichten der Inquisition einschmuggelte, ist auch wieder spanische Sonderbarkeit oder Eigenart.

§. 33.

Hieron. Zurita und L^id. Paramo lebten ein Jahrhundort nach Einführung der Inquisition. Sie können nicht mehr als eigentliche Quellen oder Zeugen für die Geschichte dieser Einfuhrung beni'izt werden; doch wollen wir auch ihr Zicugniss anführen. Zvrita hat vor Paramo geschrieben. Lezterer hat sich auf Zurita mehrfach bernfen, ihn auch vorkommenden Falles berichtigt^). Zurita war selbst Secretär bei der Inquisition*), und erhebt, wie wir schon gehört, die- selbe mit den grössten Lobsprüchen. Ueber die Zahl der Opfer schreibt er: „Die Strafe der Delinquenten war so exemplarisch , dass, wie sie schreiben, allein bei der Inquisition in Sevilla, seitdem die gegebene Gnadenfrist verstrichen war, bis znm Jahre 1520 mehr als 4000 Per- sonen verbrannt, mehr als 30.000 mit der Kirche ausgesöhnt wurden ^). Diess steht fast wörtlich so auch bei Paramo. Da die erste Auf- lage der Annalen des Zurita in den Jahren 1562 1580 gedruckt wnrde, so scheint mir, dass Paramo auch diese Angabe über die 4000 ans Zurita entnommen; was dieser aber in unbestimmter Weise gesagt^) hatte, als bestimmte Thatsache ausgesprochen, dadurch aber mit sich Paramo! ^clbst in Widerspruch gekommen, da er in demselben Capitel nur 2000 Opfer der Inquisition nennt Zurita lugt noch bei: Bei einem Schriftsteller, welcher in dieser Bezifikxmg sehr fleissig ist, findet man die Versicherung, man dürfe für gewiss halten, dass bloss in dem Erz-

') Paramo, de origine, p. 140: Zurita non parum hallaeinatas est

*) lAorente, II, 136.

^ £1 castigo fue tan exemplar en los delinquentes, qua 60 qaemaron, segun escriven, en sola la Inqnisiclon do Sevilla , dcsde qne passaron los termines de la gracia basta el afio 1520, mas de quatro mil personas, y se recoDciliaron mas do treiut-H mil. Zurita, Anales do Aragon, t. IV, p. 324.

*) Scguu escriven wie sie sclireibcn.

Die AuBsagen Zurita*8 nnd Paramo's. 75

bisihame Sevilla, unter Lebenden, Todten und Abwesenden, mehr als 100.000 Personen als jadaisirende. Häretiker erfanden worden, sammt den mit der Kirche wieder Versöhnten'). Zurita nennt den Namen seines Autors nicht, er nennt diejenigen nicht, welche 4000 (statt 2000) schreiben. Darum können wir auch seinen Aussagen keinen Glauben schenken. Er hat wahrscheinlich nach der blossen Erinnerung ge- schrieben, und sich getauscht; möglich ist bei ihm auch, dass er mit Bewnsstsein die Zahl verdoppelt hat Mit den Worten: „wie sie schreiben^' erklärt er aber, wie Mariana mit den Worten: „wie sie be- richten^% dass er selbst keine nähern Untersuchungen angestellt habe.

2!urita ist auch der einzige Schriftsteller, welcher bei dem Be- richt über die Thätigkeit des Petrus Arbuös von dem Vorschreiten gegen „Viele^^ (Personen) redet, welche in üblem Rufe (der Häresie) standen^. Da er mit dieser Aussage allein dasteht, so darf seine Aus- sage nicht maassgebend sein. Wir wollen hier nicht übersehen, dass unter mehreren Biographien des Heiligen, die um das Jahr 1664 aus Anlass seiner Seligsprechung in Italien erschienen, eine derselben von"^-^®^' „vielen" Opfern der Inquisition unter Arbues redet^). Diese Stelle ],ui«. aber wird neutralisirt durch die andere Stelle der Vita brevis: Pau- corum supplicium multorum mentes percussit (s. oben S. 27).

Haben wir oben diese Worte auf die ähnlich lautende Stelle bei Mariana zurückgeführt^), so fuhren wir obige Worte auf Zurita zurück^). Ohne Uebertreibung aber glauben wir sagen zu dürfen,

0 Hallaso memoria de autor, en esta parte may diligente, que afirma, qae 80 ba tener por cierto, qne solo en el Arzob. do Sevilla, cntre vivos y muertos y absentes fueron condenados por bereges, que judayzavan, mas de cien mil per- sooas, oon los reoonciliados al ^remio de la Iglesia, IV, p. 324. Aus der AnfÜhrnng dieser Worte bei Frescott^ (fl, p. 141): otro autor, A quien cita könnte man meinen, dass Zurita den Namen dieses Autor^s nenne.

^ Zurita, IV, p. 342: proceder al castigo de muchas personas, qae estavan infamadas, e convencidas de aver jadayzado. (Seine Ungenauigkeit zeigt sieb auch darin, dass er den Petras Arbuöa am 14. September, statt am 17. des Jahres 1485 sterben lässt Unrichtig ist ferner, dass er einen Tag nach der Verwandung starb; denn er wurde in der Nacht vom II. aaf den 15. verwandet; und starb am 17. Sept).

') In assumpto mnnere et officio inquisitoris adeo mirabiliter magna cum constantia se gessit, at palam omnibos accaratus aemulator ezaltationis sanctae fideiy et acerrimus pcrsecutor haeresnm apparaerit, ejusqne diligentia ac solicitudine brevi tempore malti haereticl, apostatae et reUpsi debitam saoram criminum poenam taerint, oberrimom fractom et evidentem ntilitatem demonstrando, quae taue et in futorum in dies ezerescero debuisset ex ipsa erectione tribunalis sanctae inquisitionis in istis rcgnia. Acta Sanctor. Septemb. t. V, p. 733 (s. Zdmgiebl, I. c. S. 29; Mfinch. 1870).

*) Mariana: nonnullis irrogata suppiicia (XXV, 8). Die „Vita brevis*: Panconun suppliciam.

*) Zurita: el castigo „de muchas personas** das s. g. Jnstrumentum^ bei den Bollandisten: multi haeretici poenam luerint

76 Droizcfantea Buch. ErstCB Kapitel.

dass Zuriiaj der Secreiar and Lobredner der Inquisition, in dieser An- gelegenheit Neigung zu Uebertreibungcn kundgebe.

§. 34.

Lttd. Paramo endlich stimmt in der Angabe der Zahl der Opfer zunächst mit Marineus , Ptdgar und Mariana^). Er scheint aber den Widerspruch nicht zu fühlen, dass er wenige Zeilen später nur in der Stadt Sevilla allein bis zum Jahre 1520 4000 Personen verbrennen lässt^). Er, ein Inquisitor, wie Zurita, scheint in der grossen Zahl der Opfer ein besonderes Verdienst der Inquisition zu sehen, oder jener „Abschreckungsthcorie^^ zu huldigen, nach welcher die Inquisition im Anfange sehr streng vorging, um nachher Milde walten lassen zu können»).

So glaube ich denn bei der Zahl der 2000 Opfer für die Jahre 1481 bis c. 1504, bei der gleichen oder geringern Zahl für die Zeit von 1504 1758 stehen bleiben zu sollen.

§• 35.

Niemand hat die Opfer gezählt, welche dem Hexenglauben in Deutschland fielen. Aber dass es mehr als 4000 Geopferte waren, werden wohl die Meisten zugeben. In der kleinen allzeit protestan- tischen, aber nicht aUzeit aufgeklärten Reichsstadt Nördlingen wurden in den Jahren 1590 1592 32 Hexen verbrannt, angeblich um die Hexerei mit Stumpf und Stiel auszurotten. Es wuchsen aber wieder andere Hexen nach. In der kleinen, allzeit katholischen, aber nicht allzeit aufgeklärten Reichsstadt Rottweil wurden im sechszehnten Jahr- hundert innerhalb 30 Jahren 42, im siebzehnten Jahrhundert in

*) Lib. II, Tit II, cap. 4 p. 139: Honim dao oirciter millia diversis tem- poribna, civitatibiiB, atqae lools igni traditi, ac etiam combusti sunt, alii perpetuis carceribos manoipati, aUi tandem saccis benedictis indati. Es ist klar, dass dem Paramo die Chronik Pulgar's vorgelegen. ^ In Betreff jener %ber, deren Gebeine ausgegraben wnrden, sagt er, abweichend ron Bemaldez: »hi fuerunt numcro non paaci.*

*) In Bispalensi dantaxat civitate usque ad annnm 1520 snpra qaatoot millia cremati essent p. 140. Er combinirt hier die beiden Angaben bei Zurita and in der s. g. Inschrift von Sevilla vom Jahre 1524.

*) Paramo: Sic enim iilis temporibas tummopere expedire videbatar, ut paulo severiora in aliumm terrorem supplicia ederentar. Sicqne pii Uli patres magnam post cdietam haereticoram cdidorunt stragem, Biiorumqne assessornm consilio, qoi Jurisconsulti orant, juris limites in processibus facicndis ad versus reos non exce- debanC. Severe tarnen ac sancto christianam rempublicam exporgarnnt, ac etiam expiarnnt. P. 139.

Hexeo boi Katholiken and Protestanten. 77

48 Jahren 71 Zauberer ond Hexen verbrannt. Bei einer Bevülkernnü von nar 100.000 Seelen des Fürstbistbums Bamberg erlitten in don Jahren 1627—1630 285 Personen aus allen Standen den Tod. Sonst rühmten sich die Protestanten, jeden Wahn und jeden Aber- glauben abgeschüttelt zu haben, dem die Katholiken huldigten. Aber in unseligem Wetteifer jagten sie diesem Wahne der Hexenverfolgung nach*). (Dass Dr. Luther fest und standhaft an die Hexen glaubte, ist ja allbekannt). In dem allezeit protestantischen, aber nicht allzeit auf- geklärten Herzogthnm Braunschweig liegt die kleine Stadt Wolfen- büttel. Bei dieser Stadt stand der s. g. Hexenwald. Die zum Tod Verortheilten wurden an einen Pfahl gebunden, und von unten herauf langsam verbrannt, wenn sie bekannten, oder .wenn sie hartnäckig und unbussfertig blieben, d. h. wenn sie standhaft genug waren, troz Fol- tern und Martern an dem Bekenntnisse ihrer Schuldlosigkeit festzu- halten. Jener Hexen wald war nichts anderes, als eine Unzahl von Pfählen, welche von dem Feuer geschwärzt waren, in dem jene Armen verbrannt wurden. Das au%eklärte Publikum in Deutschland möge der einheimischen MiserabUitäten eingedenk sein; auch nicht vergessen, dass der Boden von Deutschland bis zum Morgengrauen des neun- zehnten Jahrhunderts mit hochragenden und weithinleuchtenden Galgen bede^t war (gemäss der s. g. Abschreckungstheorie), an denen gewisse Vogel des Himmels Nahrung suchten*).

Während die Katholiken und Protestanten Deutschlands, die Protestanten im Bunde mit dem Auslande, mit dem lutherischen Schweden und dem katholischen Frankreich den dreissigjährigen Krieg der Vernichtung gegen einander führten, der Deutschland in eine Wfiste verwandelte, horten auch in dieser traurigsten Z^eit die Hin- richtungen der angeblichen Hexen und Zauberer nicht auf. Geständ-

*) Der Protestaat Schock sagt: Die Zahl aller je in Spanien hiDgerichteten Jaden, Manren (?) nnd Kezer (nach Llorente's Angabe 31.382) ist nicht so gross gewesen, wie die der unglficUiehen Weiber, die in Deutschland im siebzehnten Jihrhimdert verbrannt worden.

*) Doch nicht jeden Wahn, dem die deatschen Protestanten huldigten und huldigen I haben sie von den Katholiken entlehnt Der Hezenwald ist gefiUlt und gefallen. Aber die Stadt Wolfenbüttel hat einen nicht unverdienten Ruhm wegen ihrer Bibliothek. Bei einem Besuche dieser Bibliothek vor vielen Jahren wurden wir (meine Begleiter nnd ich) mit grosser Höflichkeit behandelt, und konnten mit Masse von Allem Einsicht nehmen. Wir sahen auch die an einer Kette befestigte Bibel, nnd auf unsere Frage: Was dieses bedeute? erhielten wir die Antwort: So wollen es eben die protestantischen Herren und besonders die Damen haben, deren Glaube, dass die Bibel för die Katholiken angeschmiedet gewesen, oft fester bt, sIs ihr Glaube an den Inhalt der Bibel; man mfisse ihnen dieses Steckenpferd lassen. Sie sehen sieh diese angeschmiedete Bibel an, und wenden den übrigen Kostbar- ketten der Bibliothek ein geringes Interesse zu.

ceaso.

78 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.

nisse zu erpressen, war eine leichte Sache. Denn die Beschuldigten wurden so lange und so unmenschlich gefoltert, bis sie zu allen An- klagen: Ja sagten. Denn dann wurden sie von den Foltern befreit, mit welchen verglichen der Feuertod ertraglich zu sein schien; jeden- falls war die Qual bälder beendigt.

§. 36.

Goamor Wer waren aber die ersten, welche gegen das Unwesen, gegen

HelTcn ^^® Orausamkeit der Hexenprocesse in Deutschland ihre weheklagende pro- und ihre anklagende Stimme erhoben? EJs waren katholische Bischöfe, katholische Priester, und es ist schrecklich anzuhören es waren Ordenspriester, sogar Jesuiten waren es. *— Die Herren von der Ge- rechtigkeit, die Juristen kamen sehr langsam nachgehunken. Der katholische Priester Cornelius Loos zu Mainz (f 1693), der Jesuit Adam Tanner (f 1632), der Churfiirst Johann Philipp Schonbom von Mainz (f 1673), besonders der Jesuit Friedrich von Spee (f 1635), der liebliche Sänger der „Truz- Nachtigall'^ standen in den vor- dersten Reihen der Kämpfenden, zu einer Zeit, wo deijenige sich der Gefahr aussezte, selbst auf die Folter gespannt, und an langsamem Feuer gerostet zu werden, der da behauptete, es gebe überhaupt in Deutschland keine Hexen und keine Hexenmeister. Friedrich Spoe hat mitten unter den Greueln des dreissigjährigen Krieges sein Werk über, d. i. gegen die Hexenprocesse zuerst im Jahre 1631 erscheinen lassen^). Er klagt, dass seine Haare vor der Zeit ergraut seien, im Anblicke dieser Greuel. Blr hatte in den Jahren IG21 1628 an 200 Personen von jedem Stande und Range zum Tode v<Mrbereitet, und zum Scheiterhaufen geleitet, welche er alle als unschuldig gefunden hatte. Der (spätere) Erzbischof Schonborn von Mainz, welchem sieh Spee als Verfasser dieser Schrill entdeckte, suchte in seinen Landen dem Unwesen abzuhelfen. Sonst wurde die Schrift des Fr. Spee sehr kalt aufgenommen. Wie hätte es in einem Jahrhundert anders sein können, von dem der Protestant Horat^) sagt, dass damals in den Burgen der Ritter, in den Palästen der Grossen, in den Bibliotheken der Gelehrten, auf jedem Blatt in der Bibel, in den Kirchen, auf dem Rathhaus, in den Stuben der Rechtsgelehrten, in den Officinen der

Hexen« woson.

') Gautio criminalis sea de proecssibns contra Sagas über ad magistratns Germaniae hoc tempore necessarias (aactore theologo romano) , Rinteln, 1631. Biicker, (bibliotb6qne des öcrivains de la Coropagnie de J^na, Li^ 1854) führt sechs Ausgaben an. Der protestantische Pastor Johann Seifferi hi Ulm gab 1647, der Pastor Hermann Schmidt in Nassau gab 1G49 eine dentsc&e Ueberseaung da- von heraus (Backer, II, p. &77}.

') Ö. Conr. Jlorstf genannt der „Dämonolog^, t 1Ö82.

Die Bpsaische Inquisitioii in Qeof and Bern. 79

Äerzte und Natarlehx'er, in dem Kuh- und Pferdestall, in der Schäfer- hütte, überall und überall der Teufel war, wo jedes Donnerwetter, jeder Hagel, jede Feuersbrnnst, Dürre, Viehseuche u. s. w. dem Teufel and den Hexen Schuld gegeben wurde, in einem Jahrhundert, das darch die Schrecken uqd die Noth des dreissigjährigeo Krieges ver- wildert war"?

§. 37.

Die 8. g. Reformatoren haben ihrerseits kein Bedenken getragen, diejenigen, welche in ihren Augen Kezer waren, durch angezündete Scheiterhaufen aus dem Wege zu schaffen. Michael Serveto (Servede)